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Berlin, 01.09.2017, 14:48  Blickpunkt:Film | Produktion

Schiwago führt "Krieg" in Venedig und hat noch viel vor

"Krieg" feiert Weltpremiere in Venedig (Bild: Schiwago Film) Großansicht
"Krieg" feiert Weltpremiere in Venedig (Bild: Schiwago Film)
Die Berliner Produktionsfirma Schiwago Film ist mit Rick Ostermanns zweiten Film "Krieg" im Programm der Mostra in den Orizzonti vertreten. Das intensive Drama ist eine Auftragsarbeit für den WDR. Vorbereitet wird der zweite Film von "Oh Boy Clip"-Regisseur Jan-Ole Gerster, "Lara".

"Krieg" gehört zu den wenigen deutschen Beiträgen im Programm der Filmfestspiele von Venedig. Der Mix aus Drama und Thriller nach dem u.a. für seine Figurenzeichnung gelobten Roman vonJochen Rausch erzählt von einem Mann, dessen Sohn, ein Zeitsoldat, bei einem Auslandseinsatz ums Leben kommt. In der Trauer um den gemeinsamen Sohn nimmt sich seine Frau das Leben und er zieht sich in eine einsame Berghütte zurück, wo er von einem Unbekannten bedroht wird. Als der seinen Hund lebensgefährlich verletzt, beginnt ein Krieg zwischen den beiden. "Wie der Titel schon vermuten lässt, hat der Film ein politisch brisantes Thema, das er über eine Familientragödie angeht und in zwei miteinander verwobenen Zeitebenen erzählt. Es ist ein spannender Film geworden mit großen emotionalen Momenten", skizziert Produzent Marcos Kantis, der 2007 als Gesellschafter in die von Martin Lehwald gegründete Schiwago Film eingestiegen ist, das Projekt. Der renommierte und vielfach ausgezeichnete, im Theater, Fernsehen und Kino tätige Ulrich Matthes spielt die Hauptrolle. Barbara Auer, Jördis Triebel und Thomas Loiblsind in weiteren Rollen zu sehen. Rick Ostermann, dessen Debüt "Wolfskinder" Clip aus dem Jahr 2013 u.a. den Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke und den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis gewann, führte im vergangenen Jahr Regie nach einem Drehbuch der erfahrenen und für "Grenzgang" mit dem Grimme-Preis prämierten Hannah Hollinger. Bei der Schiwago Film ist Producerin Louise von Johnston mit verantwortlich.

Ungewöhnlich ist, dass der als Auftragsproduktion für den WDR entstandene Titel, der für den Mittwochabend der ARD vorgesehen ist, bei der 74. Biennale seine Weltpremiere feiert. Er läuft in der auf Nachwuchsprojekte spezialisierten Sektion Orizzonti, in der bereits "Wolfskinder" präsentiert wurde. Er sei höchstwahrscheinlich erst der zweite Fernsehfilm nachEdgar Reitz' "Heimat" im Programm des A-Festivals, erzählt Barbara Buhl, Leiterin der Programmgruppe Fernsehfilm und Kino beim WDR. "Ein Fernsehfilm zu sein, ist kein Ausschlusskriterium. Allein die Qualität des Filmes ist entscheidend. Netflix-Filme laufen ja auch in Cannes. Und bei "Krieg" ist eben ein öffentlich-rechtlicher Sender Auftraggeber. Natürlich haben wir beim WDR gefragt, ob ein Festivalstart okay ist", sagt Kantis. So wurde "Krieg" eingereicht. Dass er tatsächlich eingeladen wurde, damit habe man nicht zwingend gerechnet, sich aber natürlich riesig darüber gefreut, so Kantis und Buhl, die ausführt: "Für uns ist das die Krönung."

Die Entstehung des Projekts beschriebt Buhl folgendermaßen: "Den Roman von Kollege Jochen Rausch (er ist stellvertretender Programmchef beim WDR-Hörfunk, Anm. d. Red.) kannten wir schon früh und fanden ihn sehr interessant für eine Verfilmung. Wir haben uns für das Package Schiwago Film und Regisseur Rick Ostermann entschieden und Hannah Hollinger als Drehbuchautorin geholt. Üblicherweise entwickeln wir das Drehbuch erst mit einem Autoren zusammen bevor ein Regisseur an Bord kommt." Die Entscheidung sei nicht ganz unproblematisch gewesen: "Es wird durchaus als Wagnis betrachtet, einem Regisseur für seine erst zweite Arbeit einen Prime-Time-Film anzuvertrauen. Andererseits hat Rick Ostermann bereits viele Jahre als Regieassistent bei Lars Kraume gearbeitet, der wohl einer der besten Lehrer ist, die man aktuell haben kann und der sich auch für ihn stark gemacht hat und versicherte, dass Ostermann auch unter den Bedingungen eines normalen Fernsehfilmetats dieses Projekt stemmt." So sei das Risiko überschaubar gewesen. Buhl schwärmt, dass "Krieg" in einer der Konstellation entstanden sei, "bei der wirklich alles gestimmt hat und das Ergebnis ist herausragend".

