München (tw), 22.01.2004, 17:57  Blickpunkt:Film

Mike Newell zu "Mona Lisas Lächeln"

"Vier Hochzeiten und ein Todesfall Clip"-Regisseur Mike Newell inszenierte mit "Mona Lisas Lächeln Clip" ein sensibles und warmherziges College-Drama. Hollywoodstar und Oscar-Gewinnerin Julia Roberts brilliert in der Hauptrolle. Lesen Sie exklusiv auf Blickpunkt:Film.de ein Interview mit dem englischen Regisseur, der den nächsten "Harry Potter" inszeniert.

Mike Newell
Mike Newell  
Blickpunkt:Film: Sie sollten eigentlich vor ein Paar Jahren "The Girl with a Pearl Earring Clip" über das berühmte Vermeer-Gemälde drehen. Ist "Mona Lisas Lächeln" ihr Ersatz dafür?

Mike Newell: Da liegen Sie gar nicht verkehrt. Es war in der Tat kein großer Sprung, um sich bei "Mona Lisas Lächeln" einzuarbeiten. Ich wollte auf alle Fälle einen Frauenfilm machen. Es hat mich damals beinahe umgebracht, dass ich "Girl with a Pearl Earing" nicht selbst drehen konnte. Ich verspürte eine größere Affinität zu diesem Projekt als zu anderen.

BF: Man kommt bei "Mona Lisas Lächeln" um den Vergleich mit Peter Weirs "Der Club der toten Dichter" nicht herum.

MN: Natürlich kann man zwischen "Mona Lisas Lächeln" und "Der Club der Toten Dichter" Ähnlichkeiten entdecken. Die beiden Stoffe haben jedoch völlig unterschiedliche Ansätze. Die "Musik", der Charakter der Filme ist anders.

BF: Wo ist für Sie der große Unterschied?

MN: Der liegt bei der Funktion der Figuren. Bei "Mona Lisas Lächeln" handelt es sich um keine Einbahnstraße. Julia Roberts' Figur lernt noch genau so viel wie sie lehrt. Ihr Charakter ist nicht fertig, sie ist selbst noch unsicher und wird von den Schülerinnen ebenso geprägt wie umgekehrt. Das ist der Kern in meinem Film.

BF: Warum wählten Sie auch noch dieselbe Zeit wie Weir aus?

MN: Die Ära spricht mich unglaublich an, ich liebe diese Zeit. Es gab damals großes Drama, in den frühen Fünfzigern. Man betrachte doch nur mal die Doris-Day-Filme, die wir uns als Vorlage nahmen. Dieser helle Hochkontrast-Stil der Hollywood-Filme dieser Tage, wo der Film dich ansieht und dir sagt: Es gibt keinen Ärger, keine Sorgen, nirgendwo. Alles ist großartig und wird bis in alle Ewigkeiten großartig sein. Dann drehst du die Ära um und hast die dunkle Seite: McCarthy und die Hexenjagd, und all diese bigotte Verlogenheit. Die Leute wurden nahezu in die Schizophrenie getrieben.

BF: Diese Elemente erinnern an Douglas-Sirk-Filme: Schillernde, glatte Oberfläche, und die Probleme dahinter.

MN: Stimmt. Dabei wollten wir alles andere als einen Douglas-Sirk-Film machen. Die Ähnlichkeiten passierten nicht freiwillig. Wir wollten nur der Zeit gerecht werden. Doch die Kostüme, die Frisuren, das Make-Up, die Ausstattung dieser Epoche - all das ist von Sirk so hervorragend eingefangen worden, dass man heute kaum mehr an ihm vorbei kommt.

BF: Als Nächstes drehen Sie "Harry Potter und der Feuerkelch". Endlich ein Engländer!

MN: Die "Potter"-Filme sind auf dem besten Weg, sich zum Nationalheiligtum zu entwickeln. Eigentlich wollte man ja schon für den ersten Teil einen Engländer als Regisseur. Doch damit begann auch schon die Crux. Ein "Potter"-Film muss unter allen Umständen erfolgreich sein. Auf dieses Himmelfahrtskommando wollte sich kein englischer Regisseur einlassen.

BF: Dann fand man zum Glück einen Amerikaner...

MN: ... und Chris Columbus hatte Gott sei Dank Erfolg. Er hat die Basis gelegt. Dann kam Alfonso Cuarón, der eine unglaubliche Arbeit abgeliefert hat, sie werden es in Kürze sehen. Und nun kann endlich auch ein Brite ran!

BF: Warum machen Sie es?

MN: Die Produzenten baten mich das Buch zu lesen, denn es gab zu dem Zeitpunkt noch kein fertiges Drehbuch. Zum ersten Mal in meinen 61 Jahren habe ich ein Buch überhaupt in einem Zug durchgelesen. Mein Sohn hatte alle gelesen und überzeugte mich dann letzten Endes, diesen Teil zu inszenieren.

BF: Kein leichter Stoff. Das Buch ist extrem lang. Es kursieren Gerüchte, dass es in zwei Teilen verfilmt wird?

MN: Nein. Das würde dem dramaturgischen Ablauf des Filmes nicht gerecht werden. Wir werden es in einem Film abhandeln. Jeder fragte mich: Wie kannst du das nur machen, es sind 800 Seiten. Daraus kann man keinen Film machen. Nun, man muss den Kern der Story herausarbeiten und sich darauf konzentrieren.

BF: Wie gehen Sie dabei vor?

MN: Alfonso Cuarons dritter Teil ist phantastisch, sehr atmosphärisch, sehr dicht und düster. Sein Film ist der Ausgangspunkt. Und "Harry Potter und der Feuerkelch" selbst ist für meinen Geschmack ein exzellenter Thriller. Der Bösewicht trachtet dem Helden von Anfang an nach dem Leben. Der Held weiß erst gar nicht was passiert und muss sich die Zusammenhänge erarbeiten und um sein Leben kämpfen - das ist ein Thriller. Dann klinkt man das ganze Drumherum ein, wie in einem Bollywood-Movie. Und schließlich müssen auch die dramatischen Kniffe rein, wie in einer Las-Vegas-Show. Genau so muss dann auch der Film aussehen.

BF: Wann geht's los?

MN: Die erste Klappe wird Anfang Mai fallen.

BF: Wer spielt Voldemort?

MN: Ich werde es Ihnen nicht verraten. Auch weil wir noch keinen Schauspieler haben. Ich weiß, wen ich haben will, aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Quelle: Blickpunkt:Film

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