Hamburg, 29.08.2017, 16:20  Blickpunkt:Film | TV

Schlöndorff, Sido & Bella - Die TV-Reihe des Filmfest Hamburg

"Angst - Der Feind in meinem Haus" (Bild: ZDF/Stefan Erhard) Großansicht
"Angst - Der Feind in meinem Haus" (Bild: ZDF/Stefan Erhard)
Oscar-Preisträger meets Lola-Gewinner. So prominent geht es in diesem Jahr in der Fernsehreihe des Filmfests Hamburg zu. Zwölf Filme laufen im Wettbewerb um den von der VFF gestifteten Hamburger Produzentenpreis. Das Verhältnis zwischen ARD- und ZDF-Filmen ist in diesem Jahr paritätisch. Unter den ARD-Sender nutzt der NDR den Heimvorteil mit vier Produktionen.

Volker Schlöndorff präsentiert seine mit Spannung erwartete Friedrich Ani-Verfilmung "Der namenlose Tag", in der ein ehemaliger Kommissar "einen toten Fall zu neuem Leben erweckt". Thomas Thieme spielt den Ex-Kriminaler Jakob Franck, der baldige Ex-"Tatort"-Ermittler Devid Striesow übernahm eine weitere Hauptrolle. Für Schlöndorff handelt es sich um seinen ersten TV-Krimi überhaupt. Der letztjährige Lola-Abräumer Lars Kraume ist auf diesem Gebiet wesentlich befleckter, wenngleich sein Hamburger Beitrag "Dengler: Die schützende Hand" eher dem Thriller-Genre zuzurechnen ist. Für Kraume ist es die dritte Verfilmung aus der Romanserie von Wolfgang Schorlau. Diesmal wird die von Ronald Zehrfeld gespielte Titelfigur - noch so ein Ex (ehemaliger BKA-Ermittler) - in den NSU-Skandal verwickelt.

"Der namenlose Tag" (Bild: Conny Klein/ZDF/PROVOBIS) Großansicht
"Der namenlose Tag" (Bild: Conny Klein/ZDF/PROVOBIS)
Noch eine Romanverfilmung, nochmal Thriller und ein weiterer großer Regiename: Thomas Bergers "Angst - Der Feind in meinem Haus" liegt Dirk Kurbjuweits "Angst" zugrunde, eine Geschichte über den von Udo Samel gespielten Herrn Tiberius, der seine neuen Nachbarn (Heino Ferch und Anja Kling) mit perfiden Mitteln immer weiter in die Ecke treibt.

Als Kind der Hansestadt, wenngleich gebürtiger Hannoveraner und Werder-Bremen-Fan, kann man Lars Becker bezeichnen, der in diesem Jahr keinen seiner Hamburger "Nachtschicht"-Filme im Gepäck hat. Statt dessen ist er mit "Reich oder tot" vertreten, dem Finale seiner Filmtrilogie über die im Graubereich zwischen Gut und Böse wandelnden Kiez-Ermittler Diller und Kessel, denen Nicholas Ofczarek und Fritz Karl ihr unverwechselbares Gesicht gaben und die ebenfalls als Romanfiguren, von Georg M. Oswald ("Unter Feinden"), ihren Ursprung hatten.

Wie Berger und Becker ist auch Stefan Krohmer ein Rückkehrer aus dem vergangenen Jahr. Nachdem es in seinem Zweiteiler "Neu in unserer Familie" zumindest noch tragikomisch zuging, liefert "Meine fremde Freundin" einen dramatischen Stoff "über Vertrauen, Lüge und Verrat", so die Ankündigung. Ausgangspunkt der Geschichte bildet eine Vergewaltigung am Arbeitsplatz. Die österreichische Naturwucht Ursula Strauss spielt die Hauptrolle.

?Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße? (Bild: NDR) Großansicht
?Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße? (Bild: NDR)
Gleich doppelt ist der "Tatort" vertreten, beide Male mit Folgen des Lokalmatadors NDR. Niki Steins "Dunkle Zeit" mit dem Gespann Falke/Grosz (Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz) handelt von einer rechtspopulistischen Partei und deren Vorsitzenden. Anja Kling übernahm diesen Part. Mit "Borowski und das Land zwischen den Meeren" gibt "Ku'damm 56"-Regisseur Sven Bohse sein "Tatort"-Debüt. Axel Milberg ermittelt erstmals ohne Sibel Kekilli auf einer Nordseeinsel und kann sich mit Christiane Paul als Gegenüber über diesen Verlust hinweg trösten.

