Rückkehr mit Hindernissen für "Exorcist - The Beginning"
Der "Exorzist" ist wieder in: Nach dem erfolgreichen Director's Cut drehte jetzt Paul Schrader in Marokko und Rom ein Prequel. Statt billiger Horror-Klischees soll die Produktion intelligente Thrills bieten.
Paul Schrader exorziert
Es ist eine ungewohnte Situation für Schrader. Seit über 15 Jahren hat der Regisseur, der mit Drehbüchern wie "Taxi Driver" und Filmen wie "Ein Mann für gewisse Stunden" weltberühmt wurde, nicht mehr für ein Studio gearbeitet. Jetzt stellt er eine 45-Mio.-Dollar-Produktion für Warner fertig - noch dazu einen Franchise-Film, für den er nicht erste Wahl war. Das Prequel zu William Friedkins Horror-Klassiker produziert und finanziert James Robinson und seine Firma Morgan Creek. Warner übernimmt lediglich den Verleih - auch in Deutschland. Deshalb gibt es auch "keinen Hexenzirkel von Managern, der sich einmischt", so Schrader. Morgan Creek hatte die Rechte günstig erworben. 1990 drehte William Peter Blatty, Autor der Romanvorlage und des ersten "Exorzist"-Drehbuchs, einen dritten Teil. Seit 1994 entwickelte Morgan Creek das Drehbuch für ein Prequel. Als Warner 2000 den originalen Film mit neuer Tonmischung und ergänzten Szenen in die Kinos brachte und damit 100 Mio. Dollar einspielte, war der Teufelsaustreiber für das heutige Publikum wieder zu einer Marke geworden - und für Morgan Creek oberste Prioriät. Caleb Carr überarbeitete das ursprüngliche Drehbuch von William Wisher. Die Qualität seines Skripts überzeugte John Frankenheimer. Mit ihm kam Liam Neeson an Bord, der die Rolle des Vater Merrin übernehmen sollte. Der im Original von Max von Sydow gespielte Dämonenjäger ist die Hauptfigur des neuen Films. Die Geschichte setzt im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden ein, wo Merrin eine traumatische Erfahrung durchmacht. Danach springt die Handlung nach Kenia um 1947: Merrin, inzwischen Archäologe, stößt auf eine frühchristliche Kirche und bald treten erste Fälle von Besessenheit auf.
Doch das Dämonen-Projekt schien unter keinem guten Stern zu stehen. Ursprünglich sollten die Dreharbeiten im Juni 2002 beginnen; wenige Wochen vorher starb Frankenheimer. Nach seinem Tod verabschiedete sich auch Neeson. Morgan Creek gab nicht auf und fand kurze Zeit später mit Paul Schrader einen neuen Regisseur. Während der PR-Tour zu "Auto Focus" stieg er in die Vorbereitungen ein und gab dem Drehbuch den letzten Schliff. Schraders Renommee zog schnell einen neuen Hauptdarsteller an, Stellan Skarsgård. Schrader hatte keine Schwierigkeiten, sich mit dem Stoff anzufreunden: "Ich sehe das Ganze nicht als Horrorfilm, sondern als psychologische Reise eines Mannes." Für die handwerkliche Sorgfalt der Produktion garantieren noch andere Namen. Hinter der Kamera steht der dreifache Oscar-Preisträger Vittorio Storaro. Bei den Schauspielern setzte man auf unbekannte Talente, darunter die Französin Clara Bellar, die das Roboterkindermädchen in "A.I." spielte, und Gabriel Mann, der nach "Das Leben des David Gale" und "Army Go Home!" kurz vor dem Durchbruch zu stehen scheint. In einer Nebenrolle ist der philippinische Teenie-Star Billy Joe Crawford zu sehen.
Nach dem tragischen Anfang verlief die Produktion dann weitgehend planmäßig. Im November und Dezember wurden die Außenaufnahmen für die Kenia-Szenen in Marokko gedreht; danach ging man nach Cinecittà, auch weil Storaro und sein Team hier vorzugsweise arbeiten. Im Herbst soll der Film in den USA anlaufen. Wird er den Original-"Exorzist" überbieten können? "Das ist völlig unrealistisch", meint Schrader. "Aber mein Film wird seiner würdig sein."
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