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Nach dem preisgekrönten Dogma-Film "Mifune
" wendet sich Sören Kragh-Jacobsen mit "Skagerrak
" (Concorde, 29. April) wieder dem Filmemachen ohne starre Regeln zu. Der dänische Regisseur erzählt im Stil des magischen Realismus die turbulente Geschichte einer Leihmutter, die keine mehr sein will.
Sören Kragh-Jacobsen: Ich bin lediglich dahin zurückgegangen, wo ich vorher schon mit "Island on Bird Street" war. Die sehr persönliche Atmosphäre bei "Mifune" gefiel mir gut, man konnte immer sofort loslegen. Aber mich reizt die ganze Bandbreite - mal eine große und teure Produktion, dann ein Low-Budget- und vielleicht mal wieder ein Dogma-Film.
BF: In "Skagerrak" mischen Sie Märchen und Realität, wechseln von Komödie zum Drama und zurück.
SKJ: Ich liebe realistische Filme mit einer märchenhaften Wendung und erinnere mich noch gern daran, wie man Vater mir als Kind die Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen hat. Als Inspiration diente mir auch "Schneewittchen und die sieben Zwerge". Auf der anderen Seite stand das sehr reale Problem der Leihmütter. Ein Film, der Haken schlägt, macht ein modernes und aufgeschlossenes Publikum neugierig.
BF: Mussten Sie auf Grund des englischen Koproduktionspartners in England bzw. Schottland drehen?
SKJ: Ich habe mit Anders Thomas Jensen das Buch geschrieben und das Projekt Nimbus-Film vorgeschlagen. Wir waren glücklich, nach England zu gehen und auf Englisch zu drehen, nicht wegen der Koproduktion mit Umbrella Productions. Ich betrachte es als Herausforderung, aus meiner kleinen dänischen Welt auszubrechen. In Kopenhagen kenne ich jede Ecke. In Glasgow entdeckte ich jeden Tag eine neue Ecke. Außerdem gibt es in England sehr gute Schauspieler, mit denen man ohne Komplikationen arbeiten kann. Da ist man als Regisseur noch der Boss, ganz anders als in Dänemark.
"Langes Herumeiern hält nur auf"
BF: Sind europäische Koproduktionen die Überlebenschance für den europäischen Film?
SKJ: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich werde auch wieder einen rein dänischen Filme machen. Man darf nie vergessen: Wenn ich auf Englisch drehe, muss ich mich mit 2000 Konkurrenzprodukten messen. Wenn ich auf Deutsch oder Dänisch drehe, vielleicht nur mit 20. Es kommt darauf an, welches Spiel man spielen will. Wenn ich meine Integrität behalten und meine eigenen Geschichten erzählen kann, finde ich europäische Koproduktionen sinnvoll. Aber sobald jeder Koproduzent seinen Senf dazugibt, ist Schluss. Ich lerne viel außerhalb des eigenen Landes und freue mich schon darauf, meinen Filmstudenten diese Erfahrungen mitzuteilen.
BF: Was antworten Sie denen auf die Frage: "Was ist das Wichtigste bei der Herstellung eines Films"?
SKJ: Das Drehbuch im Kopf zu haben, auf seine innere Stimme zu hören und auch mal Rat von einem Crew-Mitglied anzunehmen. Wer morgens um fünf mit müden Schauspielern im Nieselregen auf einer feuchten Wiese steht, sollte genau wissen, was er tut. Ein Regisseur muss klare Entscheidung fällen. Langes Herumeiern hält nur auf.
BF: Woher kommt der Erfolg nordischer Filme?
SKJ: Das kleine Dänemark nimmt die Filmproduktion ernst und investiert da viel Geld. Nicht umsonst haben wir eine funktionierende Filmindustrie und auch das nötige Selbstbewusstsein. Seit 35 Jahren bilden wir Personal an einer der besten Filmschulen aus, die alle zwei Jahre sechs Regisseure entlässt. Nach den schwierigen siebziger und achtziger Jahren haben wir es geschafft, die Zuschauer mit Herz und Humor zurückzugewinnen. Es existiert ein effizientes Netzwerk zwischen der Filmwirtschaft in Norwegen, Schweden oder Island, was sich u.a. in Koproduktionen und gegenseitiger Unterstützung niederschlägt.
Quelle: Blickpunkt:Film
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