Während Buhl Ostermann bei Kraume-Filmen traf, lernte Kantis den Regisseur beim Dreh zu Justus von Dohnanyis "Desaster" Clip kennen, einer Schiwago-Produktion, bei der Ostermann als Regieassistent an Bord war. Da man außerdem wie beim WDR auch bei Schiwago Film von dessen "Wolfskinder" beeindruckt war, vereinbarte man, bei Ostermanns zweiten Film zusammenzuarbeiten. Für "Krieg" sprach man damals mit dem vom HR für "Desaster" zuständigen Redakteur Jörg Himstedt. Der gab den Tipp, sich an Buhl zu wenden, die nicht nur Hollinger, sondern auch die betreuende Redakteurin Corinna Liedtke an Bord holte und die Idee hatte, Matthes für die Hauptrolle zu besetzen, als sie sich mit Ostermann und Kantis 2015 beim Fernsehfilmfestival in Baden-Baden, bei dem Matthes in der Jury saß, zu einer Besprechung trafen.

Kantis merkt an, dass "Krieg" auch als Kinostoff angedacht gewesen sei, man mit der Realisierung aber nicht warten wollte. "Oft ist ein Kinoprojekt ja auch nicht komfortabel umzusetzen, gerade wenn es sich um einen anspruchsvollen, vermeintlich weniger kommerziellen Stoff handelt mit einem Regisseur, der erst seinen zweiten Film macht. Da muss man häufig mit Budget unter einer Mio. Euro auskommen", so Kantis. Kinobilder hat das Drama jedenfalls allein schon durch die Bergkulisse, für die es pünktlich zu Drehbeginn zwei Meter Neuschnee gab. "Ein Traum für die Bilder, nicht ganz so leicht für das Team", so Kantis. Durch eine Förderung der Cine Tirol Film Commission konnte der Film in Tirol im relativ schneesicheren Januar und mit einigem Aufwandt, wie u.a. mit Kraneinsatz gedreht werden. Man denke auch über einen kleinen Kinostart außerhalb des Festivals nach: "Weltvertriebe fragen an. Alle Rechte liegen beim WDR. Aber als ich bei X-Filme war, gab es mit "Alles auf Zucker Clip" eine WDR-Auftragsproduktion, für die man sich auf einen kleinen Kinostart einigte, der auf über eine Million Zuschauer kam und einige Lolas gewann. Genauso wird es zwar nicht laufen, "Krieg" ist ja keine Komödie, aber ein toller Film. So dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass sich nach Venedig ein deutscher Verleih für ihn findet und ihn in einem kurzen Fenster auswertet." Ein Eventstart ähnlich wie bei "Berlin Falling" oder "Rammstein: Paris" wäre denkbar bevor ARD "Krieg" als Mittwochsfilm, "der anspruchsvollste Programmplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen" wie Kantis anmerkt, im Frühjahr 2018 ausstrahlt.

