Los Angeles, 14.06.2002, 15:23  Blickpunkt:Film

Randall Wallace zu "Wir waren Helden"

Regisseur und Autor Randall Wallace ("Pearl Harbor Clip") ist der Schlachtenhistoriker der US-Filmbranche. Ein Ruf, den er mit "Wir waren Helden" (Concorde, 4. Juli) bestätigt. Aber ihm geht es mehr um Emotionen als um Action.

Randall Wallace
Randall Wallace  

Blickpunkt:Film: Von "Braveheart" bis "Wir waren Helden" - Ihre Projekte spielen immer in der Vergangenheit. Sind Sie Hollywoods Chef-Geschichtsschreiber?

Randall Wallace:: Auch wenn das jetzt eigenartig klingt: Aber ich betrachte mich nicht als Teil des Hollywood-Systems. Ich habe die Buchvorlage zu "Wir waren Helden" mit meinem Geld gekauft und die Entwicklung selbst finanziert. Obwohl man das ja gerade nicht tun soll. Aber nur so kann ich meine Autonomie bewahren und muss mich nicht den Anweisungen eines Studios beugen.

"Ich bin kein Teil des Hollywood-Systems"

BF: Wobei Ihnen natürlich die Zusammenarbeit mit Mel Gibson hilft. Warum ist gerade er zu Ihrem kreativen Partner geworden?

RW: Mel ist für mich fast so etwas wie ein Bruder. Wir glauben beide, dass Filme eine geistige Dimension haben, sonst sind sie einfach nur inhaltsleeres Getöse. Die beiden Produktionen, die wir zusammen gemacht haben, drehen sich um Hoffnungen und Überzeugungen von Menschen. Als Mel das Skript zu "Braveheart" gelesen hatte, sagte er: 'Ich erkenne die Wahrheit in dieser Geschichte.' Und bei "Wir waren Helden" war es genauso.

BF: Haben Sie die Filme speziell für ihn geschrieben?

RW: Wenn ich schreibe, denke ich nie an einen bestimmten Schauspieler. Mir geht es um Charaktere, die von höheren Zielen und Werten angetrieben werden. Erst wenn ich eine solche Rolle geschrieben habe, denke ich über die Besetzung nach. Und der Erste, der mir bei "Wir waren Helden" eingefallen ist, war Mel Gibson.

BF: Bei "Braveheart" führten Sie noch nicht selbst Regie. Entsprach der Film trotzdem Ihrer Vision?

RW: Mel hätte sie kaum besser reflektieren können. Ich glaube, so einen Glücksfall hat kaum je ein Autor in Hollywood erlebt.

BF: Wie war es mit "Pearl Harbor", Ihrem bislang größten kommerziellen Erfolg als Autor?

RW: Ich könnte natürlich sagen, alles, was Ihnen gefallen hat, stammt von mir, und für alles Negative waren Jerry Bruckheimer und Michael Bay zuständig. Aber das wäre feige. Trotzdem hat der Film nicht dem entsprochen, was ich mir vorstellte.

BF: Was hätten Sie sich vorgestellt?

RW: Die Charaktere, so wie ich sie konzipierte, waren viel schüchterner und zarter, nicht so sexuell aggressiv. Michael dagegen hat eine ganz andere Sensibilität. Die Dialoge in den Liebesszenen sollten eigentlich distanziert und vorsichtig gesprochen werden, aber inszeniert war es so, als wollten sich die Personen ganz direkt verführen. So kann man sagen, das Skelett der Geschichte habe ich geschaffen, aber nicht ihr Fleisch.

BF: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass Hollywood das Genre des Kriegsfilms wieder entdeckt hat?

RW: Filme wie "Braveheart" und "Der Soldat James Ryan" Clip haben gezeigt, dass das Publikum realistische Schlachtenszenen verdauen kann. Kleingeister sagen daraufhin: Das hat funktioniert, also lass uns noch mehr davon produzieren. Das ist sicher einer der Gründe. Aber es gibt auch Leute, die begriffen haben, warum diese Filme in Wirklichkeit funktionierten. Es ist ja nicht die Action an sich, die ihren ungeheuren emotionalen Reiz ausmacht, sondern der Heroismus ihrer Figuren, die so entsetzliche Situationen überstehen.

"Wir unterschätzen die Jugendlichen von heute"

BF: Doch historische Heldenepen in der Tradition eines Lawrence von Arabien Clip sind heutzutage eher die Ausnahme.

RW: Der Hauptgrund ist, dass das Zielpublikum immer jünger wird. Und Teenager haben natürlich weniger historische Bezugspunkte. Deshalb lassen Studiomanager lieber die Finger von solchen Stoffen.

BF: Zu Recht?

RW: Wir unterschätzen die Fähigkeit der Jugendlichen von heute, mit solchen Filmen umzugehen. Sie können durchaus die Gefühle und die Wahrheit in Filmen wie "Braveheart" verstehen. Die meisten Briefe, die ich bekommen habe, waren von jüngeren Zuschauern. In den Testvorführungen hat "Wir waren Helden" bei den unter 25-Jährigen besser abgeschnitten als bei den Älteren. Und noch eine andere interessante Erkenntnis: Frauen bewerteten ihn besser als Männer. Für einen Kriegsfilm ist das einzigartig.

BF: Werden Sie weiter historische Pfade beschreiten?

RW: Ich habe Pläne für ein großes Epos. Aber ich möchte auch etwas ganz anderes machen: eine ganz ruhige, subtile Liebesgeschichte.

Quelle: Blickpunkt:Film

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