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Christophe Gans gelang mit "Pakt der Wölfe
" (Helkon, 14. Februar) einer der größten französischen Blockbuster des letzten Jahres. Sein Erfolgsgeheimnis: ein multikultureller Mix aus Mantel-und-Degen-Filmen, Fantasy und asiatischem Actionkino. Der Ruf Hollywoods kann ihn aber noch nicht locken.
Christophe Gans:
Es war ungeheuer leicht. Pierre Lescure, der Chef von Canal Plus, rief alle Verantwortlichen in der Branche an und sagte: Ich will diesen Film. 18 Monate, nachdem ich das Buch bekommen hatte, startete "Pakt der Wölfe" im Kino. Vorher hatte ich an einer Neuversion von "20.000 Meilen unter dem Meer" gearbeitet. Da fiel es schon schwer, sich auf einen einzigen Schauspieler zu einigen.BF:
Woher dieser plötzliche Sinneswandel?CG:
Es war einfach Zeit für einen solchen Film. Hier hat sich eine neue Generation von Filmemachern und Produzenten herausgebildet. Leute wie Jean-Pierre Jeunet, Mathieu Kassowitz und ich, wir bilden eine neue Welle. Wir wollen das Publikum verführen.BF:
Bei 5,2 Mio. Franzosen ist Ihnen das gelungen. Was war Ihr Rezept?CG:
Man muss verstehen, dass das Publikum sehr konservativ ist. Es will einen Mantel-und-Degen-Film mit schönen Frauen, Kostümen und Burgen. Das alles habe ich ihm gegeben. Aber außerdem habe ich meine eigenen verrückten Ideen draufgelegt. Ich habe mir Elemente aus allen verschiedenen Kulturen geliehen, um so eine universelle, mythologische Geschichte zu erzählen. Ich habe unter anderem Hexerei-Motive eingebaut, oder auch den Indianer Mani mit seiner magischen Weltsicht. Auf diese Weise habe ich die französische Geschichte neu konstruiert, so wie Jeunet in "AmélieBF:
Warum haben Sie geglaubt, dass so ein unglaublicher Mischmasch funktionieren kann?CG:
Weil unsere eigene Kultur aus diesem Mischmasch besteht. Ich selbst bin mit deutschen Krimis, japanischen Monsterfilmen und Spaghetti-Western aufgewachsen. Das junge Publikum kennt zwar noch Ritter - aber nicht mehr aus den europäischen Sagen, sondern aus Hongkong-Filmen, Videospielen oder japanischen Manga-Comics.BF:
Fantastische Spektakel müssen nicht immer funktionieren, wie der jüngste Misserfolg von "VidocqCG:
"Vidocq" ist einfach sehr künstlich: keine realen Kulissen, alles auf Video gedreht und im Computer generiert. Jean-Pierre Jeunet und ich dagegen machen authentische Filme mit fantastischen Elementen. In "Pakt der Wölfe" war alles echt: die Landschaften, die Schauspieler, die Bauten. Er hatte Glamour - "Vidocq" dagegen nicht.BF:
Französische Filmemacher scheinen das asiatische Kino für sich zu entdecken: Luc Besson produzierte "Kiss of the DragonCG:
Bei Luc Besson ist es eher eine Art Opportunismus. Er versucht einfach, so viele Märkte wie möglich zu erobern. Ich war dagegen schon als Kind von der asiatischen Kultur fasziniert. Bruce Lee war mein großer Held. Ich habe auch selbst Kampfsport gemacht. Die Actionszenen in "Crying Freeman" habe ich selbst choreografiert, weil ich kein Geld hatte. Aber jetzt kann ich mit meinen Idolen arbeiten.BF:
Wie haben Sie die überzeugt?CG:
Bei David Wu war es ganz einfach: Ich schickte ihm das Material von "Crying Freeman", das wir bis dahin gedreht hatten, und es gefiel ihm so sehr, dass er zwei Tage später am Set war. Er findet es auch gut, dass ich nicht einfach den Hongkong-Stil imitiere. Mein Stil ist nicht so aggressiv; ich lasse den Bildern Zeit zu wirken."Bleibe in Europa und behalte die Kontrolle"
BF:
Werden Sie weiter mit ihnen arbeiten?CG:
Natürlich. Sie sind meine Familie, meine Prätorianergarde. David Wu arbeitet als Cutter nur noch für Ronny Yu und mich. Das ist eine echte Ehre.BF:
Hat sich Hollywood schon bei Ihnen gemeldet?CG:
Ich habe viele Angebote erhalten, aber ich habe meine Zweifel, ob ich mich darauf einlassen soll.BF:
Warum?CG:
Hollywood will alles stromlinienförmig machen. Ich habe die Befürchtung, meine Filme könnten dann vorhersehbar werden. Lieber bleibe ich in Europa und behalte die Kontrolle.BF:
Aber bekommen Sie in Europa immer ein so großes Budget wie bei "Pakt der Wölfe" zusammen?CG:
Mein nächster Film, ein exotisches Abenteuer mit Vincent Cassel und Mark Dacascos aus "Pakt der Wölfe", wird mit französischem Geld finanziert, aber Universal macht den Verleih, und ich behalte Final Cut. Genauso hat es bei Sergio Leones Spaghetti-Western auch funktioniert. Das ist eine großartige Position.Quelle: Blickpunkt:Film
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