"Wer will schon einen Film über einen toten Komponisten sehen?" Als Bertil Ohlsson als ausführender Produzent an "Amadeus" arbeitete, bekam er diese Frage häufiger zu hören. Spätestens seit damals weiß er, dass historische Sujets trotz Unkenrufen ihr Publikum finden: "Vorausgesetzt, du hast das richtige Drehbuch, den richtigen Regisseur und die richtige Besetzung." Doch für die Finanzierung ist letztlich ein Faktor Ausschlag gebend: Stars. Das erlebte Ohlsson auch bei seiner 18-Mio.-Dollar-Produktion "Head in the Clouds". Sechs Jahre entwickelte der australische Regisseur John Duigan das Drehbuch über drei junge Leute, die sich in die politischen Wirren Europas zwischen 1934 und 1945 verstricken. Schon während der Entstehung beriet er sich mit Produzent Ohlsson, mit dem er die Theaterromanze "Leading Man" mit Jon Bon Jovi realisiert hatte. Eine Zusammenarbeit mit einem US-Major war nicht ratsam. "Der hätte Druck ausgeübt, um den tragischen Tonfall der Geschichte zu ändern", so Duigan. Ursprünglich war das Projekt als britisch-französische Koproduktion geplant, doch reichten die französischen Gelder nicht aus. Leichte Drehbuchänderungen machten den Weg frei, um Stars aus anderen Ländern zu gewinnen. Als Erste sagte Penélope Cruz zu. Danach folgte Natalie Portman. Prompt kam nach der englischen Spice Factory im August 2002 die kanadische Remstar-Gruppe an Bord und das Budget war nach dreimonatigen Gesprächen gesichert. Mitte Januar sollten die Dreharbeiten beginnen. Für die Schlüsselrolle das Nazi-Offiziers Bietrich wurde Thomas Kretschmann gewonnen. Obwohl er sich nach eigenem Bekunden von diesem Rollentypus wegbewegen wollte, ließ er sich von der Qualität des Drehbuchs überzeugen.
Aber Weihnachten 2002 gab es für die Produzenten eine böse Bescherung: Natalie Portman "war sich des Projekts nicht mehr sicher", so die offizielle Begründung, und stieg aus. Doch ihr Mitwirken war entscheidend für die Finanziers. In der Feiertagspause war es unmöglich, einen Ersatz zu besorgen. Aber kein Weihnachten ohne Engel: Penelope Cruz stellte den Kontakt zu Charlize Theron her, die innerhalb weniger Tage zusagte. Da sie sechs Jahre älter als Portman ist, musste auch ihr männlicher Partner umbesetzt werden. Zum Glück hatte Therons Lebensgefährte Stuart Townsend schon früher Interesse an dem Projekt gezeigt. So fand Duigan eine Besetzung, die seinen ursprünglichen Intentionen eher entsprach.
Ende Februar begannen die Dreharbeiten in Montreal, wo in acht Wochen vor allem Innenaufnahmen und Straßenszenen gedreht wurden. Trotz des begrenzten Budgets schaffte es Produktionsdesigner Jonathan Lee, verblüffend detailgetreue historische Sets zu kreieren - von Hafenexterieurs bis hin zu Zimmerausschnitten. Danach folgten je eine Woche Außenaufnahmen in England und Frankreich. Trotz des anstrengenden Drehs zeigten sich Duigan, Theron und Townsend bei einem Pressetermin in der Nähe von Paris entspannt. Charlize Theron lobte "das beste Ensemble", mit dem sie je gedreht habe. Für die Produzenten indes begann nach dem Dreh eine neue heiße Phase. Zwar ist der Film in wichtige Länder wie Deutschland (Tobis), Japan und weite Teile Europas verkauft, doch im Sommer stehen die Verhandlungen mit Einkäufern für weitere Schlüsselterritorien an, darunter die USA, England und Frankreich. Endgültig fertig gestellt sein wird "Head in the Clouds" bis Anfang Dezember. Ohlsson könnte sich eine Einreichung bei der Berlinale vorstellen. Konkurrenz durch Hollywood-Blockbuster fürchtet er nicht. "Es gibt immer weniger Filme für Leute über 30. Wenn Sie ihnen etwas Gutes bieten, dann kommen sie in Scharen."
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