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Simone Bär Castingstudio

Castingagentur

Berlin, 16.03.2004, 16:01  Blickpunkt:Film

Interview mit der Casting-Expertin Simone Bär

Simone Bär vom gleichnamigen Berliner Castingstudio beklagt bei der Zusammenarbeit mit Agenturen noch immer "große Unterschiede" in der qualitativen Ausrichtung. Gleichwohl braucht ein Schauspieler den Agenten als Berater, um letztlich perfekte Verträge zu erhalten.

Casting-Expertin Simone Bär
Casting-Expertin Simone Bär  
Blickpunkt:Film: Woran erkennt man eine gute Agentur?

Simone Bär: Für Casting-Direktoren und alle anderen, die sich mit der Besetzung beschäftigen, ist der Kontakt zu den Schauspielern einfacher geworden. Agenturen ersparen als Erstes die vorher da gewesene Suche nach dem Schauspieler, können sofort Auskunft über seine Verfügbarkeit, Gage etc. geben. Leider gibt es immer noch große Unterschiede unter den Agenturen, was u.a. die Präsentation angeht. Wir können natürlich mit perfektem Material einen Schauspieler leichter zu einer Besetzung bringen, als wenn wir mühevoll alles selbst zusammentragen müssen. Wir erwarten schnelle und präzise Auskünfte auf Zeitanfragen und eine inhaltliche Zusammenarbeit.

BF: Was ist Ihnen wichtig in der konkreten Zusammenarbeit?

SB: Sehr wichtig ist der Auftritt der Agentur, die bedienbare Internetseite, gute Fotos und vollständige Vitae der Schauspieler. Aktuelle Demobänder in guter Qualität sind genauso Grundlage einer guten Zusammenarbeit wie die Erreichbarkeit der Agentur. Unterschiedliche Bürozeiten, Mittagspausen oder ein ständig laufender Anrufbeantworter erschweren die Arbeit. Gegenseitiges Vertrauen in Fragen wie: exakte Auskünfte bei Zeitanfragen oder keine Doppelbuchungen sowie natürlich kompetente Auskunft darüber, ob der Schauspieler inhaltlich an dem Angebot interessiert sein könnte, ist dabei Grundvoraussetzung.

BF: Was könnte demnach besser laufen?

SB: Sicher ist es sinnvoll, noch mehr ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig über die Anforderungen des Berufs zu verständigen, um Vertrauen und Verständnis auszubauen. Solche Ansätze werden aktuell durch den Verband der Casting-Direktoren angegangen. Die leidige Diskussion um die Besetzung der kleinen Rollen sollte aufhören, betonen wir doch alle, ein Film sei gut, wenn er bis in die letzte Rolle gut besetzt ist. Auch die Diskussion über die Formate ist letztlich mühsam, denn das Format sagt lange nichts über die Qualität aus. Grundsätzlich sollte die Bereitschaft der Schauspieler steigen, in eine Besetzung zu investieren. Zum Beispiel können bei den kleiner werdenden Budgets der Projekte kaum noch Reisekosten zu einem Casting gezahlt werden.

Mischung aus Prominenz und Neuentdeckung

BF: Brauchen Schauspieler heutzutage eine Agentur?

SB: Der Schauspieler braucht den Agenten als Berater, um inhaltlich den richtigen Weg zu gehen, die richtigen Kontakte zu bekommen, einen funktionierenden Terminplan zu haben sowie perfekte Verträge zu erhalten. Der Agent hat sicher den besseren Überblick über anstehende Projekte und kann Ideen lancieren, was vom Schauspieler allein so nicht möglich wäre.

BF: Nach welchen Kriterien besetzen Sie?

SB: Ich versuche, wertfrei den besten Schauspieler mit dem passendsten Profil auf eine Rolle zu besetzen. Eine ausgewogene Mischung aus Prominenz und Neuentdeckung oder ungewöhnlichen Besetzungen machen eine gute Besetzung aus. Der Wunsch der Sender nach einer prominenten Besetzung ist groß, aber die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass ein guter Film nicht von der prominenten Besetzung abhängt und schlechte Filme nicht durch eine prominente Besetzung Quote bringen.

BF: Wie sehen Sie den Unterschied zur Staatlichen Arbeitsvermittlung (ZBF)?

SB: Schon die Nichterreichbarkeit der ZBF ist auf Grund der Schnelligkeit unserer Arbeit nicht zu tolerieren. Zeitanfragen können nie sofort beantwortet werden, der Schauspieler muss erst gefunden werden, und bei der zu betreuenden Anzahl der Schauspieler ist eine gute Agenturarbeit nicht möglich. Den Schauspielern werden weder Kontakte vermittelt, noch werden sie über Projekte informiert. Das Material stellen sie selbst zusammen und versenden es. Die ZBF darf ja nur vermitteln, aber die Beratung fehlt einfach. Und die wird immer wichtiger.

BF: Wie finden Sie es, dass sich sehr prominente Schauspieler von der ZBF vertreten lassen?

SB: In unserem Staat, der zu einem Selbstbedienungsladen verkommt, stößt einem das kostenfreie Betreuen von Prominenten durch eine staatliche Institution sicher sofort auf. Wir empfinden den Unterschied über die Betreuung von prominenten und nichtprominenten Schauspielern an täglichen Beispielen als untragbar.

BF: Wie sehen Sie die Gagenentwicklung?

SB: Meine persönliche Meinung ist, dass, wenn ein Schauspieler durch seine Arbeit und seinen Namen für einen Erfolg steht, er auch dementsprechend hoch bezahlt werden soll. Das große Mittelfeld ist zum Teil mit viel zu hohen Gagenvorstellungen unterwegs. Das Besetzen der kleinen Rollen mit Schauspielern ist mühsam, denn die Tagesgagen sind hoch und der Schauspieler ist bei solchen Verhandlungen nicht genügend flexibel.

BF: Wird es für den Nachwuchs schwieriger?

SB: Wenn der junge Schauspieler die Grundregeln des Berufs beherrscht, wird es sicher nicht schwieriger. Auf Grund der vielen Projekte im jugendlichen Bereich sind viele neue Darsteller in Aktion getreten. Sicher müssen Agenten hier viel Arbeit leisten, um diese jungen Leute über die lange Strecke zum Erfolg zu bringen.

BF: Welche Rolle spielt das soziale Verhalten bei der Zusammenarbeit im Business?

SB: Freundlichkeit ist doch immer ein Türöffner. Bei dem täglichen Wahnsinn in unserer Branche ist doch der Sittenverfall eines der größten Übel.


Quelle: Blickpunkt:Film

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