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Constantin Film AG

Unternehmensgruppe

München, 04.08.2017, 08:31  Blickpunkt:Film | TV

Oliver Berben: "Nicht sparen wird belohnt, sondern Mut"

Oliver Berben, Jahrgang 1971, ist seit Januar 2017 Vorstandsmitglied der Constantin Film AG und leitet das neu geschaffene Ressort TV, digitale Medien und Entertainment. Berben ist ein renommierter Produzent und Drehbuchautor für Kino und Fernsehen mit mehr als 150 Credits. 1996 gründete er die Moovie GmbH, die seit 1999 eine Tochter der Constantin Film AG ist. Im Januar 2009 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der Constantin Film Produktion GmbH, die er Anfang Oktober an Christoph Müller abgeben wird. (Bild: ZDF / Gordon Mühle) Großansicht
In Aktion: Oliver Berben (Bildmitte) am Set von "Schuld" mit Moritz Bleibtreu (li.) und Redakteur Günther van Endert (Bild: ZDF / Gordon Mühle)
Anfang Januar hat Oliver Berben das neue Vorstandsressort TV, Entertainment und digitale Medien in der Constantin Film AG übernommen. Im Exklusiv-Interview mit Blickpunkt:Film benennt er die großen Herausforderungen und die Wachstumsbereiche für die Constantin Television.

Seit Anfang des Jahres sind Sie TV-Vorstand der Constantin Film AG. Was umfasst dieser Bereich und vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Die strukturelle Aufteilung der Constantin Film AG wurde verändert. Die Constantin kommt aus dem Kinobereich, und hat vor mehr als zehn Jahren das Fernsehgeschäft aktiver für sich entdeckt. Mittlerweile bewegen wir uns zu gleichen Teilen im Theatrical- und im Non-Theatrical-Bereich. Mein Vorstandsressort umfasst nationales und internationales TV, die digitalen Medien und Entertainment. Ungefähr 50 Prozent des Gesamtumsatzes kommen aus diesem Bereich, Tendenz steigend.

Ihr Bereich steht bereits für einen Umsatz von 150 Mio. Euro, der jetzt noch übertroffen werden soll?

Das ist das Ziel. Der Konsum von Bewegtbild nimmt im Non-Theatrical-Bereich stark zu und die Nachfrage nach Content steigt. Das ist auch der Grund für die Neuausrichtung. Die Produktstrategie der Constantin Film AG ruht vor allem auf zwei Säulen, der Constantin Film Produktion und der Constantin Television. Dazu kommen noch eine Vielzahl von Produktionsfirmen, die sowohl Kino- wie auch TV-Produktionen herstellen. Die Constantin Television fasst das gesamte Nichtkinogeschäft zusammen und arbeitet dabei dezentral. Die einzelnen Units, Produktionsfirmen und Produzenten, die als Tochtergesellschaften oder auch über First-Look-Verträge an uns gebunden sind, stimmen sich untereinander ab, und die Informationen zu diesem Bereich fließen in der Television zusammen. Das Produktionsvolumen in diesem vielschichtigen Bereich beträgt im Jahr ca. 3.000 Stunden. Ein Großteil entfällt auf unsere Tochtergesellschaft Constantin Entertainment, die in Deutschland und im europäischen Ausland Entertainment-Formate produziert. Dazu kommen die deutschsprachige fiktionale TV-Produktion und die internationale, englischsprachige in Los Angeles, sowie die Digital Unit, bei der es sehr stark um Corporate Content geht.

Wo erkennen Sie in ihrem Bereich die größten Potenziale?

In den linearen und nicht linearen Auswertungen im nationalen und für uns eben auch im internationalen Bereich sind in Zukunft nach wie vor große Potenziale vorhanden. Durch die zunehmende Spartisierung im Free. und Pay-Bereich kommen viele neue Partner hinzu. Wir sehen aber auch, dass Firmen, die bisher nicht in den traditionellen Medien tätig sind, einen großen Hunger auf Programm entwickeln. Dabei handelt es sich genauso um fiktionales Programm wie um Show oder Dokumentation. Unternehmen aus dem Kommunikations- oder Automobilbereich oder aus der Bekleidungsherstellung interessieren sich mehr und mehr für Bewegtbild-Content, der nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der Marke steht. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, die emotional eine starke Bindung zur jeweiligen Marke erzielen, ohne dass der Kunde mit dem einzelnen Produkt in Verbindung kommt. Ursprünglich hoch dotierte Werbebudgets werden in andere Richtungen gelenkt. In diesem Bereich des Corporate Contents sehen wir uns stark wachsen.

