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ARD Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen

TV-Sender, öff.recht.

Frankfurt/Main (ut), 18.03.2005, 15:05  Blickpunkt:Film

"Grimme-Tatort" aus der Fernsehfilmredaktion des HR

Der "Tatort: Herzversagen" des HR war 2004 mit 9,43 Mio. Zuschauern das erfolgreichste fiktionale Programm der ARD. Der Film über die Probleme alter Menschen traf aber nicht nur den Nerv der Zuschauer, auch die Kritiker stimmten Lobeshymnen an. Der Grimme-Preis für "Herzversagen" bedeutet für °Liane Jessen°, Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunk, den "Ritterschlag".

Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf im HR-Tatort "Herzversagen", für den beide neben Autor und Regisseur Thomas Freundner den Grimme-Preis erhalten. (Bild: HR/Bettina Müller) Großansicht
Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf im HR-Tatort "Herzversagen", für den beide neben Autor und Regisseur Thomas Freundner den Grimme-Preis erhalten. (Bild: HR/Bettina Müller)
Liane Jessen leitet die Hauptabteilung Fernsehfilm und Spielfilm beim Hessischen Rundfunk seit Anfang 1999. Ihr Hauptaugenmerk lag dabei von Anfang an auf dem "Tatort". "Ein Sender positioniert sich im Ersten nunmal am deutlichsten über den,Tatort'", ist sie überzeugt. "Am,Tatort' erkennt der Zuschauer, welchen Blick der Sender auf die Welt wirft." Nach zwei Jahren schickte sie deshalb den in die Jahre gekommenen Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) in Pension und erfand gemeinsam mit ihrer Redaktion und mit Unterstützung des Regisseurs Niki Stein das neue Ermittlerduo Charlotte Sänger und Fritz Dellwo, gespielt von Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki. Kommissar Brinkmann gönnte die Fernsehspielchefin eine Rückkehr in dem Sequel "Fliege". Doch bereits die zweite Folge, in der der Ex-Kommissar, mittlerweile Mitglied einer "Veteranen"-WG, ermittelt, floppte. Obwohl Liane Jessen dem ungünstigen Sendeplatz die Schuld gibt, fackelte sie nicht lange und kippte das angeschlagene Format. "Wenn was nicht funktioniert, nehme ich es sofort aus dem Programm", sagt Jessen. Während die alte HR-"Tatort"-Generation endgültig in Rente ist, laufen die neuen Kommissare zu Höchstform auf und erreichen durchschnittlich 25 Prozent Marktanteil. "Das ist schön", sagt Jessen, "wenn man weniger erreicht, das Produkt aber gut ist und die Kritik sich überschlägt, ist es genauso schön".

Ohne Autoren und Auftragsproduzenten

Mit der Folge "Herzversagen" gelang der HR-Redaktion beides. Der Film erreichte am 17. Oktober 2004 einen Marktanteil von 26,5 Prozent, und die Hauptdarsteller Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf sowie Autor und Regisseur Thomas Freundner wurden jeweils mit einem Grimme-Preis belohnt. "Es scheint also doch ein Rezept zu geben, wie man Qualität und Quote zusammenbringen kann", kommentiert Jessen den Erfolg. Für die HR-Fernsehspielchefin bedeutet das in erster Linie, immer wieder bei sich selbst nachzuforschen, welche Themen interessieren. "Das ist nicht der Giftmüll im Main und auch nicht die Mafia", glaubt sie, "mich interessieren vielmehr die kleinen, tragischen Dramen, die sich täglich hinter den geschlossenen Wohnungs-türen abspielen." Inspirieren lässt sie sich dabei von Zeitschriftenartikeln wie eine preisgekrönte "Spiegel"-Geschichte, die sie auf den Stoff zu "Herzversagen" gebracht hat, oder die Presseberichterstattung über ein Baby, das man auf einer Müllkippe in Hamburg gefunden hat, die sie zu der ersten neuen "Tatort"-Folge "Oskar" anregte.

"Wir sind dazu übergegangen, nicht auf Bücher zu warten, arbeiten weder mit Autoren noch mit Auftragsproduzenten zusammen", berichtet Jessen. Mit dieser Methode spart sie nicht zuletzt teure Formatrechte. Der HR zählt schließlich nicht zu den reichsten ARD-Anstalten. Kleinere Budgets sind für Jessen, die sich selbst als guten "Etat-Jonglierer" bezeichnet, aber kein Thema. Fehlendes Geld, so ihr Credo, müsse durch Fantasie ersetzt werden. Von viel Fantasie zeugen auch die nächsten Projekte. Anfang Oktober läuft im Ersten der Ensemblefilm "Die Konferenz". Ein kammerspielartig angelegter Film über eine Lehrerkonferenz, die über den Schulausschluss eines Schülers zu entscheiden hat. Gedreht werden 2005 u. a. noch der Horrorfilm "Das Schneckenhaus" mit Andrea Sawatzki in der Hauptrolle, in dem sich ein Haus gegen seine Bewohner verschwört, und ein weiterer "Polizeiruf" mit dem neuen Bad-Homburger-Ermittler Thomas Keller (%Jan-Gregor Kremp%). Bereits seit 15. März dreht Grimme-Preisträger Thomas Freudner den Fernsehfilm "Das unreine Mal". Im Herbst, während des Frankfurter Marathons, wird eine neue Folge des HR-"Tatorts" entstehen, in der Kommissar Dellwo (Jörg Schüttauf) während des Rennes einen Täter ausfindig machen muss. "Ein sehr aufwändiger Dreh, bei dem die Logistik während des Marathons uferlos sein wird", prophezeit Jessen. Weniger aufwändig, dafür ebenso innovativ soll ein Projekt sein, das die Spielfilmchefin 2006 realisieren will: ein "Tatort" als Drei-Personen-Stück, in dem Sawatzki und Schüttauf eine Nacht lang einen Verdächtigen verhören.


Quelle: Blickpunkt:Film

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