München, 23.01.2002, 16:51  Blickpunkt:Film

Regisseur Peter Sehr zu "Love the Hard Way"

Nach dem Gewinn des Silbernen Leoparden in Locarno und Lobeshymnen in Sundance wurde Peter Sehr ("Kaspar Hauser Clip", "Obsession Clip") für seinen in New York gedrehten Liebesfilm "Love - The Hard Way Clip" mit dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Regie ausgezeichnet.

Peter Sehr
Peter Sehr  
Blickpunkt:Film: Was bedeuten Ihnen Preise, im Speziellen der Bayerische Filmpreis?

Peter Sehr: Erst einmal Anerkennung. Der Bayerische Filmpreis kommt im richtigen Moment, weil er Öffentlichkeit bedeutet, man von dem Film Kenntnis nimmt. Die Dotierung von 30.000 Euro kann ich gut gebrauchen, als Koproduzent habe ich sehr viel Geld in das Projekt gesteckt, vor allem über Rückstellungen.

BF: Gibt es schon einen Verleih?

PS: Wir machen derzeit Verleihvorführungen. Es verzögerte sich alles etwas, weil wir den Film nach Locarno neu geschnitten haben. Aber es sieht ganz gut aus.

BF: Was haben Sie geändert?

PS: Ich habe vier Minuten gekürzt und den Anfang verändert. Bei Publikumsvorführungen habe ich gemerkt, wo es hängt. Mit der jetzigen Fassung bin ich zufrieden.

"Koproduzenten hielten mich für wahnsinnig"

BF: Ist es der Traum eines deutschen Regisseurs, in Amerika zu drehen?

PS: Überhaupt nicht. Ich will auch nicht nach Amerika. Es war die Geschichte. Erst haben wir versucht, sie in Europa zu adaptieren. Das funktionierte aber weder in Deutschland noch in England oder Frankreich. Obgleich ich lange in beiden Ländern gelebt habe, sind sie mir in ihrer Kultur fremder als New York mit seinen offenen Lebensformen. Als wir nach der fünften Fassung in Peking mit dem chinesischen Autor Wang Shuo endgültig die Rechtefrage klärten, kam heraus, dass es für ihn auch nur drei Schauplätze für den Stoff gab: Peking, Neapel oder New York.

BF: New York gilt als hartes Pflaster für Dreharbeiten.

PS: Unsere New Yorker Koproduzenten von Open City hielten mich für wahnsinnig, in der South Bronx zu drehen - und das bei nur 33 Drehtagen. Aber ich habe darauf bestanden. Viele New Yorker Teammitglieder waren noch nie in der South Bronx. Sie fuhren bis zur 96. Straße und wurden nach einer Gewerkschaftsbestimmung wie in einem Kriegsgebiet rein- und rausgefahren. Aber wir hatten nie Probleme. Kompliziert dagegen gestaltete sich der Umzug von einem zum anderen Motiv. Nicht nur wegen der Größe der Teams, sondern vor allem, weil man als junge Produktion mit so viel Regularien konfrontiert ist, die das Drehen im Vergleich zu uns schwieriger machen. Mit Open City hatten wir jedoch einen hervorragenden Partner vor Ort.

BF: Und dann stieg der Dollar. Haben Sie abends immer Ihre restlichen Scheine gezählt?

PS: Es war schlimm. Bei Drehbeginn befand sich der Dollar auf dem absoluten Höchststand, unsere Finanzen schmolzen wie Schnee in der Son- ne. Einen gewerkschaftlich unterstützten Film zu drehen, heißt, gewisse Auflagen in Kauf zu nehmen. Im Prinzip war alles doppelt so teuer wie bei uns. Und dann der bürokratische Aufwand. Dazu kam, dass eine FFA-Förderung, mit der wir zumindest teilweise gerechnet hatten, vier Tage vor Drehbeginn abgesagt wurde. Wir fielen erst einmal in ein Loch und mussten ziemliche Opfer bringen. Wir haben alle sehr viel zurückgestellt, um den Film zu realisieren. Aber ab einem bestimmten Punkt hatten wir keine andere Wahl. Bläst man das Projekt ab, geht viel Geld verloren, weil die unterschriebenen Verträge ausbezahlt werden müssen. Wenn man dreht, hat man zumindest die Möglichkeit, seine Investitionen irgendwie zurückzubekommen.

BF: Sie arbeiten zum dritten Mal mit Wolfram Tichy zusammen.

PS: Bei "Kaspar Hauser" war Wolfram Tichy Verleiher, bei "Obsession" Koproduzent, jetzt Produzent. Es passiert nicht oft in dieser Industrie, dass sich zwischen Regisseur und Produzent eine langfristige Zusammenarbeit entwickelt, das geht nur auf einer Basis von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Ich schätze seine Geradlinigkeit und Loyalität.

BF: Inwieweit war Roman- und Drehbuchautor Barry Grifford involviert?

PS: Nicht zufällig trägt Adrien Brody die Schlangenlederjacke von Nicolas Cage aus "Wild at Heart". Bei den letzten zwei von 14 Drehbuchfassungen kam Grifford zum Bearbeiten der Dialoge. Das hat uns sehr geholfen, wie auch die Tatsache, dass Adrian Brody in Queens aufgewachsen ist und Jon Seda in New Jersey, wir somit Schauspieler hatten, die die Sprache New Yorks sprechen.

BF: Warum tun Sie sich zusätzlich noch den Stress als Koproduzent an?

PS: Da habe ich mehr kreative Kontrolle, als wenn ich nur als Autor und Regisseur fungiere. Warum sollte ich drei Jahre meines Lebens in einen Film stecken, um letztendlich wieder enteignet zu werden? In diesem Fall liegen die deutschsprachigen Rechte bei meiner Firma, ich kann mich also, was den Verleih anbelangt, mehr engagieren.

Quelle: Blickpunkt:Film

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