Köln, 10.06.1998, 00:00  Blickpunkt:Film

Medienengagement der Stadtsparkasse Köln

Zu einer der ersten Adressen in Sachen Filmfinanzierung mit Risikokapital hat sich die Stadtsparkasse Köln entwickelt. Das Kreditinstitut der Domstadt eignete sich das Know-how für Projektfinanzierungen an und gründete für Firmenbeteiligungen die Wagniskapitalgesellschaft TMK.

Natürlich gebe es Zusammenhänge zwischen der kommunalen Wirtschaftsförderungspolitik im Mediensektor und dem Medienengagement seines Hauses, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Gustav Adolf Schröder. Doch als Körperschaft des öffentlichen Rechts sei sein Kreditinstitut von direkten Weisungen unabhängig. Es würde sich nicht gegen die eigenen Interessen von kommunaler Politik instrumentalisieren lassen. Doch im Fall der Medienbranche träfen sich, so Schröder, die Interessen des Standorts und die der Bank. Er rechnet vor, daß in Köln - bei einer Arbeitslosenquote von rund 13 Prozent - gut zehn Prozent der Erwerbstätigen in der Medienbranche arbeiten. Dies sind 45.000 Arbeitsplätze, einschließlich der Printmedien, die kontinuierlich abbauten, was bisher durch das Wachstum des audiovisuellen Bereichs ausgeglichen wurde. Das Plus an AV-Arbeitsplätzen in den letzten acht Jahren beziffert er für Köln auf 8000.

Als Meilenstein in der Zusammenarbeit mit Medienunternehmen benennt Schröder die Ansiedlung von RTL in Köln Mitte der achtziger Jahre: "Für meine Vorgänger war es ein großes Risiko. Die Stadtsparkasse stellte für RTL Gebäude, Wohnungen und eine umfassende Infrastruktur bereit." Nicht nur Vermieter wurde die Sparkasse, sondern auch Kreditgeber des Privatsenders, wenn auch nicht die Hausbank. Jüngstes Großprojektengagement ist eine Beteiligung an der Magic Media Company mit ihrem geplanten Studiogelände in Köln-Ossendorf. Seine Medienspezialistengruppen sind in zwei Departements zu finden: für Film- und Fernsehprojekte mit nationalem Charakter in der Firmenkreditabteilung - kommen ausländische Coproduktionspartner hinzu, ist die Großkundenabteilung mit ihrem internationalen Know-how die richtige Adresse.

Aktuellstes Beispiel für eine internationale Filmfinanzierung, an der sich die Stadtsparkasse beteiligt, ist "The 13th Floor". Sie übernimmt aber auch für kreditwürdige kleinere Film- und TV-Pojekte Zwischen- oder Lückenfinanzierungen. Als Sicherheit dienen Lizenzen, die die Produktionen vertraglich abtreten. Beurteilt werden die Projekte nach ihren Vermarktungskonzepten, etwaigen Verleihverträgen, Förderungszusagen und dem Geschäftsgebahren des Produzenten bei vorangegangenen Produktionen.

Lizenzen als Sicherheiten

"Uns ist eine direkte Partnerschaft noch lieber als ein bloßer Kreditkunde", umschreibt Schröder sein Interesse, bei Filmen oder Fernsehformaten mit ins Risiko zu gehen. "Es stärkt die Produzenten, einen Partner zu haben, der in einer Innengesellschaft das Risiko teilt. Die Lizenzen bleiben offen, ein Gewinn wird geteilt, steht gegebenenfalls aber wieder für weitere Vorhaben zur Verfügung." Seine Erfahrung ist, daß für viele Produzenten, die von der kreativen Seite kommen, die Stärken des Kreditinstitutes mit seinem Finanzmanagement hilfreich sein können. Im Sommer 1995 gründete die Kölner Stadtsparkasse zu diesem Zweck ihre mit 30 Mio. Mark Stammkapital ausgestattete Wagniskapitalgesellschaft TechnoMedia Köln (TMK).

Die TMK verstehe sich nicht nur als Cofinanzier von Medienunternehmen, sondern auch als Beratungs- und Coachingstelle für die Teilhaber, sagt ihr Geschäftsführer Klaus Helmich. Als Mitgesellschafter erwartet er von seinen Partnern Transparenz und Kooperationsbereitschaft. Wer eine Kapitalbeteiligung der TMK an seinem Unternehmen anstrebe, müsse sich zunächst selbst die Frage stellen, ob er zu einer partnerschaftlichen Kooperation bereit sei. Dann könne er der Banktochter mehr Kompetenz zubilligen, als man gemeinhin annehme. Und auch wenn die TMK Existenzgründungen unterstütze und öffentliche Förderungen vermittle, sei sie kein Sponsor: "Wir wollen mit unseren Beteiligungen Geld verdienen." Der Benefit der Unternehmen seien die kontinuierliche und kompetente Begleitung durch schwierige Finanzierungsphasen sowie Management- und Marketingunterstützung. Selten sind die TMK-Beteiligungen unbegrenzt geplant. Seine Philosophie sei vielmehr, so Helmich, nach der Etablierung eines Unternehmens die TMK-Anteile gewinnbringend zu veräußern und sich nach anderen Beteiligungen umzusehen. "Der Partnerunternehmer erhält dabei natürlich das Vorkaufsrecht." Die Beteiligungshöhe liegt je nach Unternehmen und dessen Finanzbedarf zwischen 200.000 und zwei Mio. Mark. Sie kann als stille oder offene Beteiligung konstruiert werden - in jedem Fall aber als Minderheitenanteil. Referenzen für die bisherigen Beteiligungen sind die Unternehmen X-IST und Dimedis im Multimediabereich, Blue Space mit Digital-TV sowie die Filmprojekte "Jimmy the Kid" und "Die Eisprinzessin".



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