Los Angelest), 25.08.2005, 13:37  Blickpunkt:Film

George A. Romero zu "Land of the Dead"

George A. Romero gehört seit seinem Debüt "Die Nacht der lebenden Toten" zu den bedeutendsten Horror-Regisseuren der Welt. Mit "Land of the Dead Clip" (UIP, 1. September) kehrt der Sozialkritiker wieder zu seinen Zombie-Epen zurück.

George A. Romero am Set von "Land of the Dead" Großansicht
George A. Romero am Set von "Land of the Dead"  
Blickpunkt:Film: Warum sind 20 Jahre ins Land gegangen, bevor Sie sich wieder an einen Zombie-Film wagten?

George A. Romero: Viele glauben, ich hätte mich von diesem Thema abgewandt und wäre jetzt nur deshalb wieder darauf gekommen, weil mir nichts Besseres mehr einfällt. Tatsache ist jedoch, dass mich die Faszination für Zombies nie losgelassen hat. Die Idee für einen vierten Film schwirrte mir schon seit vielen Jahren durch den Kopf, aber das nötige Geld bekam ich erst jetzt.

BF: Wie teuer war "Land of the Dead"?

GR: Unter 20 Millionen Dollar, wobei ich noch nicht sagen kann, wie die Endsumme aussehen wird. Momentan bereiten wir die DVD zum Film vor, was sicherlich auch noch mal Geld kosten wird. Es bleibt für heutige Verhältnisse dennoch eine niedrige Summe und kein Vergleich mit den fast 100 Millionen Dollar, die Universal für das Remake Clip von "Zombie" ausgegeben hat.

BF: Hat der Erfolg dieses Remakes dazu beigetragen, dass Sie Ihren Film doch finanzieren konnten?

GR: Wir standen schon vorher mit der Fox in Verhandlungen. "Land of the Dead" wäre auf jeden Fall entstanden, auch wenn es nur schleppend voranging und nach anderthalb Jahren immer noch keine Verträge unterschrieben waren. Dann kam "Dawn of the Dead" in die Kinos und wurde ein Riesenerfolg. Universal schaltete sich ein, und plötzlich ging alles wie von selbst.

BF: Es hat den Anschein, als würde Universal für "Land of the Dead" viel weniger ins Marketing stecken als für das Remake von "Dawn of the Dead". Enttäuscht Sie das?

GR: Darauf habe ich keinen Einfluss. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, meinen Film machen zu können. Wir mussten sowieso mit wenig Geld auskommen, aber das bin ich gewohnt. Das Gute dabei ist, dass alle Beteiligten sehr enthusiastisch bei der Sache waren. Wir fühlten uns wie Guerilleros - und das war ein Gefühl wie in alten Zeiten.

BF: Hat Ihnen das Remake von "Dawn of the Dead" überhaupt gefallen?

GR: Jedenfalls besser, als ich es erwartet habe. Er hat aber leider keine Grundlage mehr und wirkte auf mich eher wie ein gut inszeniertes Videospiel. Mir gefiel es allerdings nicht, dass die Zombies rennen konnten. Bei mir werden sie sich immer langsam bewegen.

"Ich nutze Zombies als Metapher"

BF: Wenn Sie von Grundlage sprechen, meinen Sie damit die gesellschaftskritische Komponente Ihrer Zombie-Filme?

GR: Ich habe meine Zombies nie als Monster gesehen, sondern immer als Menschen, die einen Teil unserer Gesellschaft repräsentieren. Ich nutze sie wie eine Metapher, um die jeweilige Epoche im Film zu verdeutlichen.

BF: Ihr erster Film, "Die Nacht der lebenden Toten" (1968), klagte den Vietnamkrieg an, "Dawn of the Dead" (1978) den Konsumrausch unserer Gesellschaft. Welches Anliegen verfolgen Sie mit "Land of the Dead"?

