Berlin, 07.02.2002, 14:51  Blickpunkt:Film

Kompilations-Film deutscher Filmemacher

Im Auftrag des Filmfests Oldenburg drehten zwölf deutsche Regisseure einen kurzen Film für ein Budget von jeweils 99 Euro. Aus den einzelnen Beiträgen entstand ein Kompilations-Film. Auf der diesjährigen Berlinale eröffnet "99euro-films" die neu geschaffene Reihe Perspektive Deutsches Kino.

"Ein Mann boxt sich durch": M. Kliers Beitrag zu "99euro-films"
"Ein Mann boxt sich durch": M. Kliers Beitrag zu "99euro-films"  
Nach dem Vorbild des Slamdance Festivals, das im Januar 2001 die Aktion "$99-films" in Leben rief, hat sich die Filmfestleitung Oldenburg zu einer deutschen Variante der Aktion entschlossen. Unter Leitung des Schauspielers und Filmemachers Rolf Peter Kahl versammelten sich für das Projekt "99euro-films" junge, erfolgreiche Regisseure aus Deutschland zu einem Kompilations-Film. Als Produzent fungierte Torsten Neumann, Direktor des Filmfests Oldenburg. Vorgabe eines jeden Einzelnen war es, mit einem Budget von 99 Euro einen fünfminütigen Kurzfilm auf Mini-DV zu drehen. Die Themen für ihre Beiträge blieben offen: Die Filmemacher konnten uneingeschränkt ihre künstlerische und unternehmerische Freiheit in die Produktion einbringen. Mitgewirkt haben an dem Projekt die Regisseure Esther Gronenborn, Mark Schlichter, Martin Walz, Frieder Schlaich, Rolf Peter Kahl, Matthias Glasner, Nicolette Krebitz, Miriam Dehne, Michael Klier, Daniel Petersen, Sebastian Beer sowie Schauspieler Peter Lohmeyer mit seinem Regiedebüt. Durch ihre Beiträge entstand ein ebenso abwechslungs- wie aufschlussreiches Kurzfilmprogramm mit spontanen Ideen und niedrigen filmischen Realisationskosten. Ziel der Aktion "99euro-films" ist es, das Ansehen des deutschen Films auszubauen und zu verbessern. Gleichzeitig soll den Filmemachern die Möglichkeit gegeben werden, mit ihren Kurzfilmen eine "Visitenkarte" abzugeben und weisungsungebunden eigene Ideen umzusetzen. Premiere hatte der "99euro"-Film im September 2001 beim Filmfest Oldenburg. Eine TV- und Kino- bzw. Video/DVD-Auswertung soll folgen, dazu ist eine Auswertung auf verschiedenen Filmfesten geplant. Auf der Berlinale eröffnet "99euro-films" die neu geschaffene Reihe Perspektive Deutsches Kino.
Torsten Neumann
Torsten Neumann  

Nachgefragt bei Torsten Neumann

Das Filmfest Oldenburg wurde Filmproduzent. Torsten Neumann, Direktor des Filmfests Oldenburg und Produzent des "99euro-films", über die Entstehungsgeschichte und den Stellenwert des Kompilations-Films.

Blickpunkt:Film: Wie wurden die Regisseure für das Projekt "99euro-Films" ausgewählt?

Torsten Neumann: Wir wollten unserem Vorhaben gerade durch die Einbindung bekannter Regisseure Nachhaltigkeit verleihen. Gleichzeitig war es uns wichtig - schließlich fungiert das Filmfest Oldenburg als Ausrichter und Produzent des "99euro-films" -, dass die teilhabenden Regisseure mit eigenen Filmen auch schon auf dem Oldenburger Filmfest vertreten waren. So entstand eine Liste mit Top-Kandidaten, zwölf davon wurden schließlich von uns ausgewählt.

BF: War es schwierig, die Regisseure zu einer Teilnahme an dem Projekt zu überreden?

TN: Nein, das Projekt entwickelte rasch eine Eigendynamik. Da jedem Regisseur bei der Auswahl der Themen freie Hand gelassen wurde, brauchte es kaum Überredungskünste, um die Regisseure von "99euro-films" zu überzeugen.

BF: Kann "99euro-films" als "Cannes-Rolle" des deutschen Films verstanden werden?

TN: Durchaus. Das filmische Endergebnis und die vertretenen Regisseure können zweifelsohne als 'Best Of" des deutschen Films bezeichnet werden.

BF: Welche persönlichen Hoffnungen verbinden Sie mit dem Projekt?

TN: Es soll ein Ausrufezeichen hinter den deutschen Film gesetzt werden, der besser ist als sein Ruf. Außerdem sehen wir "99euro-films" auch als Erfolg versprechendes Marketingprojekt. Wo sonst konnte man bisher einen derartigen Querschnitt deutscher Regisseure in solch einer Form unter einem Dach vereinen.

Quelle: Blickpunkt:Film

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