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Nach "Das Leben ist eine Baustelle" meldet sich Wolfgang Becker mit "Good Bye, Lenin!
" (X Verleih, 13. Februar) im Berlinale-Wettbewerb zurück. Eine originelle Komödie über die Verdrehung der politischen Wirklichkeit nach dem Mauerfall mit Katrin Saß und dem diesjährigen "Shooting Star" Daniel Brühl.
Wolfgang Becker: Ich brauche ein Projekt, an das ich wirklich bis zum Schluss glaube, das mir Kraft gibt, auch wenn alles schief läuft, sonst steht man so etwas nicht durch. Ich habe gute Ideen, halte mich für einen guten Ko-Autoren mit Gefühl für Struktur und Figurenzeichnung, bin aber kein Fuchs im Dialogeschreiben und möchte auch lieber Regisseur und nicht Autor sein. In den vergangenen Jahren habe ich an drei Projekten laboriert, die sich zum Teil zerschlugen. Zwei Jahre dauerte die Arbeit mit Bernd Lichtenberg am Drehbuch von "Good Bye, Lenin!". Er kam mit einem fünfseitigen Exposé auf mich zu, davon waren zwei überflüssig, die restlichen drei aber fantastisch. Der Film wurde auch vergleichsweise schnell finanziert.
Als "Wessi"-Regisseur an Ost-Thema gewagt
BF: Mit welchem Budget?
WB: Wesentlich teurer als ursprünglich kalkuliert auf Grund von Verschiebungen und einem großen Versicherungsfall. Geplant waren so um die drei Mio. Euro, während des Drehs wurde auf ungefähr 3,25 Mio. nachfinanziert und am Ende sind wir bei über vier Mio. Euro gelandet. Der Film entstand nicht unter normalen Voraussetzungen, ein Albtraum mit allen Komplikationen, die passieren können. Krankheit, Schwangerschaft und dann der 11. September, der alles über den Haufen warf. Und das Wetter. Bei den Vorbereitungen im Juli und August 2001 war es wahnsinnig heiß, es wurden Ventilatoren ohne Ende gekauft. Am Abend des Warm-ups fing es an zu regnen und hörte vier Wochen nicht mehr auf.
BF: Macht es Sie stolz, dass Ihr Film im Wettbewerb läuft?
WB: Stolz ist nicht das richtige Wort. Ich freue mich und spüre trotz aller Unkenrufe keine Angst, denn ich habe alles getan, was ich konnte für diesen Film, alles ausprobiert, was ich im Schnitt ausprobieren konnte, hatte fantastische Schauspieler und eine starke, tragfähige Geschichte. Den Rest entscheidet das Publikum.
BF: Mit dem "Ost"-Thema trauen Sie sich als "Wessi" in die Höhle des Löwen.
WB: Nach dem Drehbuch glaubten viele, wir seien aus dem Osten. Die Zweifel begannen erst, als klar war, dass wir aus dem Westen stammten. Die Gefahr, den Beifall von der falschen Seite zu bekommen oder Kritik, nur weil man nicht dazugehört, liegt in der Natur des Stoffes. Wer zu viel weiß, kann aber auch so verstrickt sein, dass er eine einfache Geschichte nicht erzählen kann. Es geht doch nicht um einen authentischen Fall, sondern um Fiktion.
BF: Am Set soll es manchmal ganz schön geknallt haben. Lassen Sie sich von Schauspielern eigentlich inspirieren oder sind Sie ein unleidlicher Regisseur?
WB: Es war ein anstrengender Dreh. Die katastrophalen äußeren Bedingungen steckt man am Anfang noch mit Solidarität weg. Aber wenn nach vier, fünf Wochen die Probleme nicht aufhören, bröckelt es an allen Fronten. Da gibt es dann die so genannte Demoralisierung der Truppe, jeder wird dünnhäutig. Nichtsdestrotz ist es die Aufgabe des Regisseurs, die Sache durchzuziehen. Es gehört zu meiner Verantwortung, ein bestimmtes Qualitätsniveau zu halten, auch wenn ich zwischen allen Fronten stehe - hier der Kreative, da die Produktion, die Druck macht, weil alles teurer wird. Da besteht die Gefahr, zerrieben zu werden. Aber ich halte mich nicht für einen unleidlichen Menschen und lasse mich auch von Einfällen inspirieren, wenn sie Substanz haben. Nichts ist zementiert. Zu Daniel Brühl hatte ich ein wunderbares, konfliktfreies Verhältnis.
BF: In "Good Bye, Lenin!" geht es um Abschied von der Jugend und von einer Ideologie. Was hat Sie am meisten gereizt?
WB: Es gibt mehrere Aspekte: Da fängt jemand mit einer kleinen Lüge an, um seine Mutter vor Schlimmerem zu bewahren, und verheddert sich dann in einem Lügennetz, das Ganze wächst ihm über den Kopf. Wie beim Zauberlehrling wird er der Sa-che nicht mehr Herr. Was am Anfang noch sympathisch ist, bekommt etwas Fragwürdiges. Dazu noch eine Familiengeschichte während eines bedeutenden historischen Moments, der quasi en passant miterzählt wird. Und nicht zu vergessen die Frage nach der Geschichtsfälschung, man nimmt die gleichen Bilder und setzt sie in einen anderen Kontext mit einem anderen Kommentar. Es heißt nicht umsonst, Film ist die Lüge, 24 Mal die Sekunde.
"Wunderbares Verhältnis zu Daniel Brühl"
BF: Wie wird sich "Good Bye, Lenin!" für X Filme auswirken?
WB: Trotz aller Gerüchte: Wir haben keine fundamentale Krise. Es geht uns nicht blendend, aber auch nicht schlecht. Unsere Firmenphilosophie heißt nicht, auf Deibel komm' raus Filme nur unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlichen Erfolgs zu produzieren. Aber natürlich freuen wir uns über jeden Zuschauer.
BF: Wann können wir mit Ihrem nächsten Film rechnen?
WB: Hoffentlich etwas schneller. Ich finde fünf Jahre unerträglich, da leidet die Kreativität. Ich wäre froh, jetzt schon auf ein fertiges Skript zurückgreifen zu können und nach einer kurzen Pause in den Dreh zu gehen. Dem ist leider nicht so, aber ich habe schon eine Idee, die ich mit jemandem zusammen schreiben will.
Quelle: Blickpunkt:Film
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