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Für "Das Zimmer meines Sohnes
" (Prokino/ Fox, 22. November) bekam Regisseur, Hauptdarsteller, Drehbuchkoautor und Koproduzent Nanni Moretti die Goldene Palme in Cannes. Bisher ist dieser von großen Emotionen erzählende besondere Liebesfilm der größte Publikumserfolg des Italieners.
Nanni Moretti:
Das wichtigste ist, den Ton und den Stil der Geschichte festzulegen, sich dafür bereits beim Schreiben des Buchs zu entscheiden. Und doch erlebte ich beim Drehen die Emotionen, den Schmerz und die Trauer so intensiv, dass es eine völlig neue Erfahrung war.BF:
Lieben Sie Psychoanalytiker?NM:
Giovanni in meinem Film ist Psychoanalytiker, weil es das erste Bild von mir war, das mir für diesen Film eingefallen ist. So wie vor 16 Jahren bei "Die Messe ist aus", als ich mich als Priester im Talar sah. Von dem Beruf das Psychoanalytikers weiß ich nicht viel, auch nicht, was mit einem Psychoanalytiker nach so einem Schicksalsschlag passiert, wie ihn Giovanni erlebt, wenn er sich entscheidet, nicht weiter zu arbeiten. Er kann es nicht, weil er immer wieder an den einen Tag denken muss, an dem er das Unglück hätte verhindern können, wäre er nicht zu einem Patienten gefahren. Es fehlt ihm die Distanz zu den Leiden jener, die sich ihm hoffnungsvoll anvertrauen und seinen fachlichen Rat erwarten.BF:
Filmemachen ist für Sie eine sehr persönliche Sache?NM:
Alle Geschichten, die ich in meinen Filmen erzählt habe, sind sehr persönlich, haben mehr oder weniger indirekt mit mir zu tun. Nur einmal habe ich direkt über Politik gesprochen, in "Wasserball und Kommunismus", aber auch nicht frontal realistisch, sondern durch eine Wasserballpartie. Ich finde private Geschichten einfach spannender zu erzählen, und in dem Sinne können sie auch politisch sein. Denn ich finde, ein politischer Film sollte Zeugnis ablegen und nicht versuchen, die Gedanken der Menschen agitatorisch zu verändern. Sicher, ich habe vor sieben Jahren Spots gegen Berlusconi gedreht, aber sie können nicht die Aufgabe der politischen Opposition übernehmen - das müssen jetzt vor allem linke Politiker tun. Regisseure sollten sich darauf beschränken, Filme zu machen.BF:
Ihre Filmaktivitäten gehen weit über die Tätigkeit eines Regisseurs hinaus. Sie haben ein Kino in Rom und führen mit Angelo Barbagallo zusammen Sacher Film. Kürzlich haben Sie in Venedig ein Programm von sieben Kurzfilmen verschiedener Filmemacher präsentiert.NM:
Die Arbeit mit jungen unabhängigen Filmemachern gefällt mir. Ich denke, man sollte ihnen Chancen geben, wenn man kann. Schließlich kann man dabei auch Entdeckungen machen.BF:
Veranstalten Sie noch jährlich Ihr Kurzfilmfestival?NM:
Ja, und da melden sich Filmemacher aus vielen Ländern. Es findet im Juli im Nuovo Sacher statt, dauert nur fünf Tage, viel zu kurz, sodass ich aus all den Einsendungen eine Auswahl treffen muss.BF:
Wie sieht die Situation des italienischen Filmnachwuchses aus?NM:
In den letzten zwei, drei Jahren hatten italienische Filme mehr Erfolg im eigenen Land als vorher. Vielleicht sind Filmemacher jetzt fähiger, von dem Land, in dem sie leben, zu erzählen. Auf jeden Fall bröckelt das negative Vorurteil des Publikums gegenüber italienischen Filmen jetzt allmählich weg. Ich selbst bin im Kontakt mit zwei jungen Regisseuren, deren erste Spielfilme ich eigentlich gern produzieren würde. Aber irgendwie habe ich gemerkt, dass die beiden zwar nett sind, aber nicht viel zu erzählen haben. Und für mich heißt Filmemachen einfach die Lust, Geschichten zu erzählen.BF:
Wann haben Sie selbst wieder Lust?NM:
Ich habe zwar bereits ein paar Ideen gesammelt, aber ich bin weit von konkreten Plänen entfernt. Vielleicht fällt mit irgendwann auch mal eine Geschichte ein, bei der ich nicht im Mittelpunkt stehe. Das wäre weniger anstrengend und weniger beängstigend.Quelle: Blickpunkt:Film
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