München, 04.04.2002, 17:17  Blickpunkt:Film

Jan Sverák und Eric Abraham zu "Dark Blue World"

Fünf Jahre hat es gedauert, bis der tschechische Regisseur Jan Sverák nach "Kolya" seinen neuen Film "Dark Blue World Clip" (Helkon, 2. Mai) präsentiert. Die Geschichte der Freundschaft zweier junger tschechischer Piloten während des Zweiten Weltkriegs haben in Tschechien bereits 1,2 Mio. Besucher gesehen. Produziert wurde der Film von dem Engländer Eric Abraham.

Jan Sverák und Eric Abraham
Jan Sverák und Eric Abraham  
Blickpunkt:Film: Warum haben wir so lange auf Ihr Opus Nummer zwei warten müssen?

Jan Sverák: Die meiste Zeit kostete die Finanzierung. Der entscheidende Beitrag kam dann von Werner Koenig und Helkon. Das Budget von sieben Mio. Dollar ist nichts, wenn man die Special Effects, die historischen Flugzeuge, die Meeraufnahmen bedenkt. Hätten wir den Film in England gedreht, hätte er fünfmal so viel gekostet.

Eric Abraham: Werner Koenigs Beteiligung beläuft sich auf etwa 35 Prozent. Er liebte "Kolya" und hat uns vertraut. Deshalb als Dank an ihn das "in memoriam" am Ende des Films. Im Mai startet "Dark Blue World" mit 50 Kopien in England bei Columbia TriStar, für einen nicht englischen Film ist das sehr gut.

Als Dank "in memoriam Werner Koenig"

BF: Die Flugzeug-Action sieht beeindruckend realistisch aus.

JS: Es gibt fast keine computergenerierten Bilder, mit Ausnahme der weit entfernt zu sehenden Flugzeuge. 200 Einstellungen haben wir im Computer hergestellt, manchmal waren es 40 Schichten, z.B. die Luftfeuchtigkeit, die sich verändert, das Wackeln der Kamera. Wir haben reale Flugzeuge und große Modelle verwendet, alles aus solidem Holz, sodass die Kamera sie als wirkliche Gegenstände registriert. Wenn sie sehr nah vor der Kamera sind, sehen computergenerierten Flugzeuge nicht mehr real aus. In den amerikanischen Filmen fällt das auf: Einige Monster oder Flugzeuge sehen perfekt aus, aber irgendwie geisterhaft.

BF: Apropos Amerika - wie reagiert man dort auf Ihren Film?

JS: Sony Classics bringt ihn mit sechs Kopien heraus. Für die Amerikaner ist der Film zu kompliziert, zu vielschichtig - da gibt es Nazismus, Kommunismus, zu viele Ismen. Sie waren außerdem nie gut in Historie und Topografie. Auch das Timing ist ungünstig: ein Film über ein paar verdammte tschechische Helden in einer Zeit, in der Amerika nur die eigenen Helden sehen will.

BF: Ihr Vater Zdenek Sverák hat wieder das Drehbuch geschrieben. Ist es mehr sein Thema als das Ihre?

JS: Für ihn ist das Gefühl der Ungerechtigkeit, die jenen Männern damals widerfahren ist, wichtig - das war die Motivation fürs Schreiben. Für mich war es mehr meine Kindheitserinnerung an das Spielen mit solchen Flugzeugen. Aktuell an dem Film ist für mich die Frage, was es bedeutet, Tscheche zu sein. Ich schäme mich, einer Nation anzugehören, die sich nie verteidigt, sich immer ergibt. Und die - unter dem Sozialismus - diese Helden des Zweiten Weltkriegs ins Gefängnis steckt. Vielleicht werden wir eines Tages akzeptieren, dass es nicht die anderen, die Sozialisten, waren, sondern wir. Denn wir haben sie unterstützt, ihnen gehorcht. In diesem Sinne trägt jeder von uns eine kleine Schuld. Solange wir das nicht akzeptieren, werden wir als Nation nicht erwachsen

BF: Die sozialistischen fünfziger Jahre spielen also in Ihrem Film eine Schlüsselrolle?

JS: Amerikanische Produzenten rieten uns, sie zu streichen und einfach einen Kriegsfilm zu machen. Wir haben diesen Gedanken eine Zeit lang durchgespielt, dann aber verworfen.

EA: Es war wirklich sehr desillusionierend nach dem Oscar, dass Hollywood nicht auf das Spezielle der Geschichte eingehen wollte. Sie wollten die Zeitebene 1950 nicht, außerdem in Englisch drehen und möglichst mit Brad Pitt - das ist einfach eine andere Art von Business. Die Idee der Story von "Dark Blue World" aber ist eine Gruppe von Außenseitern, die in einer fremden Kultur leben.

BF: Gibt es schon ein nächstes Projekt?

JS: Nein. Ich hasse die Storys, die ich seit "Kolya" angeboten bekomme. Dabei bin ich immer noch auf der Suche nach einer Geschichte, die ich in englischer Sprache drehen kann. Aber vielleicht gibt es sie nicht. "Dark Blue World", in dem Tschechisch, Englisch und ein bisschen Deutsch gesprochen wird, wäre rein Englisch blödsinnig gewesen. Total unglaubwürdig, wenn die Tschechen untereinander Englisch sprechen und im Dialog sagen müssen, dass sie diese Sprache nicht verstehen. Ich brauche eine Geschichte, die ich sehr persönlich erzählen kann, die mich bewegt, mir die Kehle zuschnürt.

EA: Jans Vater Zdenek Sverák schreibt bereits wieder. Ich werde mit den Sveráks weiter arbeiten. Vielleicht finden wir alle gemeinsam bald einen Stoff, der unsere Ansprüche erfüllt.

Quelle: Blickpunkt:Film

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