Eklat um den Exorzisten: Regisseur Paul Schrader verweigert der Produktionsfirma Morgan Creek die erforderlichen Nachdrehs zu "Exorcist: The Beginning" (Warner, 11. März 2004). Doch seine Versuche, den Konflikt in den Medien auszubreiten, schlagen auf ihn zurück. Kurzerhand wurde er gefeuert.
Paul Schrader
Vor zwölf Jahren erlebte Morgan Creek den klassischen Albtraum einer Produktionsfirma: Ihr Prestigeprojekt "Robin Hood - König der Diebe" schnitt in den Testvorführungen schlecht ab. Der Regisseur sträubte sich, eine neue Schnittfassung zu erstellen. Doch mit einem versierten Cutter gelang die Kurskorrektur: Der Abenteuerfilm wurde zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres. Jetzt finden sich die Produzenten in einer ähnlichen Ausgangssituation. Trotzdem ist der Fall bei "Exorcist: The Beginning" um einiges komplizierter. Anfang August legte Regisseur Paul Schrader den Verantwortlichen bei Morgan Creek und dem Verleihpartner Warner Bros. die lang ersehnte Schnittfassung vor. Doch die Resonanz war ernüchternd: Offenbar hatte Schrader, der nicht unbedingt als Thriller-Spezialist bekannt ist, eine knochentrockene, langweilige Routinearbeit abgeliefert. Nacharbeiten war Pflicht. Doch die Situation eskalierte. Nicht nur dass Schrader Nachdrehs, zu denen er nach Auffassung von Morgan Creek vertraglich verpflichtet war, verweigerte, er trug den Zwist auch noch an die Öffentlichkeit. Am 8. August kam der englische "Independent" dem Indie-Filmemacher zu Hilfe. "Einer wohl informierten Quelle zufolge" wollten die Manager "rotierende Köpfe und Kotzorgien sehen, für die sie ihrer Auffassung nach bezahlt hatten". Bei dieser Quelle handelte es sich vermutlich um den Betroffenen selbst. Denn Kevin Jackson, Filmkritiker des "Indendent", ist Schrader nach dem gemeinsamen Buchprojekt "Schrader on Schrader" freundschaftlich verbunden und besuchte ihn als einziger Journalist am "Exorcist"-Set in Marokko. So sprechen verschiedene Indizien dafür, dass der Bericht auch als Freundschaftsdienst gedacht war. Angeblich bekam Schrader den Job nur, weil er zufälligerweise in Marokko war, wo John Frankenheimer vor seinem Tod den Dreh vorbereitete. Tatsächlich überzeugte er Morgan Creek in langen Gesprächen, dass er der Richtige für einen psychologischen Horrorfilm sei. Firmenchef James Robinson und seine Produzenten suchten bewusst einen Regisseur mit Kunstkino-Profil, anstatt einen billigen Schocker in den Markt zu drücken. Anders als der Artikel insinuiert, kannte Morgan Creek das Drehbuch genau. Alles andere wäre bei einer Hollywood-Produktion unvorstellbar. Durch geschickt montierte Zitate erweckt der "Independent" den Eindruck, dass die beteiligten Kreativen, von Hauptdarsteller Stellan Skarsgård bis zu Skriptautor Caleb Carr, Schraders Sicht teilen. Doch alle Statements wurden weit vor Ausbruch der "Exorcist"-Krise eingefangen. Und Caleb Carr begann seinerseits einen Feldzug gegen Schrader.
In einem leidenschaftlichen privaten Statement attackierte er dessen Arbeit aufs Schärfste. Durch verschiedene Kanäle gelangte der Angriff auf eine Internet-Plattform. Carr ließ den heißblütigen Kommentar mittlerweile entfernen, gleichzeitig veröffentlichte er eine etwas abgeklärtere Stellungnahme. Darin wirft er Schrader vor, "einfach nur einen Job erledigt zu haben, ohne die Inspiration, die für so eine Geschichte nötig ist". Er habe nie das Potenzial des Stoffes gesehen, so Carr. Deshalb fehle es den psychologischen Konflikten in seiner Schnittfassung an "Spannung und Horror". Trotzdem sieht Carr darin auch "gute Elemente, die in Kombination mit den notwendigen Nachdrehs einen sehr gu-ten Film ergeben werden". Die-
se Hoffnung hegt natürlich auch Morgan Creek. Gegenwärtig sucht man unter Hochdruck einen neuen Regisseur, der einerseits keine Routine abliefert, andererseits keinen zu individuellen Stil mitbringt, der sich mit dem vorhandenen Material nicht kombinieren lässt. Im Gegensatz zu Paul Schraders Darstellung gehe es auch nicht darum, den Film blutrünstiger zu machen, sondern Schlüsselmomente durch neue Einstellungen intensiver zu gestalten. Dazu gehörten zum Beispiel Close-ups, auf die die Schrader-Fassung weitgehend verzichtet. Im Oktober sollen die Innenaufnahmen in den Cinecittà-Studios noch einmal neu gedreht werden. "Die gesamte Besetzung und Kameramann Vittorio Storaro wollen unbedingt weiter an dem Film arbeiten", so Carr. Und Morgan Creek scheut nicht die Millioneninvestitionen, um letztendlich einen funktionierenden Film zu bekommen. Man nimmt sogar einen späteren Start in Kauf - bislang war Februar 2004 geplant. Vor ein paar Monaten am Set in Rom verglich Schrader seinen Film mit dem Westernklassiker "Mein großer Freund Shane": "Hier geht es um einen alten Kämpfer, der ein friedliches Leben führen will und dann doch wieder in die Schlacht zieht." Der alte Haudegen Schrader dagegen scheint müde geworden zu sein. Doch der Kampf um "Exorcist: The Beginning" hat erst begonnen.
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