Hollywood wagt sich an ein britisches Kultbuch. "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams soll auch im Kino ein Hit werden. Deshalb ließ das Studio den Briten bei der Verfilmung weitgehend freie Hand.
So erschien die britische "Anhalter"-Serie auf DVD
Weihnachten 2002 brachte für Robby Stamp die schönste Bescherung. Vor einem geschmückten Baum las er ein Drehbuch, das das Ende langjähriger Mühen bedeutete: Seit Anfang der achtziger Jahre hatte er mit seinem Firmenpartner Douglas Adams an einer Kinoversion von dessen fünfbändiger Kultserie "Per Anhalter durch die Galaxis" gearbeitet. Der Autor versuchte seine skurrile Science-Fiction-Komödie selbst in Skriptform zu bringen. Bei seinem überraschenden Tod vor drei Jahren war der Stoff immer noch nicht kinoreif. Dem Projekt drohte das Ende. Doch mit Karey Kirkpatrick ("Chicken Run") fand sich ein Schreiber, der britischen Humor mit filmischer Dramaturgie verbinden konnte. Deshalb wird im nächsten Jahr einer der originellsten Komödienstoffe aller Zeiten doch noch in die Kinos kommen. Seit acht Wochen hat die Disney/Spyglass-Produktion sieben Studiohallen der Elstree-Studios bei London belegt. Der englische Drehort ist kein Zufall. Denn obwohl dafür Hollywood-Gelder fließen, so ist "Anhalter" letztlich ein genuin britisches Projekt. Ursprünglich sollte "Austin Powers"-Macher Jay Roach Regie führen. Nach seiner Absage klopften die Produzenten bei Spike Jonze an, der aus Zeitgründen absagen musste. Aber er kannte die nach seiner Aussage "besten Kandidaten auf der ganzen Welt": die englischen Clip-Macher Hammer and Tongs alias Nick Goldsmith und Garth Jennings, die mit Clips für Fatboy Slim oder Blur eine weltweite Fangemeinde eroberten. "Sie zeigten auch die gleiche jugendliche Energie wie Douglas Adams", so Stamp, der als ausführender Produzent fungiert. Mit ihrem visuellen Konzept konnten sie die Studio-Manager nicht nur von sich selbst überzeugen. Sie setzten auch ihr vertrautes kreativen Team durch, darunter Set-Ausstatter Joel Collins und Kostümdesigner Sammy Sheldon. "Wir sagten, wir können das nur mit unseren Leuten machen", so Produzent Dan Goldsmith.
Die Hauptfigur des Arthur Dent, der unmittelbar vor der Vernichtung der Erde von seinem Alien-Freund gerettet wird und eine Odyssee durchs All beginnt, wird von Martin Freeman gespielt, einem der Hauptdarsteller der englischen Hitserie "The Office". "Aber wir wollen keinen kleinen britischen Kultfilm drehen, sondern Millionen von Kinozuschauern begeistern", sagt Regisseur Jennings. Die Fans der Buchserie, die weltweit über 15 Mio. Mal verkauft wurde, sind nur ein Teil des Zielpublikums. Der Film soll auch für Nicht-Leser zugänglich sein. Eine der Herausforderungen für das kreative Team besteht darin, den Eindruck einer Effektorgie zu vermeiden. Nicht ganz einfach bei einer Geschichte, zu der pangalaktische Donnergurgler oder zwei über Meter hohe Volgonen gehören. "Aber es ist vor allem eine Komödie", so Jennings. "Deshalb machen wir so wenig wie möglich am Computer. Unsere Schauspieler müssen aufeinander reagieren können, statt zu einem Tennisball an einer Schnur zu sprechen." Dieser Realismus zeigt sich auch am Set. Die poppig designten Interieurs des Raumschiffs Heart of Gold wurden fast maßstabsgetreu errichtet. Ausstattungsgegenstände wie eine futuristische Dusche oder Küche funktionieren tatsächlich. "Wir brauchen hier die Abläufe des wirklichen Lebens", so Robbie Stamp. Die Aliens sind vom Jim Henson Workshop konzipiert.
Weil der Film vor allem über die Marke "Anhalter" verkauft wird, sind Stars zweitrangig. Prominenteste Akteure sind Sam Rockwell ("Geständnisse") als doppelköpfiger Alien Zaphod Beeblebrox und John Malkovich als galaktischer Guru. Offenbar begriffen auch die Studio-Verantwortlichen, dass größere Korrekturen an Adams' Stoff dem Film nur abträglich sein würden. "Sie unterstützen uns voll und ganz", so Stamp. "Aber gleichzeitig haben wir volle kreative Freiheit." Nur der Schöpfer des "Anhalter"-Universums kann sich nicht mehr davon überzeugen. Oder? "Vor kurzem hatte ich einen Traum", erzählt Stamp. "Ich trank ein Glas Champagner mit Douglas und er fragte mich, wie die Dreharbeiten laufen. Ich sagte nur: Sehr gut. Du wärest begeistert, mit welcher Liebe zum Detail deine Welt umgesetzt wird." Da darf man auch ganz kurz ganz professionell denken: "Ich würde mir wünschen, dass wir noch einige Fortsetzungen drehen können."
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