GR: Ich will auf die Stimmung in meinem Land nach dem 11. September 2001 eingehen. Dennis Hopper spielt einen machthungrigen Mann, den man am ehesten mit George W. Bush vergleichen könnte. Er ist der Anführer einer Administration, die den Bürgern weismachen will, dass alles wieder in Ordnung ist, was eine fatale Lüge darstellt. Der Welt um uns herum hat sich verändert, doch die Amerikaner wollen das nicht wahrhaben. Sie halten an alten Strukturen fest und sehen alles, was von draußen kommt, als Bedrohung an. Insofern symbolisieren die Zombies im Film das Andersartige.

BF: Horrorfilme sind momentan wieder sehr gefragt. Wie erleben Sie diese Renaissance?
Romeros Zombies gieren wieder nach Menschenfleisch Großansicht
Romeros Zombies gieren wieder nach Menschenfleisch  


GR: Ich bin weder begeistert, noch enttäuscht, denn ich habe eine recht zynische Einstellung zu diesem Trend. Es geht nur noch ums Geldverdienen, und mit den meisten dieser neuen Filme kann ich nichts anfangen. Mir fehlt einfach eine gewisse Tiefe. Was soll die Idee aus " Ring" von einem Videoband, das den Tod bringt, wenn du es dir ansiehst? Die Vorstellung ist gruselig, gleichzeitig aber auch blödsinnig. Mehr steckt nicht dahinter.

BF: Sie wurden oft für die Brutalität Ihrer Filme angeprangert ...

GR: Warum abgeschlagene Köpfe und Körperglieder? Ich kann es nicht sagen, vielleicht, weil ich mit Comics groß geworden bin, in denen solche Bilder existierten. Ich schäme mich nicht dafür, ich drehe harte Horrorfilme und kann die Kamera nicht plötzlich wegdrehen, wenn's blutig wird. Für den Zuschauer ist das wie ein Schlag ins Gesicht, und für mich sind solche Szenen zum Markenzeichen geworden.

BF: "Land of the Dead" kommt mit verhältnismäßig wenigen Computereffekten aus. War das Absicht, oder fehlte Ihnen einfach nur das Geld für solche Spezialeekte?

GR: Viele Filme werden heutzutage doch nur noch aus diesem Grund gemacht. Mir fehlt dabei oft die Motivation dahinter. Ich wollte bei "Land of the Dead" nur auf solche Effekte zurückgreifen, wenn es gar nicht anders ging. Etwa für die Massenszene, in der die Zombies aus dem Wasser auftauchen, oder für den Typ, dessen Kopf hinterm Rücken hängt. Wir haben das anfangs mit einer Prothese probiert, was aber nicht gut aussah. Generell bin ich aber noch immer ein großer Fan von Masken und Make-up. Da hat man die Wirkung sofort und muss nicht später am Computer herumzaubern.

BF: Wussten Sie, das Ihr Original "Dawn of the Dead" in Deutschland noch immer konfisziert ist?

GR: Weil es die europäische Fassung von Dario Argento ist, die damals von der Kritik zerrissen wurde, weil er den ganzen Humor aus dem Film herausgeschnitten hat. Aber so war der Deal mit Dario, der einer meiner ersten Geldgeber war und die Bedingung stellte, seine eigene Fassung schneiden zu dürfen. Wir sind trotzdem gute Freunde geblieben; seine Tochter hat in "Land of the Dead" sogar eine Rolle. Im Filmgeschäft läuft eben nicht immer alles glimpflich ab. Ich erinnere mich noch an "Resident Evil". Constantin Film engagierte mich, das Drehbuch zu schreiben. Aber Bernd Eichinger gefiel es nicht, und so wurde ich wieder gefeuert.

BF: Wollen Sie künftig weitere Zombie-Filme drehen?

GR: Ich beschäftige mich auch mit anderen Stoffen. Zurzeit bereite ich mit Stephen King die Verfilmung von "The Girl Who Loved Tom Gordon" vor. Aber bestimmt werde ich irgendwann wieder zu meinem Lieblingsthema zurückkommen.

Quelle: Blickpunkt:Film

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