Und welche tatsächliche Bedeutung soll diesem Bereich zukommen?

Wenn Sie sich nur ansehen, dass die Telekom einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe für fiktionales Programm zur Verfügung gestellt hat, dann wissen Sie, worüber wir reden. Sicher wird nicht jede Firma damit anfangen, aber die großen Konzerne machen sich Gedanken, wie sie jenseits vom Herstellen der eigenen Produkte mehr Kundenbindung erreichen. Denken Sie nur ans autonome Fahren. Was machen Sie, wenn Sie nicht mehr selbst fahren müssen? Telefonieren, Lesen, und irgendwann fangen sie an, Inhalte zu konsumieren. Wenn Sie sich die Studien zu neuen Concept Cars ansehen, dann sind das eigentlich fahrende Bildschirme. Die Constantin war immer ein Unternehmen, das schon zu Beginn der Veränderung von Technologien Teil davon war. Wir warten nicht ab, was passiert, wir sind Teil davon, wenn es passiert, und gestalten die neuen Märkte aktiv.

Wie passt dazu der klassische Fernsehbereich?

Der addiert sich perfekt, sowohl im linearen wie im non-linearen Bereich, wenn wir die SVoD- und Pay-Anbieter mit dazu nehmen. Die Möglichkeiten von Produzenten, an Anbieter heranzutreten, haben sich deutlich vermehrt. Das heißt nicht, dass es leichter geworden ist, und es ist sehr viel kleinteiliger geworden. Aber einer Konstellation aus klassischen und neuen Anbietern sind momentan keine Grenzen gesetzt. Täglich kommen neue Formate in neuen Konstellationen heraus. Das ist für uns eine der wichtigsten Entwicklungen. Deswegen sprechen wir beispielsweise bei der Serie zu "Die Geschichte eines Parfums" mit einem Player wie ZDFneo. Wir brauchen eine Bandbreite von Anbietern, in denen sich gewisse Zielgruppen fokussieren, zusätzlich zu den Großen, die viele erreichen wollen. Diese Verbindung von linearen und nonlinearen Playern wird zunehmen. Es gibt hier auch eine Bereitschaft dazu, anders als im US-Markt. Einen traditionellen Sender in den USA zu einer Zusammenarbeit mit Netflix zu bekommen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Bewegen sich denn alle 40 bis 50 Produzenten der Constantin Film so selbstverständlich in diesen unterschiedlichen Welten?

Es ist nicht erforderlich, dass alle alles tun. Es ist nötig, dass das Unternehmen als Ganzes in allen Bereichen tätig ist. Die Produzenten sollen die Möglichkeit haben, kreativ alles erreichen zu können und wir wollen ihnen die Grundlage dafür geben. Es wird immer darüber gesprochen, wie wichtig es für die Produzenten ist, dass ihre Produktionen überall laufen und eine möglichst große Reichweite erzielen. Das stimmt einerseits, aber dieses Maß ist nicht alles. Nicht nur die breite Streuung des Produkts ist wichtig, sondern auch seine Monetarisierung. Und da hilft manchmal das genaue Gegenteil, nämlich großartige Programme exklusiv herzustellen und sie durch die Reduzierung ihrer Auswertungsbreite zu einem noch größeren "Want-to-see" zu machen.

Kommt den Entertainment-Programmen dieselbe Bedeutung wie den fiktionalen zu, mit denen man die Constantin stark in der Branche identifiziert?

Bei manchen Programmen wissen viele gar nicht, dass es sich um Constantin-Produktionen handelt, z. B. ist "Shopping Queen" eines der erfolgreichsten nonfiktionalen Formate im ganzen Land. Hier unterscheidet sich die Wahrnehmung stark von der Nutzung. In Ismaning arbeiten ca. 300 Mitarbeiter, und damit mehr als in der gesamten übrigen Constantin-Gruppe. Die Art und Weise der Herstellung hat mit der klassischen Filmproduktion wenig zu tun. Die Möglichkeiten und Budgets im nonfiktionalen Bereich sind andere. Die Umsätze schaffen wir hier über Masse. Aber auch im fiktionalen Bereich gibt es große Unterschiede. Wir produzieren in der Television eines der am längsten laufenden Daily-Formate mit "Dahoam is dahoam". Mit ihr feiern wir dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum mit bisher über 2.400 Folgen. Der Produktionsmechanismus ist ein völlig anderer als bei Serien wie "Schuld", "Die Geschichte eines Parfums" oder "Die Protokollantin". All unsere Tochterfirmen produzieren starke Marken wie die Rat Pack Filmproduktion mit "Kalkofes Mattscheibe - Rekalked" oder die Olga-Film mit "Kommissarin Lucas", die bereits in den Vorbereitungen der nächsten Folgen sind. Constantin macht als Ministudio aus, in allen Bereichen dabei zu sein, und sie wenn möglich weiter auszubauen.

