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München, 30.09.1998, 00:00  Blickpunkt:Film

Nico Hofmann zu 'Solo für Klarinette'

Einen weiteren Glanzpunkt im deutschen Kinoherbst will mit dem Großstadt-Reißer "" (Senator, 15. Oktober) setzen. Nach langen Jahren der TV-Erfolge kehrt Hofmann mit den Star-Partnern Corinna Harfouch und auf die Kinoleinwand zurück. Regina Ziegler produzierte das Sieben-Millionen-Mark-Projekt.

Blickpunkt:Film: Mit "Land der Väter, Land der Söhne" verabschiedeten Sie sich vor zehn Jahren vom Kino. Was ist der Grund für das Comeback?

Nico Hofmann: Die Story, das Drehbuch - ich wollte es einfach wieder wissen. Und die Ära Sönke Wortmann ist vorbei. Da gab es ja wirklich fast nur Komödien, und das ist ein Terrain, das ich nicht beherrsche. Regina Ziegler hatte bereits fünf Drehbuchentwürfe nach demRoman von Elsa Lewin aufgeben müssen, weil sie nicht funktionierten. Wir haben den Roman auf den Kopf gestellt, den Krimi über den Polizisten erzählt, ihn zur Hauptfigur gemacht. Lewins Buch ist aus weiblicher Sicht geschrieben, eine Innenwelt-Betrachtung der Frau.

BF: Sie erzählen auch eine illusionslose Liebesgeschichte. Die Besetzung mit Corinna Harfouch und Ihrem "Sandmann" Götz George war Ihre Idee?

NH: Absolut, ohne die beiden hätte ich den Film nicht gemacht. Mir war klar, mit Götz George hatte ich schon Dreherfahrungen, daß beide sehr fordernd in der Arbeit sein werden, im Zusammenspiel ebenso wie mit mir, dem Regisseur. So war es auch, aber das fand ich sehr spannend. Corinna hatte mir schon bei unse-rem ersten Treffen, nachdem sie für die Rolle zugesagt hatte, klipp und klar erklärt: "Wenn du von mir willst, daß ich dir die deutsche Sharon Stone spiele und im Bild rumstehe, damit Götz an mir rumfummelt, dann spiele ich's dir nicht. Ich mache es nur, wenn du mir eine Differenziertheit gestattest mit der Verletzlichkeit dieser Figur, die aber immer noch Würde hat." Da traf sie bei mir genau auf den Punkt. Und beim Drehen war dann so viel Intensität zwischen den beiden Figuren, daß ich die Geschichte gern noch weitergetrieben hätte.

BF: Haben Sie den Unterschied gespürt in der Arbeit fürs Kino und fürs Fernsehen?

NH: Ich hatte das Kinomachen natürlich nicht verlernt. Aber vielleicht hat mich meine TV-Vergangenheit doch nicht ganz in Ruhe gelassen - in einigen Voice-Over-Texten von George, der seine eigene Situation, die Zerissenheit des Polizisten, überdenkt. Ich neige ein bißchen dazu, die Emotionen in die von mir gewünschte Richtung zu kanalisieren. Im Fernsehen kannst du dir eine gewisse Ruhe des Erzählens nicht nehmen - da liegt ein entscheidender Unterschied zum Kino, weil du einfach weißt, daß die Leute in der 15. Minute einschalten, in der 30. wieder wegschalten, weil du 38 Minuten Werbung in 90 Minuten hast.

BF: Haben Sie in Ihren zehn TV-Jahren nie Sehnsucht nach dem Kino gehabt?

NH: Ich fühlte mich beim Fernsehen sehr aufgehoben. In den letzten fünf, sechs Jahren war es das spannendere Betätigungsfeld. Jetzt scheint die Zeit wieder reif fürs Kino. Da ist ein Vakuum entstanden, weil die Komödienschiene allein nicht mehr funktioniert. Und glücklicherweise gibt es eben ein paar Macher, die Mut haben, einen Stoff durchzubringen. Es sind immer qualitative Einzelerscheinungen, ob es "Jenseits der Stille" oder "Der englische Patient" ist. Es gibt eben auch in Deutschland die Produzenten, die jenseits aller Trendforschungen individuell an das Projekt glauben. Ich hoffe sehr, daß das Publikum uns nicht im Stich läßt, daß es neugierig ist auf ungewöhnliche deutsche Filme.

BF: Sie waren zwei Jahre als Regisseur und Projektberater bei Bernd Eichingers Constantin Film unter Vertrag. Warum ha ter sich aus "Solo für Klarinette" rausgehalten?

NH: Die Geschichte war ihm zu radikal, vom fertigen Film ist er jetzt begeistert. Es gab auch ein Angebot von Buena Vista - ohne Erfolg. Mit Eichinger habe ich im ersten Jahr "Es geschah am hellichten Tag" für Sat1 gedreht und im zweiten Jahr zwei große Projekte mit Christoph Fromm und Dagobert Lindlau entwik-kelt, die noch nicht realisiert werden konnten. Im Sommer kam dann das Angebot von der UFA, und ich habe mit zwei Partnern die Hofmann/Zander/Reitz-Produktionsgesellschaft gegründet. Eichinger hat mich aus der Option entlassen, und jetzt haben wir ein schönes First Look Agreement für alle Kinofilme, die wir machen. Die werden wir mit Constantin zusammen verleihen.

BF: Gibt es denn schon neue Projekte bei Ihnen?

NH: Ja, aber darüber möchte ich noch nichts sagen, nur so viel:Ein Kinofilm und zwei große Geschichten mit ProSieben und RTL sind in Planung.


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