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The Expendables
Andreas Dresens "Halbe Treppe" (Delphi) galt als Geheimtipp und erhielt verdientermaßen den Großen Preis der Jury. Die lebensnahe Tragikomödie rührte durch einen liebevollen Blick auf Verlierer im Beziehungsclinch.
Andreas Dresen:
Das ist die Weltmeisterschaft. Hierher zu gehen, erfordert Mut. Allerdings habe ich mich nicht in die Pressevorführung getraut und hatte vor der Pressekonferenz dieses "Dead Man Walking"-Gefühl. Ich war mir nicht sicher, ob wir dem Standard gerecht werden konnten.BF:
Zeigen Sie mit "Halbe Treppe" auch ein Gesellschaftsbild?AD:
Natürlich hat der Film etwas mit der Gesellschaft zu tun, in der ich lebe, mit der Gesellschaft im Osten. Ich erzähle eine winzige Geschichte, die jeder aus seinem Alltag kennt.BF:
Ihr Film wirkt sehr dokumentarisch.AD:
Das hat mit der Improvisation zu tun, es gab keine Szenenvorgaben, sondern immer nur eine Szenenüberschrift. Wir haben gemeinsam überlegt, aus welchen Szenen und Situationen sich solch eine Geschichte zusammensetzt. Und dann sind wir an den Drehort gegangen und haben uns sozusagen mit verbundenen Augen rückwärts ins Wasser fallen lassen. Der erste Impuls ging immer von den Schauspielern und vom Kameramann aus. Ich habe dann versucht, in der weiteren Arbeit die Situationen zu konkretisieren und in eine Form zu bringen. Durch diese grundsätzliche Offenheit sind überraschende und quertreibende Momente entstanden.BF:
Ist "Halbe Treppe" ein Beziehungsfilm, und inwieweit haben Sie eigenes Erleben hineingebracht?AD:
Es geht nicht nur darum, dass zwei Menschen fremd gegangen sind. Ihre Visionen und Träume, ihre Welt sind doch sehr klein geworden. Wir ha-ben dieses Thema natürlich gewählt, weil wir diese Schwierigkeiten alle gut kennen. Wir sind im gleichen Alter, gehen auf die 40 zu, "Halbe Treppe" eben. Unsere Alltagserfahrungen und Beziehungsfrust sind eingeflossen, aber nicht eins zu eins umgesetzt.BF:
Sie drehen mit der digitalen Videokamera.AD:
Kinobilder sind für mich Bilder, die mich ergreifen, die etwas über andere erzählen, die mir einen inneren Raum eröffnen. Das muss sich nicht über äußere Opulenz erschließen. Mich interessieren Bilder, die mir vielleicht nur einen Ausriss von Wirklichkeit zeigen, aber dabei die Figuren konkret machen. In einer Imbissbude in Frankfurt/Oder mit Cinemascope zu drehen und mit einer Riesencrew einzufallen, da wäre das ganze Leben rausgeflogen. Da ist es sinnvoller, mit der kleinen Kamera dokumentarisch an die Leute heranzugehen.BF:
Ermöglicht die digitale Videotechnik sonst finanziell unmögliche Produktionen?AD:
Die Kopierwerkskosten könnten wir gar nicht zahlen bei der Improvisation. Mit der digitalen Kamera hat man eine viel größere Freiheit, wir waren oft nur zu dritt beim Drehen: Kameramann Michael Hammon, der Tonmeister und ich. Am Ende stand ich vor 70 Stunden Material. Zu den 600.000 Euro, die wir hatten, kamen noch 250.000 Euro vom Filmboard Berlin-Brandenburg, das erlaubte uns eine etwas aufwändigere Postproduktion.BF:
Geht die Zusammenarbeit mit Produzent Peter Rommel weiter?AD:
Auf jeden Fall. Er ist jemand, der vom Herzen aus produziert, nicht von der Brieftasche. Er war Teil des Teams, und wir haben auch keine unterschiedlichen Anschauungen, was den Umgang mit Geldern betrifft.BF:
Setzen Sie in Zukunft auch auf Videotechnik und -ästhetik?AD:
Ich werde mich nicht darauf festlegen. Man kann nicht jeden Stoff improvisieren oder mit Handkamera drehen. Das hängt von den Bildern ab. Ich beschäftige mich derzeit mit Stoffen, die wahrscheinlich 35mm erfordern. Vielleicht mache ich in diesem Jahr noch einen einstündigen Dokumentarfilm - den ersten seit acht Jahren.Quelle: Blickpunkt:Film
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