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Nach "Dancer in the Dark
" feiert Lars von Trier erneut einen künstlerischen Triumph. "Dogville
" (Concorde, 23. Oktober), der erste Teil seiner geplanten Trilogie mit Nicole Kidman, setzte Maßstäbe im Cannes-Wettbewerb. Die Fabel über das Böse im Menschen eröffnet den Filmkongress in Köln.
Lars von Trier: Stimmt. "Barry Lyndon" zählt zu meinen Lieblingsfilmen. In der Filmschule habe ich gelernt, diese Art der Narration nicht zu benutzen. Dabei finde ich sie sehr effizient, gerade bei einem Twist in der Geschichte. Warum sollte ich mich um falsche Lehrsätze kümmern?
BF: Wie konnten Sie Nicole Kidman überzeugen?
LvT: Bei unserem ersten Treffen haben wir uns endlos lange unterhalten. Frauen reden gern. Nicole vergoss auch einige Tränen und ich kriegte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich Schauspielerinnen zum Weinen bringe, schon seit meinem ersten Film.
"Mich herauszufordern, ist mein Lebenselixier"
BF: Sie hat für "Manderlay" und "Washington" zugesagt. Was passiert, wenn bei so einem Weltstar etwas dazwischenkommt?
LvT: Ich bin mir des Risikos bewusst, aber ich gehe nie auf Nummer Sicher. Nicole ist meine ideale Grace. Ich habe die Rolle für sie geschrieben und trotz ihrer anderen Engagements auf sie gewartet. Es hat sich gelohnt. Wir machen alle drei Filme, allerdings ist die Finanzierung noch wackelig. Vielleicht sind wir gezwungen, billiger zu arbeiten, diese Trilogie ist nicht gerade der große kommerzielle Wurf. Aber wir stehen zu diesem Projekt. Das Skript zu "Manderlay" ist fertig, im Winter starten wir mit dem Dreh. Schon zu Beginn von "Dogville" schwebte mir eine längere Geschichte vor, auch wenn man sie nicht gerade als fröhlich bezeichnen kann. Vielleicht gibt's ein Happy End.
BF: Was sagen Sie zum Vorwurf des Antiamerikanismus in "Variety"?
LvT: Viel Feind, viel Ehr'. "Dogville" ist nicht antiamerikanisch. Als junger Mann habe ich Steine auf die US-Botschaft geworfen, die Zeiten sind vorbei. Bisher gingen in all meinen Filmen die Menschen schrecklich miteinander um. "Manderlay" wird alle gegen mich aufbringen, Black Panthers wie Ku-Klux-Klan, wahrscheinlich wollen die mich dann killen.
BF: Provozieren Sie gern?
LvT: Darum geht es nicht. Ich mache nicht dieses "Fuck-You-Thing", sondern mich interessierte der Inhalt, der Diskurs über Vergebung und die Notwendigkeit von Rache. Das Thema betrachte ich als Herausforderung. Mich herauszufordern, ist mein Lebenselixier, sonst könnte ich mich begraben lassen. Wir geben uns zwar zivilisiert, aber der Wunsch nach Rache steckt in uns allen. Nicht umsonst fasziniert heute noch der Song der "Piraten-Jenny" aus der Dreigroschenoper, eine der wichtigsten Inspirationen zu "Dogville".
BF: Gab es Proben?
LvT: Wir haben gemeinsam die Charaktere besprochen. Proben und Dreh gingen ineinander über. Die Kamera lief immer. Jeder wusste, dass jede Bewegung aufgenommen werden konnte. Wenn wir meinen Vorstellungen nahe kamen, haben wir nicht selten alles umgeworfen. Beim Schnitt konnte ich nicht über mangelndes Material klagen.
BF: "Dogville" dauert knapp drei Stunden, es soll auch eine kürzere Version geben.
LvT: Sie streuen Salz in die Wunde! Ich zeichne jedenfalls nicht für die Kurzversion verantwortlich, mache nur einen Film, nicht zwei. Aus Finanzierungsgründen sollte "Dogville" zwei Stunden lang sein, das habe ich unterschrieben. Die Kürzung ist ein Kompromiss. Manchmal denkt man nicht über Konsequenzen nach und merkt erst später, auf was man sich eingelassen hat. Ich war einfach dumm, zumal mein Skript bei Vertragsunterzeichnung schon fertig war.
BF: 2006 inszenieren Sie in Bayreuth den "Ring der Nibelungen". Was erwartet uns?
LvT: Fragen Sie mich in zwei Jahren. Ich habe eine seltsame Beziehung zu Richard Wagner, liebe seine Musik und seinen Monumentalismus. Der "Ring" ist so etwas wie der "Der Pate
" der Opernwelt. Auch ohne Kenntnis von Theater- oder Operninszenierung musste ich bei diesem aufregenden Angebot zugreifen.
Quelle: Blickpunkt:Film
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