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Berlin, 21.03.2002, 10:45  Blickpunkt:Film

Neue gesetzliche Bestimmungen für die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen

Gegründet wurde die FSF - Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) als Selbstkontrollorgan im Bereich des Jugendschutzes der privaten Fernsehwirtschaft. So sollte eine schärfere Jugendschutzgesetzgebung für das Fernsehen und erhebliche Ausstrahlungsauflagen verhindert werden. Jetzt soll die FSF eine Aufwertung ihrer umstrittenen Kompetenz erfahren. Es sieht jedoch so aus, als könnten die neuen gesetzlichen Bestimmungen frühestens Mitte 2003 in Kraft treten.

Hans-Joachim von Gottberg
Hans-Joachim von Gottberg  
Obwohl der FSF ein Kuratorium aus unabhängigen Experten in Fragen des Jugendschutzes vorsteht und zu jeder geprüften Sendung ein Gutachten erstellt wird, muss die für den jeweiligen Sender zuständige Landesmedienanstalt dem Prüfvotum der FSF nicht folgen. Die Sender sehen in einer Vorlage bei der FSF deshalb oft keinen Sinn: Bei einer Ablehnung müssen sie sich daran halten, bei einem positivem Votum können die Landesmedienanstalten anders entscheiden. In vielen Fällen legten die Sender deshalb Material, für das Schwierigkeiten bei der Prüfung vorherzusehen waren, erst gar nicht bei der FSF vor. Oder aber sie gaben ihre Movies zur FSK, was im Falle einer Veröffentlichung auf DVD oder Video ohnehin nötig ist. FSK-Gutachten bieten nämlich Rechtssicherheit. Diese Faktoren schwächen die FSF, die nur dann Bestand haben kann, wenn sie allseits als Institution ernst genommen wird. Seit langem gibt es Streit um den Status der FSF-Gutachten, der jedoch bald beendet sein dürfte. Im Juli des vergangenen Jahres legte eine Arbeitsgruppe der Rundfunkreferenten der Länder einen ersten Entwurf zu einem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) vor, der die Selbstkontrolle stärkt und den Prüfergebnissen der FSF ein größeres Gewicht beimisst. Damit würde die FSF nach Einschätzung ihres Geschäftsführers Hans-Joachim von Gottberg "zur zentralen Stelle des Jugendschutzes beim privaten Fernsehen" werden, denn die öffentlich-rechtlichen Sender würden sich weiterhin auf ihre eigene Kompetenz berufen und der FSF fern bleiben. Nach dem Stand der Dinge würde ein Gutachten der FSF vorerst bindend sein. Erst nach der Ausstrahlung der betroffenen Sendung können die Landesmedienanstalten eingreifen, aber nur dann, wenn das Prüfergebnis der FSF fachlich unhaltbar ist (Vertretbarkeitskontrolle). Auch für sogenannte Ausnahmeanträge, bei denen trotz positivem FSF-Entscheid vor der Ausstrahlung noch die Genehmigung der Landesmedienanstalten eingeholt werden müssen, reicht demnächst eine Freigabe der FSF.

Jugendschutz nicht nur als Feigenblatt

Dieter Czaja
Dieter Czaja  
Die geplante Stärkung der Selbstkontrolle hat bereits ein positives Echo gefunden. Nicht nur bei der FSF. Auch Dieter Czaja, Jugendschutzbeauftrager bei RTL, begrüßt die angestrebten Veränderungen, weil dadurch ein sinnvolles Arbeiten möglich wird: "Wenn die FSF-Gutachten ein größeres Gewicht bekommen, legen wir auch alle Sendungen vor", erklärt Czaja. Jugendschutz ist bei den privaten Sendern inzwischen eine Selbstverständlichkeit und Bestandteil der täglichen Arbeit geworden. Bei RTL und ProSieben etwa wird der Jugendschutz schon in der Entwicklungsphase aktiv. "Ich bin nicht bereit, den Jugendschutz als Feigenblatt zu sehen", sagt Michael Groh, Jugendschutzbeauftragter von ProSieben. "Der Jugendschutzbeauftragte soll als beratende Institution bereits bei den Einkäufen und in der Drehbuchphase der Eigenproduktionen einbezogen werden". Die Erfahrungen mit Redakteuren und Regisseuren sind sowohl bei ProSieben als auch RTL positiv. "Es ist erfreulich, dass man die Belange des Jugendschutzes durchsetzen kann, aber die Produzenten und Regisseure sind verständlicherweise nicht immer glücklich darüber", so Groh. Und Dieter Czaja hat beobachtet, dass "die Kreativen es positiv aufnehmen, wenn man in der Buchphase mit ihnen redet und nicht hinterher mit der Schere ankommt".

Frühe Gespräche ersparen die Schere

Michael Groh
Michael Groh  
Die größten Schwierigkeiten hinsichtlich des Jugendschutzes gibt es bei der Beurteilung von Thrillern, da hier der gesamte Kontrext eine Rolle spielt. Joachim von Gottberg plädiert hier für eine tiefere Beschäftigung mit den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Kindern: "Kinder kommen mit mehr zurecht, als man ihnen gemeinhin zutraut. Sie brauchen angstbesetzte Themen und Bilder, die ihnen Lösungen für eigene Ängste anbieten. Erwachsene können rational vorgehen, Kinder aber nur emotional", führt von Gottberg aus. Film sei Simulationshandlung: "Er zeigt, was man selbst tun könnte und lehrt damit Verhalten. Am Film kann man sein eigenes Verhalten korrigieren, bei einem Tagesschau- oder Zeitungsbericht über einen Mord kann man das nicht und das wird Kindern auch zugemutet."

Das Grundproblem ist der Prime-Time-Sendeplatz mit seinen vielfältigen Erfordernissen. In der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr schauen auch Kinder fern, von denen man gemeinhin annimmt, dass sie schon im Bett liegen (sollten). "Das Prime-Time-Programm darf nicht schädlich für Kinder sein", beschreibt von Gottberg das Problem. "Dadurch werden Erwachsene gezwungen, ihre Stoffe nach 22 Uhr zu sehen, das ist eine deutliche Vertriebsbeschränkung und Herd des Konflikts". Schließlich sinkt nach 22 Uhr die Kurve der Fernsehnutzung erheblich.


Quelle: Blickpunkt:Film

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