Unsere Strategie ist es, große Marken zu kreieren

Im senderdominierten, deutschen Markt ist es nicht einfach, Rechte an Programmen zu behalten. Tut sich die Constantin hier leichter als andere, und wie verhält es sich mit den neuen Partnern?

Wenn Sie über ein Produkt verfügen, das jemand unbedingt haben will, fallen die Verhandlungen um Rechte leichter. Strategie bei unseren Projekten - fiktional, wie non-fiktional - ist es, große Marken zu kreieren. Starke Markenbildung hilft beim Erfolg und auch um sich in Verhandlungen anders positionieren zu können. Ich glaube nicht, dass es leichter geworden ist, eher schwerer. Auch in Formatfragen. Der Schutz und der Wunsch nach Exklusivität von Programmen haben zugenommen. Andererseits ist auf Seiten der Auswerter die Bereitschaft zur Zusammenarbeit größer geworden, allein weil ihre Zahl größer geworden ist. Egal wie viel Serien sie selbst produzieren, wir können uns bei Amazon und Netflix schon deshalb bedanken, weil sich durch ihre Existenz das Verhalten der Branche verändert hat. Wichtig ist, dass am Ende alle ein besseres Produkt haben. Nicht sparen wird belohnt, sondern Mut.

Welche Marken haben Sie konkret vor Augen?

Da gibt es viele, sowohl genre- wie auswertungsübergreifend. Non-fiktional gehören "Shopping Queen"und "Genial daneben" zu unseren größten Marken. Fiktional sind "Die Geschichte eines Parfums" oder die Schirach-Verfilmungen Beispiele. Auch ein Filmemacher kann eine Marke sein, etwa Bora Dagtekin. Es geht auch darum, Vereinbarungen mit weiteren Künstlern zu schließen. Chris Tall ist so ein Beispiel. Wir möchten diesen Mann plattformübergreifend aufbauen. Im Kino ging es los mit "Abschussfahrt" Clip, im Showbereich läuft die Zusammenarbeit mit "Wollen wir wetten?! Bülent gegen Chris", und wir möchten mit ihm fiktional im TV zusammenarbeiten. Gerade werden zwei Serien entwickelt. Markenbildung ist nicht auf eine Form ausgerichtet. Trotz der Unterschiedlichkeit der Bereiche Entertainment, Digital Media und lineares TV gibt es erstaunlich viele Möglichkeiten, Überschneidungen hinzubekommen.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Entertainment und Fiction vorstellen?

Sie glauben gar nicht, wie viel Neues aus Gesprächen zwischen den Geschäftsführern der Constantin Entertainment und der Constantin Television entsteht. Eine Idee zu einer Show führt schnell zu einer Idee für eine Serie oder umgekehrt. Manchmal sind die Bereiche auch schwer trennbar, manche Formate sind Mischungen daraus. Im True-Crime-Bereich entwickeln Entertainment und Television gerade zwei Serien zusammen. Dieses Zusammenspiel ist das große Plus der Constantin. Wir bedienen alle Bereiche und können einem Künstler daher viele verschiedene Möglichkeiten bieten.

Erstklassig: die TV-Verfilmung des Justizdramas von Ferdinand von Schirach: "Terror ? Ihr Urteil" realisierte Berben (rechts im Bild) mit Florian David Fitz, Regisseur Lars Kraume, Lars Eidinger und Burghart Klaußner, hier mit Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus (Bild: Moovie / Julia Terjung) Großansicht
Erstklassig: die TV-Verfilmung des Justizdramas von Ferdinand von Schirach: "Terror ? Ihr Urteil" realisierte Berben (rechts im Bild) mit Florian David Fitz, Regisseur Lars Kraume, Lars Eidinger und Burghart Klaußner, hier mit Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus (Bild: Moovie / Julia Terjung)
Und was sind potentielle künftige Marken?


