München (ts), 30.08.2004, 15:39  Blickpunkt:Film

M. Night Shyamalan zu "The Village - Das Dorf"

Mit "The Village - Das Dorf Clip" (Buena Vista, 9. September) landete M. Night Shyamalan nach "The Sixth Sense", "Unbreakable - Unzerbrechlich" und "Signs - Zeichen Clip" den vierten Blockbuster in Folge.

M. Night Shyamalan am Set mit Kameramann Roger Deakins
M. Night Shyamalan am Set mit Kameramann Roger Deakins  
Blickpunkt:Film: "Signs" und "The Village" sind Filme über Angst. Was fasziniert Sie daran?

M. Night Shyamalan: Ich habe beide Filme nie so gesehen. In "Signs" ging es mir um den einen kathartischen Moment, in dem jeder ganz ehrlich und aufrichtig zu den anderen sagt, was er wirklich über sie denkt, wie er fühlt. Und natürlich um den Glauben an die Familie als fast übernatürliche Einheit. In "The Village" geht es mir darum, was den Menschen wichtig ist. Die Angst ist nur dazu da, ihre Überzeugung, ihren Glauben, wenn man so will, zu testen. Und wenn es hier ein übernatürliches Element gibt, dann ist es die Liebe.

BF: Wovon lassen Sie sich bei diesen Geschichten inspirieren?

MNS: Ich mag düstere Geschichten. Ich mag komplizierte Situationen. Ich mag Entwicklungen in meinen Storys, die völlig gegensätzliche Gefühle auslösen. Meine Filme sollen nachwirken. Der Horror in meinen Filmen ist nur eine Schlinge, die den Zuschauer gefangen nehmen soll, damit er genauer zusieht und genauer zuhört.

BF: Es fällt nicht schwer, "The Village" als Allegorie auf den 11. September 2001 zu lesen.

MNS: Ich werde Ihnen nicht widersprechen. Ich möchte nur anmerken, dass die Allegorie nicht ganz so simpel ist. Bliebe man bei der Lesart an der Oberfläche, würde das bedeuten, dass die Stadtweisen für Bush stehen. Das hält aber keiner näheren Betrachtung stand. Denn die Weisen haben Gründe für ihr Verhalten, sie sind nicht verrückt. Diese Gemeinde ist ziemlich gut. Weiter kommen Sie mit einer anderen Deutung: Ich selbst bin die Stadtältesten - und ich habe von Bush ebenso die Nase voll wie von den Terroristen. Mir kommt es auf die Stimmung an, auf die emotionale Wahrheit. Und das hat sehr viel mit den USA nach dem 11. September zu tun.

BF: Während Hollywood-Großproduktionen immer schneller geschnitten werden, setzen Sie - ganz klassisch - auf lange Einstellungen. Warum?

MNS: Vor "The Sixth Sense" habe ich einen Film gedreht, der mir persönlich sehr wichtig ist: "Wide Awake Clip". Da gab es einen Moment, in dem zwischen den Schauspielern etwas Spannendes und Faszinierendes passierte. Ich war elektrisiert - konnte das aber im Schneideraum nicht wieder heraufbeschwören. Wenn man schneidet, schafft man eine alternative Realität, die nichts mit dem Moment zu tun hat, in dem man die Szene gedreht hat. In Hollywood entstehen Filme heutzutage nur noch im Schneideraum. Das interessiert mich nicht. Mich interessiert der Moment, die Wahrhaftigkeit, die Chemie zwischen den Darstellern. Und das versuche ich von Film zu Film zu verfeinern. Deshalb habe ich für "The Village" theatererprobte Schauspieler geholt.

BF: Sie sind bekannt für Ihre überraschenden Schlüsse. Fühlen Sie sich verkannt, weil immer darauf verwiesen wird?

MNS: Ich würde meinen Film mit einem Tanz vergleichen, der aus 40 Schritten besteht. Jeder einzelne ist gleich wichtig. Ich kann die Obsession nicht verstehen, mit der immer Schritt 40 herausgegriffen wird. Was ist mit den anderen Schritten? Spielen die keine Rolle? Die Musik, der Ton, der Rhythmus, die Figuren, das Spiel mit Konventionen, die unentwegten Überraschungen der Geschichte? Warum wird nicht über Tanzschritt 17 gesprochen, in dem Adrien Brody und Joaquin Phoenix ihren großen Moment haben? Ich habe ihn mit noch größerer Sorgfalt inszeniert als das Ende. Das frustriert mich.

BF: Gibt es ein neues Projekt?

MNS: Momentan bin ich noch mit der Promotion von "The Village" beschäftigt. Aber ein paar Ideen hätte ich schon, denen ich danach nachgehen will. Der Rest ist - wie immer - ein Geheimnis.


Quelle: Blickpunkt:Film

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