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CinemaxX Essen

Kino

München, 06.12.2006, 16:13  Blickpunkt:Film

Luxus-Kinoangebote in der Diskussion

Meinolf Thies will Mitte Dezember im Cinemaxx Essen einen speziellen "Luxus-Kinosaal" eröffnen. Die Branche betrachtet dieses Experiment neugierig, deutet Luxus aber als grundständigen Standard.

So könnte der im Cinemaxx Essen geplante Luxus-Kinosaal aussehen Großansicht
So könnte der im Cinemaxx Essen geplante Luxus-Kinosaal aussehen  
"Ein völlig neues, zukunftsgerichtetes Kinoerlebnis" verspricht der nordrhein-westfälische Kinomacher Meinolf Thies ab dem 14. Dezember seinen "geehrten Gästen". Dann wird nämlich anlässlich des 15. Geburtstags von Deutschlands nach Sitzplätzen gerechneter größter Multiplexanlage, dem Cinemaxx Essen (5250 Plätze in 16 Sälen), ein eigenes "Cinemaxx Exklusiv Kino" eröffnet. Statt auf den üblichen 300 Sitzen dürfen es sich die Besucher im Saal 13 auf 104 Einzel- beziehungsweise Zweier-Sesselcouches bequem machen, die nicht von einem Kinoausrüster ausgeliefert werden, sondern aus dem Essener Einrichtungshaus Möbel Kröger stammen, wie Thies erläutert. Die brandschutzgeprüften, mit schwarzem Leder bezogenen Möbel würden so trotz des Amphitheaterambientes eine bewusst inszenierte Wohnzimmerqualität erzeugen. Kleiderhaken an den Innenwänden sollen obendrein die Bequemlichkeit erhöhen. Hat der Gast erst einmal Platz genommen, können beim Service-Personal - allerdings nur vor Filmstart - Getränke und bald sogar Fingerfood-Speisen direkt am Platz geordert werden. Eine im Saal befindliche Bar soll den Servicegang beflügeln, die bestellten Waren werden auf Beistelltischen abgelegt, auf denen ebenfalls dimmbare Lampen angebracht sind. Als Zielgruppe hat Thies, der das Riesenkino qua Managementvertrag für die Cinemaxx-Gruppe betreut, 16- bis 60-jährige "jung gebliebene" Zuschauer im Auge - "wobei dies nicht unbedingt die Millionäre sein müssen". Auch wenn sich mit rund sechs Mio. Einwohnern aus dem Ballungsraum Ruhrgebiet im Rücken das Cinemaxx Essen als eines der besten Nebenumsatz-Häuser der Cinemaxx-Gruppe etabliert hat, "müssen wir uns unser Kino jeden Tag verdienen", konstatiert Thies. Sicherlich auch mit einem Seitenblick auf den lokalen Mitbewerber Lichtburg will Thies daher in Saal 13 gehobenen Mainstream programmieren. Den Beginn wird die UIP-Liebeskomödie "Liebe braucht keine Ferien Clip" machen, aber auch hochwertige actionlastige Ware à la "Bond" käme infrage. "Nur kein 'Terminator' und Ähnliches", sagt Thies, denn nach den Anfangswochen, in denen "der Saal der Star ist", seien attraktive Filme fernab vom Popcorn-Kino notwendig. Der Ticketpreis werde übrigens deutlich höher mit acht bis elf Euro angesetzt. In der Hamburger Zentrale jedenfalls erwartet man sich einiges von der Essener Unternehmung. "Sicherlich bleibt Kino auch weiterhin ein Massenphänomen", sagt Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt, "aber man darf doch auch gern zeigen, dass noch mehr geht." Gleichwohl bleibe der Essener Saal vorerst ein Testmodell. Andere Standorte seien bei Erfolg zwar ebenfalls denkbar, aber eine flächendeckende Ausstattung in sämtlichen Cinemaxx-Theatern werde es nicht geben, so Schmidt.