Zur Zeit befinden sich "Bier Royal" und "Die Protokollantin" im Dreh .Zudem startet in naher Zukunft der Dreh zu "Die Geschichte eines Parfums" und einige Produktionen für die Degeto. Eines unserer nächsten großen Projekte wird eine Serie über acht Folgen, die wir aus der ersten Marke, die Constantin hatte, erstellen: "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Auf Initiative der bekannten Autorin Annette Hess, entsteht hier ein großes auch international attraktives Werk. Im Grunde sind das zwei Marken, die wir hier zusammen führen - auf Autoren- und auf Brand-Seite. Zu unseren Alleinstellungsmerkmalen gehört, dass wir das alles im Haus haben, wir können einfach aus allen Bereichen schöpfen. Unter der Führung von Annette Hess sind sechs Autoren in einem Writers' Room am Werk. Mit den beiden "Stern"-Autoren Kai Hermann und Horst Rieck, die damals Christiane F. und ihre Familie und Freunde für ihre Reportage interviewten, haben wir verhandelt und die gesamten Tonbandaufnahmen erhalten. Das ist viel mehr Stoff, als in dem Buch oder gar im Film verarbeitet wurde. Die Serie bietet hier die ideale kreative Plattform.

Großprojekte selbst finanzieren und vorantreiben

Stemmt das die Constantin aus eigener Kraft oder steht der Partner schon fest?

Ähnlich wie bei "Die Geschichte eines Parfums" stemmen wir das alleine. Auch dort haben wir bis zum letzten Buch alles eigenständig entwickelt. Wir glauben, dass auf diese Weise potentielle Partner eine bessere Vorstellung davon bekommen, was sie bei einem Projekt dieser Größenordnung erwartet. Vor zwei Jahren haben Martin Moszkowicz und ich beschlossen, dass wir in diesem High-End-Serienbereich die Entwicklung solcher Großprojekte selbst finanzieren und vorantreiben, ohne vorab an Förderer, Sender oder sonstige Programmverwerter heranzutreten. Constantin hat dafür die finanziellen Mittel bereitgestellt und die Kreativen schätzen das, weil sie erst einmal die Möglichkeit haben, frei zu erzählen. Das ist bislang aber nur ein knapper Ausschnitt unserer geplanten Projekte...

An welchen arbeiten Sie denn noch...

Aus unserer ersten Serien-Initiative gingen zwölf Stoffe hervor, an denen wir nun aktiv arbeiten. Dazu gehört eine Zusammenarbeit mit den Brüdern Friedemann und Christoph Fromm - eine große Geschichte, die man unter dem Motto "Ein Dorf zieht in den Krieg" zusammenfassen könnte. Das "Kaufhaus des Westens" geht nächstes Jahr in Produktion. Es wird vom Kreativteam, das schon für "Adlon" verantwortlich war, für die Degeto und den rbb produziert. Die Beta ist für den internationalen Vertrieb ebenfalls bereits an Bord. Im True-Crime-Bereich entwickeln wir eine Serie über "Die Nonnen von Sant Ambrogio", aber neben Serien bleiben auch Fernsehfilme attraktiv. Wir produzieren beispielsweise einen Harz-Mystery-Thriller basierend auf Elisabeth Herrmanns Roman "Schattengrund", mit Josefine Preuß in der Hauptrolle und Dror Zahavi als Regisseur.

Es geht Ihnen aber auch darum, durch die Selbstständigkeit andere Konditionen verlangen zu können...

Das allein ist nicht der Punkt. Diese Eigeninitiative ist für uns elementar. Wir gehen mit einem unternehmerischen Ansatz an die Stoffe heran, weil wir an den Inhalt glauben. Vor allem aber geht es um das Publikum. In welchen Medien bewegen sich die Leute, die so etwas gerne sehen wollen? Bei "Die Geschichte eines Parfums" war es wichtig, dass eben ZDFneo mit seinem Publikum an der Produktion beteiligt ist. Das stärkt zusätzliche Sender. Vox ist hier auch ein gutes Beispiel. Durch den Erfolg mit "Club der Roten Bänder" wird so ein Sender plötzlich ein neuer Player für Programm am Markt.

Ist nicht bei den Privatsendern ohnehin viel in Bewegung geraten?

