München/Toronto (ts), 26.01.2004, 17:19  Blickpunkt:Film

Regisseur Len Wiseman zu "Underworld"

Mit einem Budget von nur 23 Mio. Dollar gelang dem früheren Storyboard-Künstler Len Wiseman in den USA ein Überraschungserfolg. Teile der Postproduktion des Vampir-Actionfilms "Underworld Clip" (Concorde, 29. Januar) wurden in München bei Arri erledigt.

Len Wiseman
Len Wiseman  
Blickpunkt:Film: Sie haben drei Wochen der Postproduktion von "Underworld" in München verbracht. Was waren Ihre Eindrücke?

Len Wiseman: Von der Stadt habe ich ehrlich gesagt überhaupt nichts gesehen. Für so etwas habe ich keine Zeit, denn bei einem so niedrig budgetierten Film wie meinem ist jede Sekunde kostbar. Und die Arbeit bei Arri war gut, sehr professionell, absolut zufrieden stellend. In Los Angeles oder London hätte ich das auch nicht besser hingekriegt.

BF: Dabei verdankt Ihr Projekt seine Existenz dem Umstand, dass Sie als Regisseur für ein anderes Projekt abgelehnt wurden.

LW: Das Miramax-Genrelabel war durch meine Storyboard-Arbeiten auf mich aufmerksam geworden und wollte ein Konzept für einen vierten Teil von "The Crow". Ich hatte davor überhaupt keine Gedanken an einen Horror- oder Fantasystoff verschwendet. Aber das Angebot wollte ich nicht ausschlagen. Irgendwie muss man als angehender Filmemacher den Fuß in die Tür kriegen. Also arbeitete ich mit zwei Freunden ein Konzept aus, das aber überhaupt nicht auf der Wellenlänge der Produzenten lag.

BF: Aber an dem Konzept hielten Sie fest?

LW: Es gefiel uns, und wir arbeiteten es aus. Eigentlich hielten wir die Idee, Vampire gegen Werwölfe antreten zu lassen, ja nicht für allzu originell. Wir waren überzeugt, dass es das schon gegeben haben musste. Dann haben wir das nachgeprüft und festgestellt, dass wir die Ersten mit dieser Prämisse waren. Das gab uns Auftrieb, denn die Idee gefiel uns wahnsinnig gut.

BF: Dennoch ist "Underworld" eher ein Action- als ein Horrorfilm.

LW: Stimmt genau. Ich bin überhaupt kein Horror-Afficionado. Das schockiert viele Leute, die mir Fragen zu unserer ganz eigenen Vampir-Mythologie stellen. Ich kenne die ganzen alten Vampirfilme überhaupt nicht. Mein filmisches Universum beginnt bei "Indiana Jones Clip". Ich mag Tempo, Action,Stunts, Effekte. Und das habe ich in "Underworld" so gut ich konnte umgesetzt.

BF: War das auch Lakeshore, die sich das Projekt schließlich angelten, bewusst?

LW: Klar, so war das Drehbuch angelegt. Und meine Storyboards taten ihr Übriges. Ich bin sogar fest überzeugt, dass genau dieser Ansatz dafür sorgte, dass wir gerade einmal einen Monat brauchten, um unser Drehbuch in Hollywood zu verkaufen. Das ging blitzschnell.

BF: Wie reagierten Sie auf die Limitationen, die ein Budget von knapp 25 Mio. Dollar bei einem derartig effektlastigen Projekt mit sich bringt?

LW: Man lebt damit. Ich war gewiss nicht in der Situation, Ansprüche zu stellen. Aber es hatte auch etwas Gutes: Man muss konzentrierter und fokussierter arbeiten, darf sich keine Fahrlässigkeiten erlauben. Es ist alles eine Frage der Planung. Und man muss einfach auf die eine oder andere Wiederholung verzichten. Wichtig ist: Ich habe es geschafft, einen Film für 23 Mio. Dollar zu machen, der aussieht, als hätte er wenigstens 60 Mio. Dollar gekostet. Ich hoffe nur, dass ich in Zukunft nicht auf diese Budgethöhe festgenagelt werde.

BF: Als kostengünstig hat sich sicherlich auch die Wahl von Budapest als Drehort erwiesen.

LW: Budapest war ein Geschenk der Götter. In Sachen Kosten und Look war es unsere erste Wahl, nachdem Prag als Möglichkeit ausschied. Ich wollte das Feeling eines wirklich düsteren Comics kombiniert mit der Atmosphäre der Alten Welt. Die Architektur in Ungarn entsprach exakt meinen Vorstellungen. Ich kam an und wusste, dass ich diesen Look mit keinem gebauten Set der Welt erzielen könnte.

BF: Mit Ihrer Hauptdarstellerin Kate Beckinsale sind Sie mittlerweile verheiratet.

LW: Wir haben uns aber erst lang nach den Dreharbeiten das erste Mal privat getroffen. Davor habe ich sie kennen gelernt als härteste Arbeiterin im Showgeschäft. Sie setzte den Standard, an den sich alle anderen orientierten. Wegen ihres Einsatzes arbeiteten alle anderen noch härter. Es hat sich gelohnt, finde ich.

Quelle: Blickpunkt:Film

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