Bis dahin wird Schiwago Film noch andere Projekte auf den Weg gebracht haben, darunter Jan-Ole Gersters zweite Regiearbeit nach seinem Debüt und Überraschungshit "Oh Boy" Clip von 2012, der knapp 400.000 Zuschauer im deutschen Kino erreichte und mit sechs Lolas und dem Europäischen Filmpreis für das beste Debut prämiert wurde. Für "Lara" Clip ist ein Drehstart am 15. Oktober geplant. Die Tragikomödie um eine Mutter-Sohn-Beziehung basiert auf dem bereits in Cannes mit dem Media New Talent Award prämierten Drehbuch des slowenischen Autors Blaz Kutin. Es erzählt von einer Frau, deren Sohn ausgerechnet an ihrem sechzigsten Geburtstag das wichtigste Klavierkonzert seiner Karriere gibt. Sie war es, die seinen musikalischen Werdegang forciert hat und sie muss erkennen, dass sich Viktor mit seinem Konzert endgültig von ihr befreit. Corinna Harfouch ist für die Titelrolle bestätigt und Tom Schilling, der auch in der Schiwago-Produktion "Mein Kampf" die Hauptrolle spielte, ist für die Rolle von Laras Sohn, des Pianisten Viktor, vorgesehen. In die eher ernste Geschichte "bringt Jan-Ole seine Kunst ein, mit tollen Schauspielern eine Situationskomik aus dem realen Leben zu holen", beschreibt Kantis Gersters Herangehensweise. Mit Cooky Ziesche vom rbb und Kirsten Niehuus vom Medienboard gab es Unterstützer, die es ermöglicht haben "Lara" noch in diesem Jahr auf die Beine zu stellen. BR und Arte sind weitere Senderpartner. Als Verleih und kleiner Koproduktionspartner ist Studiocanal an Bord. FFA und MDMförderten. Kantis ist froh, dass man vor dem aufwändigen, historischen "Imperium" nach Christian Krachts erfolgreichen und viel diskutierten Roman, der auf einer Insel in damals Deutsch-Neuguinea spielt, noch einen zeitgenössischen Stoff gemeinsam umsetzt.

Susanne Wolff in "Styx" (Bild: Schiwago Film, Amour Fou Vienna) Großansicht
Susanne Wolff in "Styx" (Bild: Schiwago Film, Amour Fou Vienna)


"Eine krawallige Komödie mit realen Charakteren und politischer Schlagkraft", so Kantis wird "Homies" Clip, mit dem Florian Dietrich sein Regiedebüt gibt und der gemeinsam mit Porducerin Louise von Johnston entwickelt wird. Die Kinokoproduktion von ZDF Kleines Fernsehspiel und arte soll voraussichtlich im nächsten Frühjahr in Frankfurt realisiert werden. Hessische Filmförderung unterstützt. Bereits im vergangenen Jahr drehte man Wolfgang Fischers "Styx" um eine Frau, die allein auf einen Segeltörn geht, der zu einem Überlebenskampf gerät, auf Malta zum größten Teil auf dem offenen Meer. In der Koproduktion mit Amour Fou Vienna spielt Susanne Wolff die Hauptrolle. Für den Schnitt, der fast abgeschlossen ist, wartete man auf Mona Willi, der regelmäßigen Mitarbeiterin von Michael Haneke und Michael Glawogger. Benedict Neuenfels führte Kamera und erste Testscreenings des Dramas kamen sehr gut an.. Ebenfalls an Bord sind der WDR und Arte. Zorro Film wird den Film 2018 in die deutschen Kinos bringen,Beta Film übernimmt den Weltvertrieb.

Schiwago ist auch weiter im Fernsehen aktiv, u.a. mit drei Reihen. So werden nach dem ersten Ostfriesen-Krimi "Ostfriesenkiller", der am 1. April im ZDF ausgestrahlt wurde, zwei weitere, voraussichtlich ab Mai und Juni nächsten Jahres nach den Bestsellervorlagen von Klaus Peter Wolfrealisiert werden. Für die "Fluss des Lebens"-Reihe fürs ZDF wird Martin Lehwald im November auf dem Mekong unterwegs sein. Gemeinsam mit Producer Simon Grohe werden diese Reihen entwickelt und vorbereitet. Bereits im Oktober steht der Dreh zu dem Piloten der dritten Reihe, einen in Prag spielendenKrimi für ARD/Degeto an. Roeland Wiesnekker und Gabriela Maria Schmeide spielen das Ermittlerduo. Von Jaroslav Rudis ("Alois Nebel" Clip) und Martin Behnke ("Wir sind jung. Wir sind stark Clip") stammt das Drehbuch. Nicolai Rohde wird die Regie übernehmen.

Lehwald plant auch ein weiteres Projekt mit Jan-Henrik Stahlberg, mit dem er bereits mehrere ungewöhnliche Projekte realisierte, wie etwa "Muxmäuschenstill" Clip. "Uns macht beides Spaß, ein Sonntag-Abend-Film fürs Fernsehen ebenso wie ein schräger, politischer Stoff", fasst Lehwald das breite Spektrum der Projekte von Schiwago Film zusammen. Besonders wichtig ist den Berlinern die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Regisseuren, mit denen man gerne auch den zweiten und dritten Film gemeinsam in Angriff nimmt. So möchten sie nach Gerster und Stahlberg auch wieder mit Wolfgang Fischer, Justus von Dohnanyi und Rick Ostermann gemeinsame Stoffe voranbringen.


Quelle: Blickpunkt:Film

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