Zarte Erinnerungen an den letztjährigen Produzentenpreis-Gewinner "Apropos Glück" weckt Matthias Tiefenbachers Heimatkomödie "Wenn Frauen ausziehen", in der ebenfalls Solidarität unter Frauen eine gewisse Rolle spielt. Einer kleinen bayerischen Gemeinde droht neben Gentrifizierung ein Geschlechterkrieg, weil ein Investor einen Luxus-Ferienpark plant und sich die Frauen aus dem Dorf - anders als ihre besseren Hälften - für dessen Millionenangebot erwärmen können. Die Anführerin der rebellischen Frauen spielt Anna Maria Mühe, zu ihren Mitstreiterinnen zählt Michelle Barthel, die auch die Titelrolle in Buket Alakus' "Eine Braut kommt selten allein" innehat. Eine "turbulente Komödie über die vielfältigen Facetten der Willkommenskultur" kündigt das Filmfest an, die darüber hinaus Rap-Star Sido in seiner ersten TV-Hauptrolle zeigt. Er spielt einen gescheiterten Clubbesitzer, der sich in eine junge Roma verleibt und schon bald deren gesamte Großfamilie an der Backe hat.

Von einem Culture Clash handelt auch Viviane Andereggens "Kein Herz für Inder". Bei einer deutschen Familie hängen die Kinnladen ziemlich tief als statt der angekündigten englischen Austauschschülerin ein 13-jähriger Inder vor der Tür steht. Der diesjährige Deutsche Fernsehpreis-Gewinner Martin Brambach spielt das Familienoberhaupt, Aglaia Szyszkowitz dessen Frau. Die Schweizer Regisseurin passt auch deshalb perfekt nach Hamburg, weil sie mit ihrem aufsehenerregenden Vorgänger "Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut" der ersten Generation der NDR-Nachwuchsreihe Nordlichter angehörte. In der Zwischenzeit haben der NDR und seine Partner Nordmedia und FFHSH in ihrem Nachwuchsprogramm nach Mystery-Stoffen Ausschau gehalten. Als erstes Resultat gibt es auf dem Filmfest "Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße" von Damian Schipporeit zu sehen - ein Debütfilm über ein Familiengeheimnis vor realem historischem Hintergrund. Starke Nachwuchsarbeit leistet über Jahrzehnte bereits das Kleine Fernsehspiel des ZDF. Den Beleg dafür liefert Constanze Knoche mit "Die Familie", ein weiterer Thriller, der bereits im Oktober im Rahmen der Reihe "Stunde des Bösen" ausgestrahlt wird. Stephanie Amarell spielt eine notorische Schulschwänzerin, für die ein Selbstfindungsseminar zum Albtraum wird.

Als perfekte Bühne für den Abschied der Hamburger Ermittler-Legende "Bella Block" ist das Filmfest wie geschaffen. Außer Konkurrenz werden die beiden finalen Folgen "Stille Wasser" und "Am Abgrund" von Jo Baier beziehungsweise Rainer Kaufmann gezeigt. Nach knapp 25 Jahren tritt die unvergleichliche Hannelore Hoger in ihrer Paraderolle ab.

Die Kandidaten für den Hamburger Produzentenpreis

  • "Angst - Der Feind in meinem Haus" (Network Movie Hamburg für ZDF)
  • "Eine Braut kommt selten allein" (Bavaria Fernsehproduktion Berlin für RBB/ARD)
  • "Dengler: Die schützende Hand" (Bavaria Fernsehproduktion & Cuckoo Clock Entertainment für ZDF
  • "Die Familie" (Neu Film Constanze Knoche für ZDF-Kleines Fernsehspiel)
  • "Kein Herz für Inder" (Network Movie Hamburg für ARD/Degeto)
  • "Meine fremde Freundin" (Polyphon für ARD (NDR)
  • "Der Namenlose Tag" (Provobis Film für ZDF)
  • "Reich oder Tot" (Network Movie Köln für ZDF)
  • "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren" (Nordfilm für NDR/ARD)
  • "Tatort - Dunkle Zeit" (Cinecentrum Berlin für ARD/NDR)
  • "Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße" (Fiction 2.0 für NDR)
  • "Wenn Frauen ausziehen" (Akzente Film für ZDF)



Quelle: Blickpunkt:Film

Mit einem Abo können Sie diesen Artikel kommentieren.


Mehr News zum Thema TV

Blickpunkt:Film.Daily

Blickpunkt:Film.daily

Unser kostenloser Newsletter informiert Sie täglich über die Geschehnisse der Filmbranche.

KOMMENTARE

  • Noch kein Kommentar vorhanden.

Mehr zum Thema

Produkte

Filmcharts

Unser kostenloses Angebot