Recklinghausen, 18.07.2003, 11:20  Blickpunkt:Film

NRW-Kinobetreiber Gerd Politt meldet Insolvenz an

Die gegenwärtige wirtschaftliche Krisenstimmung macht auch vor etablierten Branchenteilnehmern nicht Halt: Gerd Politt, 61-jähriger Kinounternehmer aus Recklinghausen und Begründer des Kinofests Lünen, musste für drei seiner Gesellschaften Insolvenz anmelden.

Gerd Politt
Gerd Politt  
Betroffen sind die Theater in Soest und Recklinghausen sowie das Großkino Cineworld in Lünen. Das mit fünf Sälen und über 1050 Plätzen ausgestattete Multiplex wurde erst 1999 glanzvoll eröffnet. Das Gebäude gehört der Harpen AG, die parallel zum Insolvenzantrag ihrem Mieter Politt fristlos kündigte, weil dieser, so Franz Fabri, Leiter der Immobilienabteilung der Harpen AG, seit mehr als einem halben Jahr weder Miete noch Strom gezahlt habe. Gerd Politt, von Blickpunkt:Film um eine Stellungnahme gebeten, wollte sich zum laufenden Verfahren nicht äußern, war aber guten Mutes, dass die Insolvenzanträge wieder zurückgezogen werden können, wenn die Verhandlungen mit neuen Investoren abgeschlossen seien. Die Kündigung durch die Harpen AG sei aber, so Politt, nicht gerechtfertigt. In diesem Zusammenhang legt er noch einmal Wert auf die Feststellung, dass der Betrieb an allen drei Standorten uneingeschränkt weiterlaufe. Dazu gehöre der komplette Spielbetrieb wie auch die Zahlung der Löhne und Sozialabgaben. Viel Aufregung hat Politts Insolvenz auch in Herne ausgelöst. Hier wurde der Kinounternehmer wenige Tage vor der Insolvenz als möglicher Betreiber des geplanten Großkinos in Herne vorgestellt. Die Herner Stadtwerke planen am Berliner Platz ein Center mit sechs Leinwänden und ca. 900 Plätzen. Nun warfen vor allem die Grünen und die CDU der regierenden SPD vor, von der finanziellen Schieflage des Unternehmers gewusst zu haben. Politt verwies indes darauf, dass nicht er, sondern seine Familie der Vertragspartner bei der zu gründenden Kino Herne GmbH sei. Politt selbst strebe eine "Beraterfunktion" an.
Ute Teigler
Ute Teigler  


Betroffen reagierte auch Ute Teigler, die gemeinsam mit ihrer Partnerin Elfriede Schmitt das Festival in Lünen ausrichtet. Man habe sofort mit der Stadt gesprochen und von der Kommune die Zusage erhalten, dass die Stadt als alleiniger Veranstalter auftrete. Der Besitzer der Cineworld-Immobilien, die Harpen AG, habe ebenfalls zugesichert, dass das 14. Kinofest Lünen vom 13. bis 16. November dort stattfinden könne. Die Hauptlasten der Finanzierung von 180.000 Euro trage zudem die Filmstiftung NRW mit ca. 60.000 Euro, mit von der Partie sind die Stadt und die Stadtsparkasse Lünen. Für das letzte Drittel, das über Eintritt und weitere Sponsorengelder finanziert werde, habe nun die Stadt das Restrisiko übernommen.
Elfriede Schmitt
Elfriede Schmitt  


Obwohl also die finanzielle Situation zumindest für dieses Jahr weitgehend gesichert sei, ist es für Ute Teigler nur schwer vorstellbar, dass das Festival nun ohne den bisherigen Gastgeber Gerd Politt weitergehen wird: "Ohne ihn gäbe es dieses Festival nicht. Vielleicht eröffnet sich ja eine Möglichkeit, wie man Gerd Politt auch künftig an das Festival binden kann." Sollte dies in diesem Jahr nicht gelingen, sei vorstellbar, dass die mittlerweile zur "Stammbesetzung" avancierten Schauspieler wie etwa Joachim Król diese Funktion teilweise übernehmen könnten.


Quelle: Blickpunkt:Film

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