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Hamburg, 18.07.2003, 08:41  Blickpunkt:Film

Horst Königstein inszeniert das Doku-Drama "Der Treuhänder"

Zwischen seinen "großen" Projekten mit Heinrich Breloer, wie "Die Manns" oder demnächst "Speer in Spandau ", arbeitet Horst Königstein an "kleinen" Doku-Dramen wie zuletzt "Jud Süß - Ein Film als Verbrechen?". Anfang Juli fiel die letzte Klappe zu seinem neuen Doku-Drama "Der Treuhänder (AT)", das er für NDR und WDR inszenierte.

Rudolf Kowalski in der Rolle des Klaus Schucht
Rudolf Kowalski in der Rolle des Klaus Schucht  
"Ich unterscheide nur im finanziellen Bereich zwischen den 'großen' und den 'kleinen' Projekten. Was aber die Emotionalität angeht und die Bereitschaft, bei diesen Geschichten immer wieder nachzufassen und zu recherchieren, gibt es keinen Unterschied zu 'Die Manns' oder 'Speer'", sagt Horst Königstein, der schon seit beinahe 25 Jahren in dieser dokumentarisch-experimentellen Form arbeitet. Natürlich sei "Die Manns" mit 36 großen Preisen und dem Emmy "als Krönung" eine Ausnahme gewesen. Dennoch könne auch ein Film wie "Jud Süß - Ein Film als Verbrechen", der seit der Produktion im Jahr 2000 bereits viermal ausgestrahlt wurde, jeder Generation wieder gezeigt werden. "Ich versuche, mit diesen Filmen das Gedächnis dieser Republik - das ausgesprochen kurzzeitig ist - immer wieder aufzureißen", sagt Königstein, der beim NDR als Redakteur, Autor und Regisseur tätig ist.

Mit seinem neuen Projekt "Der Treuhänder", nach einem Drehbuch des Wirtschaftsjournalisten Claudius Crönert und des Autors Michael Esser, greift Horst Königstein wieder ein Kapitel der deutschen Geschichte auf. Im Mittelpunkt steht der frühere Treuhand-Vorstand Klaus Schucht (1930 - 2001), der in den Jahren 1991 bis 1994 bei der Privatisierungsbehörde zuständig war für die Ressorts Bergbau, Energie und Chemie. "Das wichtigste an Klaus Schucht war für mich, das man an seinem Beispiel fast eine typische Geschichte der Treuhand erzählen kann", erklärt Horst Königstein. Schucht verantwortete so schwierige Privatisierungen wie die von Leuna und Minol an Elf Aquitaine, er handelte den Stromvertrag aus und zeichnete verantwortlich für die Stilllegung des Kalibergwerks im thüringischen Bischofferode. "Der Treuhänder" wirft einen Blick hinter die Kulissen der Verhandlungen, zeigt aber auch das private Drama des Klaus Schucht: "Er wollte den Menschen im Osten helfen. Dass er letztlich zum Vollstrecker der Umformung wurde, hat ihn fertig gemacht", sagt Horst Königstein.

Der Film spielt auf drei Ebenen: Königstein konterkariert in "Der Treuhänder" Interview- und Spielszenen mit Rückblicken aus einem unveröffentlichten Roman, den Klaus Schucht über seine Zeit bei der Napola (er besuchte die Nationalpolitische Erziehungsanstalt der Nazis übrigens gemeinsam mit seinem Freund Alfred Herrhausen) geschrieben hatte. Der Roman wurde Könisgtein von der Familie von Klaus Schucht zur Verfügung gestellt. Besonders von seinem Hauptdarsteller Rudolf Kowalski ist Horst Königstein begeistert: "Er ist eine absolute Offenbarung. Ich habe selten einen Schauspieler mit so subtilen Mitteln gesehen", so Königstein. Für das Low Budget-Projekt - das Budget beträgt zwischen 600.000 und 700.000 Euro - konnte er darüber hinaus ein interessantes Ensemble gewinnen: In weiteren Rollen sind Guntram Brattia ("Andreas Hofer"), Hildegard Schmahl, Florian Martens, Kai Maertens, Horst Krause und Stefanie Stappenbeck zu sehen. Die erste Ausstrahlung ist für den Spätherbst im NDR geplant.


Quelle: Blickpunkt:Film

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