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Cannes, 19.05.2017, 11:58  Blickpunkt:Film | Festival
Thema: Festival de Cannes 2017

Probleme bei Cannes-Screening von "Okja" - keine Sabotage!

"Okja" versetzt Cannes in Aufruhr (Bild: Festival de Cannes) Großansicht
"Okja" versetzt Cannes in Aufruhr (Bild: Festival de Cannes)
Nachdem es gleich zu Beginn laute Buhrufe bei der Einblendung des Netflix-Logos gegeben hatte, musste die Pressevorführung von "Okja" beim Festival de Cannes nach wenigen Minuten zwischenzeitlich abgebrochen werden. Davor hatten in den oberen Rängen rhythmisches Klatschen und laute Rufe immer weiter zugenommen, dass es kurzfristig so aussah, als würde es sich tatsächlich um eine gezielte Sabotageaktion militanter Netflix-Gegner handeln. Tatsächlich aber hatte man den Cache auf der Leinwand so unglücklich eingestellt, dass man vom Balkon aus das obere Drittel des Bildes nicht sehen konnte. Nach etwa fünf Minuten Pause bei voller Saalbeleuchtung wurde der Film noch einmal neu gestartet.

Die Stimmung wegen der Aufnahme von zwei Netflix-Filmen in den Wettbewerb - neben "Okja" von Bong Joon-ho noch "The Meyerowitz Stories" von Noah Baumbach - bleibt auch am dritten Tag des Festivals angespannt. So angespannt, dass sich das Festival unmittelbar nach Ende des Screenings von "Okja" genötigt sah, in einem offiziellen Statement darauf hinzuweisen, dass ein selbstverschuldetes technisches Problem zu der Unterbrechung geführt hatte - und nicht Einwirkung von Außen. Bei den Pressekonferenzen zu den Filmen des Festivals sind Fragen zur Haltung der Filmemacher zur Arbeit für Streamingdienste an der Tagesordnung.

Jurychef Pedro Almodóvar hatte sich in einem vorbereiteten Statement schon einmal klar für die große Leinwand ausgesprochen. Sein Jurykollege Will Smith wiederum brach eine Lanze für Netflix - seine Familie genieße den Dienst, ginge aber nach wie vor wie immer ins Kino. Auch Todd Haynes wurde auf Netflix angesprochen. Der Regisseur von "Wonderstruck" ging aber nicht weiter darauf ein und erklärte, wie großartig die Arbeit mit den Amazon Studios gewesen sei, die von wahren Cineasten geführt würden, die auch weiterhin an die klassische Auswertung glaubten: Amazon bringt seine Filme zuerst ins Kino und wertet sie erst danach über die eigenen Streamingdienste aus. Warum das Logo der Amazon Studios bei der Pressevorführung seines Films ausgebuht worden war, konnte Haynes nicht nachvollziehen.

Die Auswahl von "Okja" und "The Meyerowitz Stories" für den Wettbewerb des 70. Festival de Cannes hatte im Vorfeld hohe Wellen geschlagen: Der französische Kinoverband hatte sich gegenüber dem Festival massiv dafür stark gemacht, dass die beiden Filme ausgeschlossen werden sollten, nachdem klar wurde, dass Netflix nicht bereit war, von seinem klassischen Auswertungsmodus für Eigenproduktionen abzurücken und die Filme in die französischen Kinos bringen würde. Kurz vor Beginn des Festivals wurde offiziell klar gemacht, dass die beiden Netflix-Filme gezeigt werden. Allerdings gab man eine ab 2018 geltende Änderung der Statuten bekannt, die nunmehr besagen, dass jeder für den Wettbewerb ausgewählte Titel zuerst für eine Kinostart in Frankreich freigegeben werden muss, bevor er auf anderen Kanälen ausgewertet werden kann. Netflix-CEO Reed Hastings schrieb daraufhin auf Facebook: "Das Establishment schließt seine Reihen im Kampf gegen uns."


Quelle: Blickpunkt:Film

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