Hannover, 07.03.2002, 16:25  Blickpunkt:Film

Nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer: "Identitäten wahren und Synergien nutzen"

Seit Juli 2001 ist Thomas Schäffer (44) allein vertretungsberechtigter Geschäftsführer der nordmedia - Die Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH. Der diplomierte Kultur- und Medienmanager, der u.a. auch die Gründung der Medienakademie Köln mitbetreut hat, äußert sich im Folgenden über die Aufgaben des Zwei-Länder-Förderers nordmedia.

Nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer
Nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer  
Blickpunkt:Film: Die nordmedia ist nunmehr über ein Jahr jung. Wie lautet bis dato die Firmenbilanz?

Thomas Schäffer: Wir sind inzwischen hervorragend aufgestellt. Der Gesamtauftritt der nordmedia auf der 52. Berlinale - Empfang, Focus Germany, Filmmarket, Podium Film 20 und drei geförderte Filme in der Reihe "Perspektive Deutscher Film" - belegt eindrucksvoll: Nordmedia ist im Konzert der Fördereinrichtungen präsent und wird dabei nicht nur wahr-, sondern auch ernst genommen. Auch das nordmedia Script & Development Lab wird mit seinen international renommierten Dozenten bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen. Abgesehen davon haben wir erst kürzlich mit dem "Tatort" und einer Literatur-Talkshow aktuelle TV-Produktionen nach Hannover geholt und gefördert. Unsere Kinoförderung ist vorbildlich. Diese Reihe ließe sich in diversen Betätigungsfeldern fortsetzen.

BF: Wie lassen sich die Aufgaben der Nordmedia in kurzen Worten beschreiben?

TS: Vorrangige Ziele sind Medienförderung und Standortentwicklung. Im Einzelnen heißt das: Projekt- und Festivalförderung, Durchführung und Bündelung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Film- und Fernseh- sowie die Multimediabranche oder die Projektträgerschaft für Initiativen und Pilotprojekte im Multimedia- bzw. IT-Bereich. Dabei wollen wir vor allem Dienstleister sein. Die Struktur der Nordmedia bedient in idealer Weise diese vielfältigen Aufgaben. Die nordmedia Fonds GmbH ist die zentrale Fördereinrichtung der Länder Niedersachsen und Bremen. Im Bereich Funding finden alle Förderaktivitäten, im Bereich Academy alle Qualifizierungsmaßnahmen statt. In der Agentur GmbH fasst die Mediengesellschaft ihre Kompetenzen in den Bereichen Consulting und Agency - vor allem im Bereich der Konvergenz traditioneller Medien und neuer Technologien - zusammen.

BF: Die Struktur der Nordmedia beruht auf einem Non-Profit- und einem Profit-Bereich. Welcher von beiden ist Ihrer Ansicht nach der zukunftsträchtigere?

TS: Ich sehe gerade in den Synergien beider Geschäftsfelder und dem Dach der Nordmedia erhebliche Chancen, Förderung und Marktanbindung gemeinsam als Potenziale zu entwickeln.

BF: War und ist es kompliziert, die Bundesländer Bremen und Niedersachsen in ein gemeinsames Fördersystem zu integrieren?

"Back to Gaya" schafft weltweite Beachtung

TS: Die Länder gehen in den Aufgaben der Nordmedia in der Tat einen gemeinsamen Weg - darauf sind wir stolz. Gleichzeitig ist die damit gewonnene Stärke auch Verpflichtung. Niedersachsen selbst ist ein großes Flächenland mit eigenständigen Regionen, Bremen als Hansestadt öffnet die transatlantische Perspektive. Unterschiedliche Identitäten gilt es zu wahren und gleichzeitig die Synergien zu nutzen. Wenn das gelingt, dann wird aus 1+1 mehr als 2.

BF: Niedersachsen und Bremen zählen nicht gerade zu den Highlights in puncto Kinofilm-Produktionsstandorte. Welche Projekte werden dort zurzeit realisiert?

Nordmedia-Förderetat liegt bei neun Mio. Euro

TS: Ich bin sicher, dass wir beispielweise mit "Back to Gaya", der ja komplett digital kreiert und produziert wird, auf dem richtigen Weg sind, auch international Beachtung zu finden. Gerade ist in Bremen mit "Verrückt nach Paris Clip" - gefördert von Niedersachsen und Bremen - die einzige bedeutende Kinospielfilmproduktion seit Peter Zadeks "Ich bin ein Elefant, Madame" von 1968 fertig gestellt worden. Die Nordmedia hat die Präsentation des Films in der neuen Berlinale-Reihe "Perspektive Deutsches Kino" unterstützt, wie auch die "99 Euro Films", die vom Filmfest Oldenburg produziert wurden.

BF: Im vergangenen Jahr hat nordmedia 3,8 Mio. Mark an Fördermitteln für insgesamt 55 Projekte bewilligt. Mit wie viel Geld wird 2002 zu rechnen sein?

TS: Nordmedia verfügt in der Förderung über ca. neun Mio. Euro, und in dieser Größenordnung gedenken wir auch insgesamt Förderung zu vergeben.

BF: Wie gewichtet sich das Verhältnis zwischen TV- und Kinofilmen in der Region Niedersachsen/Bremen?

TS: Radio Bremen und der NDR sind Gesellschafter bei der nordmedia Fonds GmbH. Das ZDF soll noch als Partner gewonnen werden. Mit SAT.1 haben die Länder Niedersachsen und Bremen ein Kooperationsabkommen zur Herstellung von drei TV-Movies in den nächsten drei Jahren geschlossen. Die Sender bringen ein starkes programmliches Interesse ein, das aber - und das wird die Förderpraxis zeigen - die Finanzierung von Kinofilmen überhaupt nicht ausschließt.

BF: Wie ist die derzeitige Festivalsituation in Niedersachsen/Bremen beschaffen? Vom Filmfest Braunschweig etwa hört man katastrophale Nachrichten über fehlende kommunale Unterstützung.

TS: Niedersachsen und Bremen zeichnen sich durch eine blühende Festivallandschaft aus. Die Entwicklung in Braunschweig sehen wir von der nordmedia durchaus mit Sorge. Festivals haben Bedeutung und Effekte auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Wirtschaftlich haben sie nicht zu vernachlässigende Effekte für die jeweilige Region. Hier müssen also verschiedene Instrumentarien greifen - neben einer möglichen Förderung, zum Beispiel durch die Nordmedia, können auch Tourismusförderung, kommunale Förderungen und Sponsoring zusammenwirken. Aktuell bewerten wir die diversen Festivalaktivitäten und werden generell für die kommenden Jahre unsere Linie neu bestimmen.

BF: Ihre Prognose für das Kinojahr 2002?

TS: 2001 war mit einem Umsatzplus von 16,7 Prozent ein fantastisches Kinojahr. Mich freut besonders, dass der Marktanteil des deutschen Films mit 18,4 Prozent einen exorbitanten Zuwachs zum Jahr 2000 (12,5) verzeichnet. Aber Prognosen sind schwierig. Es wäre schön, wenn die Werte weiter steigen würden. Wir wollen gern mit der Förderung qualitativ hochwertiger und im Markt erfolgreicher Produkte sowie einer Service-orientierten Kinoförderung dazu beitragen.


Quelle: Blickpunkt:Film

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