Regisseur und Autor Alexander Payne über "Sideways"
Mit "Sideways
" (Fox, 3. Februar) ist Alexander Payne erneut ein großer Wurf gelungen. Die Komödie über den Trip zweier Freunde ins kalifornische Weinland wurde mit zahlreichen Kritikerpreisen geehrt und erhielt zwei Golden Globes. Gerade wurde "Sideways" überdies für fünf Oscars nominiert.
Blickpunkt:Film: Durchschnittsbürger sind die Helden Ihrer Filme. Warum?Alexander Payne: Mich stört, dass man so wenige von ihnen im Kino sehen kann. Zumindest das Mainstream-Kino in Amerika dreht sich immer nur um unfassbar schöne Menschen, die unfassbare Dinge tun - und das immer nach einer ganz bestimmten Formel. Über das Leben erfahre ich nichts. Aber genau das interessiert mich: das Leben. Ich will, dass meine Kunst ein Spiegel des menschlichen Erlebens ist.
BF: Fällt es Ihnen leicht, Ihre Projekte durchzusetzen?AP: Mein Erstling "
Citizen Ruth" war ein Albtraum. "
Election 
" war eine endlose Arie, bis er stand. Bei "
About Schmidt 
" war es schon leichter. Der Name
Jack Nicholson öffnet viele Türen. Und "Sideways" entstand fast ohne Widerstände. Der Grund dafür ist simpel: Es gibt ein Publikum für meine Filme, keiner von ihnen hat Geld verloren. Da ist man fein raus und hat fast freie Hand.
BF: Auch wenn man vermeintlich wenig zugkräftige Charakterdarsteller wie Paul Giamatti in der Hauptrolle besetzt?AP: Warum nicht? Er war perfekt.
George Clooney hatte sich für die Sidekick-Rolle angeboten. Grundsätzlich würde ich gern mit ihm arbeiten, weil er ein guter Schauspieler und ein großer Star ist. Aber das hätte ein Ungleichgewicht gegeben und sich nicht richtig angefühlt. Mir geht es dabei nur um eines: Glaube ich, was mir gezeigt wird?
Thomas Haden Church glaube ich - Clooney hätte ich nicht geglaubt.
BF: Was nehmen Sie aus "Sideways" mit?AP: Ich war viel entspannter, als ich ihn gedreht habe. Ich habe begriffen, dass ich meine kreative Vision nicht aufdrängen muss, sondern meinen kreativen Mitstreitern einfach nur den nötigen Spielraum zu lassen habe, um optimale Resultate zu erzielen. Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, die Atmosphäre zu schaffen, in der all diese Dinge passieren können. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass man der Regisseur ist - aber nicht der Schöpfer. Man muss einfach nur die kreativen Energien in die richtigen Bahnen lenken.
BF: Wissen Sie bereits im Vorfeld, wie Ihr Film aussehen soll?"Ich lasse mich überraschen, inspirieren"AP: Ehrlich gesagt: Nein. Das ist doch die ganze Idee, die hinter dem Filmemachen steckt. Man weiß nie, was einen erwartet. Ich habe eine Vorstellung, das schon. Aber ich lasse mich überraschen, inspirieren, will entdecken. Das kann man nicht vorab planen.
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Paul Giamatti und Thomas Haden Church suchen nach der Wahrheit, die im Geist des Weines liegt
Paul Giamatti und Thomas Haden Church suchen nach der Wahrheit, die im Geist des Weines liegt
BF: Sehen Sie Ihre Helden in "Sideways" als Verlierer?AP: Ich sehe sie zunächst als Menschen mit all ihren Schwächen und Fehlern. Das interessiert mich. Verlierer sind sie eher deshalb, weil sie das Gegenteil von Gewinnern sind. Sie sind zum Scheitern verdammt, kämpfen aber dennoch um ihre Würde. Die Idee des Verlierens hat eine große Tradition in der Komödie.
Chaplins Tramp war ein Verlierer,
Laurel und
Hardy waren Verlierer. Aber ich sehe nicht auf sie herab oder mache mich über sie lustig, weil sie scheitern. Im Gegenteil: Das macht sie menschlich.
BF: Gehört dieser Blick zu einem gewissen Konzept, das Sie von Amerika haben?AP: Worum es mir und meinem Drehbuch-Kollegen
Jim Taylor geht, ist ein gewisser Blick auf das Leben. Wenn wir einen Film in Frankreich machen würden, hätte er gewiss dieselbe Sensibilität. Man kann die Dinge immer nur mit den eigenen Augen sehen. Wir zeigen nur, was wir in Amerika sehen: Auf dem Weg vom Flughafen zur Stadtmitte fährt man an den hässlichsten Ecken vorbei, die man sich vorstellen kann. Die wollen wir zeigen, so wie wir sie sehen.
BF: Sie haben auch gelernt, als Regisseur noch weiter in den Hintergrund zu treten.AP: Das könnte daran liegen, dass ich die Sprache, mit der ich kommuniziere, immer besser beherrsche. Wenn man eine Sprache neu beginnt, dann muss man sich anstrengen, die Grundlagen hinzubekommen. Später lernt man dann, ungewöhnliche Formulierungen oder komplizierte Satzstrukturen einzubauen. Und irgendwann muss man gar nicht mehr darüber nachdenken. Sie wird zu einer Art zweiter Natur. Ich glaube, so geht es mir mit dem Filmemachen: Ich fühle mich wohl dabei. Ich habe gelernt mich auszudrücken - und muss das niemandem mehr beweisen. Und davon hat "Sideways" offensichtlich profitiert.
Quelle: Blickpunkt:Film
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