Was auch immer die Gründe für den Essener Luxusausbau sein mögen, mit einem Aspekt liegt Thies jedenfalls im Trend: "Letztlich geht es um Lebensqualität. Wertebotschaften statt Werbebotschaften heißt dann die Forderung der Verbraucher, die sich auch als eine Generation von Sinnsuchern versteht", urteilt etwa der nicht unumstrittene Hamburger Freizeitforscher Horst W. Opaschowski (BAT-Institut). Von Konsumverzicht wolle diese Sinnsucher-Generation indes wenig wissen, "dafür umso mehr von der Werthaltigkeit des Konsums als Teil persönlicher Lebensqualität". Die auf Kinobauten spezialisierte Berliner Architektin Melanie Nölken erkennt eine "Tendenz zum Luxus", ganz generell "weg von der Massenabfertigung" in anonymen Multiplexen. So habe auch die jüngste "Programmkino-Studie" der FFA erneut gezeigt, dass ausgerechnet in kleineren, familiär geführten Kinos wesentlich stabilere Kennzahlen erwirtschaftet würden als bei den größeren Mitbewerbern.
Werte- statt Werbebotschaften
Für Marianne Menze, die die Essener Lichtburg betreibt, könnte der "richtige Kinoluxus" - in der Theorie - entsprechend hochpreisig bei Eintrittspreisen zwischen 60 und 80 Euro anfangen, wobei auch Kaviar und Champagner gereicht würden. "Sicherlich gibt es diese Klientel, auch in Essen. Nur ob diese Konsumenten dabei unbedingt in ein Kino gehen würden, ist die Frage", meint Menze. In den Hoch-Zeiten der späten 20er- und 30er-Jahre sei dies noch anders gewesen, die Lichtburg habe damals sogar einen Kindergarten- und einen Limousinen-Service angeboten. Heute komme der VIP-Status eher basisdemokratisch daher. Im ohnehin stilvoll renovierten Traditionskino empfange man zum Beispiel Firmengruppen, die sich in reservierten Sitzreihen einen Film wie etwa "Casino Royale Clip" zusammen mit regulärem Publikum ansähen sowie im Vorfeld oder im Anschluss an die Vorführung eine separate Feier im Blauen Salon mit Lounge-Charakter absolvierten. "Bei uns stehen also im übertragenen Sinn der Punk und die Pelzträgerin gemeinsam an der Kasse", so Menze. Eine ähnliche assoziative Einlasspsychologie beschreibt Christoph Preßmar vom Münchner Filmtheater Sendlinger Tor. "Wir haben nur eine Kasse, und dort stehen eben nur Menschen an, die in den gleichen Film wollen." Ein Gefühl von Luxus stellt sich seiner Meinung nach neben einem ausreichenden Sitzplatz mit Beinfreiheit, einem hilfsbereiten Platzanweiser und einem entsprechenden Ambiente vor allem durch den passenden Film ein, der zugleich publikumstauglich sowie einen gehobenen Anspruch aufweisen müsse. Sein Kollege Heinz Lochmann von den schwäbischen Traumpalast-Kinos führt hier ein passendes Fallbeispiel an: "Stellen Sie sich vor, Sie zeigen einem gehobenen Publikum 'Schindlers Liste Clip' oder 'Sophie Scholl Clip'. Und anschließend müssen sich die nachdenklichen Gäste durch ein lärmendes 'Saw'-Publikum im Foyer zwängen. Das passt doch nicht zusammen." Neben dem "ganzen Pipapo wie Kartenreservierung oder Parkoption muss gerade das Entree auch für den Herrn Doktor oder die Frau Professor einladend sein", erklärt Lochmann. Ein Luxuskino müsse daher bereits vor dem eigentlichen Saaleingang "ein gutes Gefühl" vermitteln. Das sieht Mitbewerber Michael Rösch (Kinostar) ähnlich: "Den Gästen gefällt es, wenn auf sie besonders eingegangen wird." "Und wahrscheinlich sind die Konsumenten wirklich bereit, mehr Geld auszugeben, denn zum Kino gehört sicherlich ein gewisser Glanz", überlegt der Darmstädter Kinoexperte Hans-Jürgen Jochum (Kinopolis), der aber generell ein regelrechtes Luxuskino für kaum bezahlbar bzw. organisatorisch schwer durchführbar einschätzt. Für das Kinopolis-Flaggschiff Mathäser Filmpalast in München kann sich Jochum daher nur einen "sauberen Kompromiss" vorstellen: "In jedem Saal könnte ein besonders bestuhlter und abgegrenzter Bereich eingerichtet werden." Da für Jochum Gastronomie und Kino zusammengehören, sollten Besucher dieser Plätze Tickets erhalten, die auch im Gastrobereich gälten. Das setze jedoch umfangreiche Absprachen mit den Verleihern voraus, da die regulären Bezugsbedingungen eine Anhäufung von Zusatzleistungen auf den Tickets bislang untersagten. Gleichwohl ähnelt Jochums Arbeitsmotto dem vieler seiner Kollegen: "Jedes Kino sollte ein Luxuskino sein, das auch ohne Aufpreis perfekt funktioniert."


Quelle: Blickpunkt:Film

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