Gaschurn (bas), 17.03.2004, 15:28  Blickpunkt:Film

Joseph Vilsmaier dreht "Bergkristall" in Österreich

Joseph Vilsmaier hat sich seit Anfang März in die ihm wohlvertraute Region Vorarlberg zurückgezogen, um dort - mit Unterbrechung - bis Ende Juni den Familienfilm "Bergkristall Clip" (Concorde) nach der Novelle von Adalbert Stifter zu drehen. Mit dem ländlich-historischen Stoff kehrt er zu seinen Wurzeln zurück, an Erfolge wie "Herbstmilch" oder "Schlafes Bruder Clip".

Dana Vávrová, Daniel Morgenroth, Josephina Vilsmaier, François Göske
Dana Vávrová, Daniel Morgenroth, Josephina Vilsmaier, François Göske  
Mitten in den österreichischen Alpen - eine unberührte, Respekt einflößende Natur, die mehr ist als nur Kulisse. Schließlich spielt sie eine ausschlaggebende Rolle in Adalbert Stifters Vorlage wie auch im Drehbuch, in dem ein in eine lebensgefährliche Situation geratendes Geschwisterpaar durch die Macht der Natur Friede zwischen den verfeindeten Dorfbewohnern stiften. Den Drehort haben Joseph Vilsmaier und Autor Klaus Richter nicht lange suchen müssen. Ein Tal weiter hat der Regisseur 1994 "Schlafes Bruder" gedreht.

"Es ist eine sehr heutige Geschichte", erzählt Vilsmaier, der neben seiner Frau Dana Vávrová diesmal seine jüngste Tochter Josephina in einer der Hauptrollen besetzt hat und damit erneut unter Beweis stellt, dass er am liebsten im Kreis seiner Familie arbeitet. Allgemein sagt er über die gecasteten Schauspieler, dass man eben "die Treue hält und die engagiert, mit denen man sich gut versteht". Neben Stars wie Herbert Knaup, Katja Riemann und Max Tidof steht der vor allem aus Theaterproduktionen bekannte Daniel Morgenroth als Hauptdarsteller vor der von Vilsmaier wie immer selbst geführten Kamera sowie der 15-jährige François Göske, der im "Fliegenden Klassenzimmer Clip" auf sich aufmerksam machte. Alle sind hellauf begeistert von der "gefühlvollen Familiengeschichte, in der das Menschliche im Vordergrund steht", wie Vávrová und Richter den Film beschreiben, und sind sich einig, dass man einfach zusagen muss, "wenn der Sepp und der Berg rufen".

Auf den Stoff aufmerksam wurde Joseph Vilsmaier über seinen Stammautor. "Die Geschichte hat förmlich nach Vilsmaier gerufen", so Richter, der bereits zum vierten Mal mit dem Regisseur zusammenarbeitet. "Wenn Joseph an eine Sache glaubt, dann lässt er nicht mehr locker. Das schätze ich so an ihm", erzählt Richter. Vilsmaiers "Super, das machen wir" kam prompt. Ende Januar 2003 lag das fertige Drehbuch vor, in das Klaus Richter - neben einer notwendigen Dramatisierung - als einzige große Abweichung von der Stifter-Vorlage die Rahmenhandlung mit der "modernen Familie" eingebaut hat, damit der Stoff einen Gegenwartsbezug hat. Dieser im Skiurlaub befindlichen modernen Familie (Herbert Knaup, Katja und Paula Riemann) erzählt der Dorfpfarrer (Max Tidof) die historische Geschichte um das Schicksal der Geschwister Sanna und Konrad (Josephina Vilsmaier und François Göske). "Wir haben die Vorgeschichte als Notwendigkeit empfunden, um den hektischen Zuschauer darauf einzustimmen", wirft Vilsmaier ein, der auf die Frage, weshalb es ihn immer wieder zu ländlich-historischen Stoffen ziehe, antwortet: "Ich bin jemand, der sofort und nach Gefühl entscheidet. Das, was mir liegt, das mache ich. Außerdem war ich in der Schule immer der Beste in Geschichte. Vielleicht ist das der Grund."

Zügig ging auch die Finanzierung des mit drei Mio. Euro budgetierten Projekts vonstatten. Produzent Markus Zimmer (Clasart Filmproduktion) ist sehr glücklich, endlich mit Vilsmaier arbeiten zu können. Dank der rasch bewilligten Förderungen des FFF über 400.000 Euro und von Cine Tirol über 50.000 Euro sowie Referenzmittel von Vilsmaiers die Produktionsdurchführung regelnde Perathon hatte Zimmer den Finanzierungsplan reibungslos unter Dach und Fach gebracht. Die Fernsehrechte hält ARD/Degeto, in Österreich ATVplus.

"Ein Inhalt von zeitloser Aktualität"

"Die Zusammenarbeit ist traumhaft", so Zimmer, der die Besonderheit des Stoffs in dessen "großer emotionaler Wirkung" sieht und viele Elemente darin entdeckt, die im deutschen Kino nach wie vor populär sind: "Themen wie Natur, Berge, Familie werden in den Mittelpunkt gerückt, was den Film zeitlos-aktuell werden lässt." Es verspreche ein großartiger Familienfilm zu werden, den Concorde Ende November 2004 in die deutschen Kinos bringen wird. Damit folgt Markus Zimmer der angekündigten Strategie, vermehrt auf Eigen- und Koproduktionen zu setzen, zu denen auch die kommende Margarethe von Trotta-Produktion "Ich bin die Andere Clip" nach Peter Märthesheimer mit Katja Riemann in der Hauptrolle zählt. Das "hervorragend aufeinander eingespielte Team", wie Zimmer weiter ausführt, "dreht außer in Gaschurn noch in Tirol und Kärnten - ausschließlich an Originalschauplätzen."

Im Juni sollen die Dreharbeiten abgeschlossen sein. Dann wandert das Filmmaterial in die Postproduktion bei Arri, wo in erster Linie die digitale Bearbeitung in Angriff genommen wird. "Allerdings werden die digitalen Effekte den Film auf keinen Fall dominieren", schließt Zimmer, der sich weitere Projekte mit Joseph Vilsmaier wünscht.

Quelle: Blickpunkt:Film

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