München (zim), 11.08.2004, 17:08  Blickpunkt:Film

Kontroverse um "Super Size Me"-Promotion

Eine Karikatur aus Deutschland hat für einen kleinen Skandal in den USA gesorgt. Auslöser war eine Promotionaktion für den Prokino-Filmtitel im Schnellrestaurant Subway.

Stein des Anstoßes: Eine nicht ganz den Idealmaßen entsprechende Freiheitsstatue
Stein des Anstoßes: Eine nicht ganz den Idealmaßen entsprechende Freiheitsstatue  
Der Münchner Prokino Filmverleih hatte im Zuge der Promotion von "Super Size Me Clip" zum Start des Films in Deutschland die Karikatur einer übergewichtigen Freiheitsstatue entwerfen lassen, die statt der gewohnten Fackel eine Tüte Pommes frites in die Höhe streckt. Diese und andere Burger-Karikaturen finden sich im deutschen Presseheft für den Film. Im Zuge einer Promotion-Kooperation mit dem deutschen Ableger der amerikanischen Schnell-Restaurant-Kette Subway, die sich als gesunde Alternative zu herkömmlichen Burgerketten versteht (Slogan: "Eat fresh"), hat Prokino Tablett-Sets anfertigen lassen, die "Super Size Me" bewerben. Die Idee dazu war laut Prokino von einem deutschen Franchise-Nehmer der Sandwich-Kette gekommen. Neben dem Motiv des Kinoplakats war auf den Sets auch die dicke Miss Liberty abgebildet. Mit der impliziten Bestätigung, dass Kunden von Subway nicht egal ist, was sie essen, sollten diese so zum Kinobesuch des Anti-Fast-Food-Films "Super Size Me" angeregt werden. Doch kaum waren die Tablett-Auflagen, die mit der Konzernleitung in den USA abgesprochen worden waren, in den rund 100 deutschen Subway-Filialen eingesetzt worden, fühlten sich einige US-Politiker und Aktivisten offenbar auf den Schlips getreten. Die symbolträchtige Freiheitsstatue werde verunglimpft, hieß es. Angestachelt von zwei konservativen Organisationen, Center For Indivdual Freedom und Frontiers of Freedom, ließen sich sogar hochrangige Politiker wie Tom DeLay, Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, zu kritischen Äußerungen hinreißen. Jeff Mazzella vom Center for Individual Freedom kritisierte, dass Subway "in Zeiten des Krieges Amerikaner und die Freiheitsstatue, unser bekanntestes Symbol für die Freiheit, angreift", nur um den Umsatz anzukurbeln. US-Medien berichteten über die Vorwürfe, kurzzeitig sorgte eine Karikatur aus Deutschland so für regelrechte Debatten.

Der deutsche Verleih nahm die Diskussion und die Presseanfragen aus den USA mit Erstaunen zur Kenntnis. "Wir waren sprachlos. Bei der Presse- und Marketingarbeit verfolgen wir einen ironischen Ansatz, genauso wie der Film selbst", erzählt Sylvia Selbert, Pressesprecherin von Prokino. "Wir sehen nicht, dass wir mit der Karikatur jemanden verletzen. Das war auch nie unsere Absicht." Die europäische Subway-Leitung entschied dennoch, dass es ratsamer sei, die Sets aus den deutschen Filialen zu verdammen. Angeblich hat es sogar Proteste vor US-Subwayfilialen gegeben, so Prokino. Dass eine harmlose Karikatur zum amerikafeindlichen Symbol aufgebauscht wird, markiert eine neue Dimension der Paranoia gewisser konservativer US-Politiker, vor dem tatsächlichen oder vermeintlichen europäischen Anti-Amerikanismus. Michael Moore hätte seine Freude daran.

Quelle: Blickpunkt:Film

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