Berlin (ts), 08.03.2004, 11:42  Blickpunkt:Film

Regisseur John Hamburg über "... und dann kam Polly"

Mit seinen Drehbüchern zu den Ben Stiller-Hits "Meine Braut, ihr Vater und ich Clip" und "Zoolander Clip" machte sich John Hamburg einen Namen. Erneut mit Stiller als Hauptdarsteller landete er nun mit der selbst inszenierten Komödie "... und dann kam Polly Clip" den ersten US-Hit der Kinosaison 2004.

John Hamburg
John Hamburg  
Blickpunkt:Film: Ihre größten Erfolge hatten Sie bislang als Drehbuchautor. Wussten Sie von Anfang an, dass Sie bei "…und dann kam Polly" auch Regie führen würden?

John Hamburg: Als ich das Projekt an Universal verkaufte, war ich im Gesamtpaket bereits als Regisseur vorgesehen. Das Studio hatte bei "Meine Braut, ihr Vater und ich" gute Erfahrungen mit mir als Drehbuchautor gemacht, und mein Regiedebüt, ein kleiner Independentfilm mit dem Titel "Safe Men", überzeugte sie davon, dass ich auch inszenieren konnte.

BF: Stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest, dass auch Ben Stiller wieder mit an Bord sein würde?

JH: Rückblickend wird man wohl sagen, dass es völlig klar war, dass Ben Stiller wieder die Hauptrolle spielen müsste. Aber wenn ich ein Buch schreibe, denke ich normalerweise nicht an Schauspieler, sondern konzentriere mich auf die Figuren. Als das Skript fertig war, wurde mir klar, dass ich wieder einen Stoff für Ben Stiller geschrieben hatte. Und warum auch nicht? Bei unseren bisherigen gemeinsamen Filmen hatten wir immer eine großartige Zeit miteinander.

BF: Wie stark verändert sich ein fertig gestelltes Drehbuch, wenn Ben Stiller an Bord kommt?

JH: Das Drehbuch ist eine Blaupause für ihn. Er bringt sich sehr stark ein, wobei es ihm sehr wichtig ist, gemeinsam zu arbeiten. Ihm geht es immer nur um die Figur, die er spielen wird. Wenn er Einwände hat, dann nie, weil er gewisse Dinge nicht sagen will, sondern weil er den Eindruck hat, dass seine Figur so etwas nicht sagen würde. Ben ist smart, er ist selbst ein Filmemacher. Da wäre ich ja töricht, nicht auf ihn zu hören.

BF: Nichts ist schwieriger, als Komödien zu schreiben. Wie überprüfen Sie, ob Ihre Gags auch wirklich witzig sind?

JH: Während man schreibt, muss man dem eigenen Humor vertrauen. Da gibt es kein anderes Korrektiv. Später hole ich mir Feedback bei Freunden oder meinem Produzenten und feile weiter. Danach lasse ich das Drehbuch von Schauspielern in einer Lesung vortragen. Da bekommt man ein sehr gutes Gefühl, woran man noch arbeiten muss und was bereits perfekt funktioniert.

BF: War der Regisseur John Hamburg zufrieden mit seinem Drehbuchautor?

Ben Stiller profiliert sich erneut als Comedy-King
Ben Stiller profiliert sich erneut als Comedy-King  

JH: Man stellt durchaus fest, dass gewisse Einfälle, die im Drehbuch brillant waren, tatsächlich gar nicht so komisch sind. Komödie ist ein Genre, bei dem man bis zum letzten Moment feilen muss. Die Arbeit ist erst beendet, wenn der Film im Kino ist. Deshalb ist es hilfreich, wenn man Autor und Regisseur ist: Man hat jederzeit die Möglichkeit, die nötigen Eingriffe vorzunehmen. Und damit meine ich nicht die vielen kleinen logischen Ungereimtheiten, die einem erst dann auffallen, wenn man eine Szene am Set dirigiert.

BF: Wie wichtig ist die Arbeit im Schneideraum?

JH: Sie ist so wichtig wie das Schreiben und der Dreh. Erst im Schneideraum nimmt eine Komödie wirklich Form an. Hier bestimmt man das Timing, den Rhythmus - und nichts ist wichtiger in einer Komödie als diese beiden Elemente. Der Unterschied zwischen witzig und nicht witzig ist ungemein subtil. Beim Schnitt muss man die Traute haben, sich von Szenen zu trennen, auf die man sehr stolz ist. Je grausamer man mit sich selbst ist, desto besser ist es für den Film.

BF: Sie werden also erst einmal bei Komödie bleiben?

JH: Auf jeden Fall. Ich betrachte die Welt einfach mit einem Blick fürs Komische. Ich liebe Filme, bei denen die Menschen an einem Freitag- oder Samstagabend zusammenkommen und gemeinsam befreit lachen.

Quelle: Blickpunkt:Film

KOMMENTARE

  • Noch kein Kommentar vorhanden.

Mit einem Abo können Sie diesen Artikel kommentieren.

Mediabiz Datenbank

Filmcharts

Mediabiz Aktuell

  • Blickpunkt:Film

    Das Fachmagazin für
    die Filmwirtschaft

    mehr

Blickpunkt:Film.daily - Insider Businesstipps kostenlos

Registrieren Sie sich jetzt für den Top-Newsletter der Filmbranche

Blickpunkt:Film.daily
- die entscheidenden
Ereignisse des Tages für
Sie zusammengefasst
- täglich ab 15 Uhr in
Ihrem Postfach

Ihr Wissensvorsprung.

Brandheiße Informationen aus 1. Hand zu aktuellem Branchengeschehen, Marktzahlen und -analysen, erfolgs- entscheidende Hintergründe, Charts, Termine u.v.m.

Programmplaner

  • Film

    Vorschau bis: KW 2012/49

    Alle deutschen Kinostarts und TV-Movie-Sendetermine plus geplante, laufende und fertiggestellte deutsche und internationale Produktionen.

    Heute neu:

    Gemeldete Starts:
    0
    Aufgenommene Filme:
    1
    Filmkritiken:
    2