Venedig, 29.09.2003, 16:04  Blickpunkt:Film

Regisseurin Sofia Coppola zu "Lost in Translation"

Mit ihrer charmant-komischen Culture-Clash-Komödie über einen Amerikaner in Tokio bezauberte Sofia Coppola nicht nur die Festivalbesucher in Venedig, sondern lässt in USA auch erfolgreich die Kinokassen klingeln. "Lost in Translation Clip" (Constantin, 8. Januar 2004) beweist, dass die 32-Jährige mehr ist als nur die Tochter ihres berühmten Vaters Francis Ford Coppola.

Sofia Coppola am Set ihres Films
Sofia Coppola am Set ihres Films  
Blickpunkt:Film: Was führte Sie für Ihren Film nach Japan?

Sofia Coppola: Als ich Anfang 20 war, habe ich einige Zeit in Japan verbracht, und mir fest vorgenommen, mal einen Film in Tokio zu drehen. Man begegnet dort einer ganz anderen Welt. In Europa können wir Amerikaner uns noch zurechtfinden, aber in Japan ist einfach alles fremd, nicht nur die Sprache. Schon auf die Straße zu gehen, wird zum unkalkulierbaren Abenteuer.

BF: Wie haben Sie die Dreharbeiten vorbereitet?

SC: Ich besitze sehr viele Fotos auch vom nächtlichen Neon-Tokio. Einen großen Teil der Orte, an denen wir drehten, kannte ich von meinen Besuchen. Ein Jahr vor den Dreharbeiten bin ich noch einmal hingefahren, habe mögliche Locations abgeklappert und einiges auf Video gedreht. Manches findet sich im Film wieder, beispielsweise die Aqua-Aerobic-Klasse oder die Jazz-Sängerin in der Hotelbar. Wir waren eine zehnköpfige Crew aus Amerika, der Rest kam aus Japan. Am schlimmsten empfand ich die körperliche Anstrengung.

BF: Die Kamera ist mitten im Geschehen auf der Straße. Wie haben Sie das geschafft?

SC: Kameramann Lance Acord bewegt sich in der größten Menge wie ein Fisch im Wasser. Wir wollten auf Film drehen, nicht auf DV. Dennoch verzichteten wir auf eine riesige Ausrüstung und zogen mit einer kleinen Kamera los. Auf Grund des lichtempfindlichen Filmmaterials benötigten wir kein Extralicht und konnten spontan auf Situationen reagieren. Alles musste schnell gehen. Wir warfen oft unsere Pläne um. In manchen Locations wie der U-Bahn herrschte Filmverbot, also waren wir immer in Bewegung.

Kein roter Teppich für die Tochter von Francis

BF: Haben Sie mit den Darstellern alles en détail vorbereitet?

SC: Ohne Improvisation wäre "Lost in Translation" weniger lebendig. Ich höre auf die Anregungen von Schauspielern. Viel verdanke ich Bill Murray, ein Meister im Improvisieren. Er lieferte eine Reihe von witzigen Ideen. Ich liebe seinen Humor.

BF: Den ersten Film loben Kritiker gern, den zweiten nicht. Spürten Sie Erwartungsdruck?

SC: Überhaupt nicht. "Lost in Translation" hat einen ganz anderer Stil, deshalb sollte man meine beiden Filme auch wirklich nicht vergleichen.

BF: Ist der Name Coppola eine Last oder profitieren Sie davon?

SC: Ich bin stolz auf meinen Namen. Wenn ich einen Film drehe, tut der aber nichts zur Sache. Schon als Kind nahm mich mein Vater mit zu Dreharbeiten. Ich fand es ganz natürlich, am Set herumzutollen. Ich habe zwar Malerei studiert und Verschiedenes ausprobiert, bin dann aber doch beim Film gelandet. Wer denkt, mir würde der rote Teppich ausgerollt, der irrt. Ich muss genauso hart arbeiten wie jeder andere auch. Der einzige Vorteil: Vielleicht ein leichterer Zugang zu einigen Leuten, weil meine ganze Familie im Filmbusiness tätig ist.

BF: Wie läuft die Arbeit in einem Familienunternehmen, wenn der Vater der Produzent ist?

SC: Wenn wir über die Finanzierung reden, ist er in erster Linie Produzent. Es gibt auch keine kreativen Probleme, ich trage als Regisseurin die Verantwortung. Das Drehbuch zeige ich manchmal meinem Bruder Roman, da wir uns im Geschmack ähneln. Mein Vater mischt sich nicht ein. Er kriegt die ersten Ergebnisse aus dem Schneideraum zu sehen. Da bin ich dankbar für ein Korrektiv, weil ich so tief in der Sache stecke, dass mir manche Dinge nicht mehr auffallen. Ich halte ihn für einen wunderbaren Lehrer, nicht nur für mich, auch andere junge Regisseure lassen sich von ihm beraten.

BF: Wie sieht es mit einem nächsten Projekt aus?

SC: Es gibt noch keine konkrete Planung. Ich brauche immer viel Zeit, da ich mich dem Thema persönlich verbunden fühlen muss. Bevor ich mich in das nächste Drehbuch stürze, muss ich erst einmal wieder zu mir kommen.

Quelle: Blickpunkt:Film

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