Es betrifft im Grunde alle Auswerter, weil man mit lokalem Produkt im High-End-Bereich besondere Erfolge erreichen kann. Die siebeneinhalb Mio. Zuschauer, die "Das Sacher" erreicht hat, erzielt eben kein Einkaufsprogramm. Die Quoten bei den ausländischen Lizenzprodukten sinken. Das betrifft die Output-Deals, und das macht sich auf dem Produktionsmarkt sofort bemerkbar. Und noch etwas passiert in Bezug auf den internationalen Markt. Früher musste man in englischer Sprache drehen, um das Programm im Ausland zu verkaufen. Heute sagt ein amerikanischer Partner eines unserer künftigen Projekte: "Bitte auf keinen Fall auf Englisch drehen. Wir brauchen den lokalen Charakter. Sie müssen Ihren Markt bedienen und da richtig gut funktionieren. Dann schauen auch die anderen."

"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Die Geschichte eines Parfums" sprechen für einen regen Austausch mit der Constantin Film. Wäre auch denkbar, um eine Figur aus "Fack Ju Göhte" Clip eine Fernsehserie zu stricken?

Da unser Unternehmen sehr flach organisiert ist und hauptsächlich Produzenten die Geschäfte führen, denken wir ständig darüber nach, ob und wie wir bei den einzelnen Ideen und Produktionen ein Crossover schaffen. Es gibt keine erfolgreichere Marke als "FJG" im Kino. Und das ist im Moment das Wichtigste. Es gibt natürlich Projekte, bei denen wir zuerst von einer Kinoproduktion ausgegangen sind und dann dazu übergegangen sind, eine Serie daraus zu machen und aus der Serie heraus einen Kinofilm zu kreieren. Weil die Constantin all diese Bereiche umfasst, kann man diese Überlegungen schnell und kurzfristig führen. Das ist kein neues Modell. Bei "Das Boot Clip" wurde das schon vor vielen Jahren gemacht. Günter Rohrbach, der ja für uns als Produzent tätig ist, ist da ein perfekter Ratgeber.

Wen sehen Sie unter den deutschen Produktionshäusern auf Augenhöhe mit der Constantin?

Ich glaube, dass wir relativ allein stehen. Nicht in den einzelnen Bereichen, da gibt es Konkurrenz, und das mögen wir auch. Aber wenn man den Gesamtapparat der Constantin betrachtet, haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Beispiel dafür ist, dass es kein anderes deutsches Produktionsunternehmen gibt, das eine amerikanische Serie produziert. Nur die Constantin produziert beispielsweise "Shadowhunters"schon in der dritten Staffel in den USA für freeform (Disney) beziehungsweise im Rest der Welt zunächst für Netflix. Für Kreative und Partner sind wir deshalb so interessant, weil wir die komplette Ausstattung liefern können. Wenn jemand Lust hat, eine US-Serie zu schreiben, sagen wir: Do it.

Wenn die nationalen Produktionen international so gut laufen, warum dann noch internationale Produktionen?

Es geht für die Zukunft darum, weitere Wachstumsmärkte zu erschliessen. Im internationalen Bereich ist das für uns ein großes und erfolgreiches Feld, in dem wir noch stark wachsen können. Das Budget einer Folge "Shadowhunters" liegt bei über drei Mio. Dollar, wir drehen 20 Folgen pro Season. Wir reden also über ganz andere Größenordnungen, und wir reden auch über andere Märkte. Stichwort: Konkurrenz auf dem deutschen Markt. Als international agierendes deutsches Unternehmen müssen wir für uns auch weiter neue Märkte öffnen. Ich bin jetzt regelmäßig in unserem Büro in Los Angeles, und dort befindet sich eine Vielzahl serieller Produktionen in Entwicklung, z.B. "Resident Evil" oder die Bestseller Trilogie "Unwind". Wir arbeiten auch hier mit eigenen Marken. Ein großer Stoff für Europa, den wir gerade angehen, ist "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" Clip.

Wie wirkt sich Ihre neue Vorstandsposition auf Ihre Arbeit als kreativer Produzent und Ihre Rolle in Ihrer Firma, der Moovie, aus? Bleibt dafür noch Zeit?

Das wirkt sich zunächst einmal in wenig Freizeit aus (lacht). Die große Kraft der Constantin Film AG sind all ihre Produzenten, die großartige Ideen haben und diese auch realisieren können. Sie wissen wie eine Produktion funktioniert. Die Moovie ist ein perfektes Beispiel dafür: Wir haben über zehn Jahre drei Produzenten ausgebildet, die führen den Laden jetzt. Im Vorstandsbereich ist für mich die strategische Arbeit dazu gekommen: Wo müssen wir uns verbessern, wo wollen wir angreifen? Ich wollte mir schon immer zusätzlich zur kreativen Tätigkeit strategische Gedanken machen.


Quelle: Blickpunkt:Film

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