Venedig, 15.09.2003, 13:33  Blickpunkt:Film

Regisseur und Schauspieler Takeshi Kitano zu "Zatoichi"

Mit "Zatoichi Clip", der Pop-Version eines Samuraifilms, avancierte Takeshi Kitano zum Publikumsliebling am Lido und durfte sich auch über den Silbernen Löwen für die beste Regie freuen.

Takeshi Kitano als Titelheld und Regisseur
Takeshi Kitano als Titelheld und Regisseur  
Blickpunkt:Film: Ist "Zatoichi" der Samuraifilm, von dem Sie schon seit Jahren schwärmen?

Takeshi Kitano: Nein, die Idee zu meinem großen und sehr teuren Samuraifilm mit nicht-fiktionalen Figuren habe ich noch nicht verwirklicht, dazu fehlt mir das Geld. "Zatoichi" beschäftigt mich schon seit vier Jahren. Als Quelle dienten mir die Zatoichi-Serien in Film und Fernsehen, aber ich habe inhaltlich und visuell etwas ganz anderes daraus gemacht. Mein Held gibt sich viel exzentrischer, schon allein durch die blonden Haare. Beeinflusst haben mich auch TV-Serien aus der Kindheit mit einem Samurai als eine Art japanischen Zorro, ein guter Typ, der aus dem Nichts erscheint, für Gerechtigkeit sorgt und die Bösen bestraft.

BF: Die Schwertkämpfe erinnern an ein Ballett. Wie haben Sie die entwickelt und mit den Schauspielern vorbereitet?

TK: Der Eindruck eines Balletts rührt wohl daher, dass man bei einem Schwertkampf sehr korrekte Positionen einnehmen muss, uns stand auch ein Schwertkampf-Choreograf zur Seite. Zatoichi hält das Schwert mit der Rückhand, das verlangt unnatürliche Bewegungen, es dauerte lange, bis ich die intus hatte. Beim Üben bekamen einige meiner Gegner ziemlich Hiebe. Mir ging es um einen speziellen Rhythmus und ein spezielles Tempo. Schon während des Drehs achtete ich auf Schnelligkeit, den Rest erledigte ich im Schnitt. Bei Karate und Schwertkampf entscheidet oft ein einziger Moment über den Ausgang, nicht stundenlanges Taktieren. Das musste rüberkommen.

BF: Kann man Ihren Film als Hommage an Akira Kurosawa deuten?

TK: Vor allem die Schwertkampfszene im Regen ist eine Hommage an "Die sieben Samurai". Über den Erfolg bin ich mir nicht so sicher. Kostümdesignerin Kazuko Kurosawa, Tochter des Meisters, stand hinter mir am Monitor und entmutigte mich mit der Feststellung, ich läge voll daneben.

BF: Wie besteht man gegen diese Regielegende?

TK: Ich fühle mich nicht unter Druck. Ich gehöre einer anderen Generation an und arbeite in anderen Zusammenhängen. Manchmal beneide ich ihn. Damals war es möglich, sich als Regisseur viel mehr Zeit zu nehmen, und man hatte mehr Einfluss gegenüber den Schauspielern. Kurosawa verlangte viel. Wenn ich so auftreten würde, wäre ich meine Schauspieler schnell los. Es wäre auch lächerlich, in die Fußstapfen einer Legende zu treten, ich mache meine eigenen Filme.

BF: Der Look entspricht gar nicht den traditionellen Samuraifilmen.

TK: Ein Kompliment, "Zatoichi" sehe ich als Pop-Version alter Samuraifilme. Es hat mich viel Mühe gekostet, diese delikate Balance zwischen Pop und der klassischen Basis zu entwickeln.

BF: Das Stepptanzfinale wirkt sehr modern. Inwieweit dienten Ihnen Musicals als Vorbild?

TK: Ich praktiziere Stepptanz schon seit sechs Jahren. Die Schlussszene versucht eine Mischung von Alt und Neu, eine ziemliche Herausforderung. Ein japanisches Period Drama endet immer mit Feiern und Tanz. Dieses Klischee wollte ich mit einer modernen Variante brechen und gleichzeitig mit dem klassischen Volkstanz verbinden. Mir gefällt es, bei einem Period Piece mit verschiedenen Versatzstücken zu spielen.

BF: Erstmals arbeiten Sie exzessiv mit CGI-Shots.

TK: Die Kämpfe sollten zwar so realistisch wie möglich sein, aber es wäre schmerzhaft und unerträglich gewesen, die Wunden und das ganze Blut wirklichkeitsgetreu zu zeigen. In diesen Szenen habe ich dem Film den Look eines Videogames verpasst, manche Szenen haben bewusst Cartoon-Charakter, um der Brutalität die Schärfe zu nehmen.

BF: Woher kommt der Trend zum Samuraifilm, den auch Quentin Tarantino nutzt?

Cartoon-Charakter, um Schärfe zu nehmen

TK: Dass Quentin Tarantinos "Kill Bill Clip" jetzt herauskommt, ist wohl mehr zufällig. Da ich schon seit vier Jahren an dem Projekt arbeite, bin ich auch nicht auf den Zug aufgesprungen. Trends bilden sich, denken Sie an die Spaghettiwestern in den siebziger Jahren.

BF: Japan wird für Produzenten immer interessanter, zunehmend investieren japanische Firmen in US-Filme. Was halten Sie davon?

TK: Produzenten investieren da, wo ihr Geld neues Geld bringt, eine alte Erkenntnis. Da sich das Geld nicht automatisch vermehrt, fehlt es der heimischen Produktion. Ich bin kein guter Geschäftsmann und meine Filme sind keine großen Nummern am Boxoffice. Mir fehlt es an Talent, Geld anzuhäufen wie Dagobert Duck.

Quelle: Blickpunkt:Film

KOMMENTARE

  • Noch kein Kommentar vorhanden.

Mit einem Abo können Sie diesen Artikel kommentieren.

Mediabiz Datenbank

Filmcharts

Mediabiz Aktuell

  • Blickpunkt:Film

    Das Fachmagazin für
    die Filmwirtschaft

    mehr

Blickpunkt:Film.daily - Insider Businesstipps kostenlos

Registrieren Sie sich jetzt für den Top-Newsletter der Filmbranche

Blickpunkt:Film.daily
- die entscheidenden
Ereignisse des Tages für
Sie zusammengefasst
- täglich ab 15 Uhr in
Ihrem Postfach

Ihr Wissensvorsprung.

Brandheiße Informationen aus 1. Hand zu aktuellem Branchengeschehen, Marktzahlen und -analysen, erfolgs- entscheidende Hintergründe, Charts, Termine u.v.m.

Programmplaner

  • Film

    Vorschau bis: KW 2012/49

    Alle deutschen Kinostarts und TV-Movie-Sendetermine plus geplante, laufende und fertiggestellte deutsche und internationale Produktionen.

    Heute neu:

    Gemeldete Starts:
    0
    Aufgenommene Filme:
    1
    Filmkritiken:
    2