Los Angeles, 19.09.2002, 12:15  Blickpunkt:Film

Gary Goetzman zu "My Big Fat Greek Wedding"

Gemeinsam mit Tom Hanks leitet Gary Goetzman die Produktionsfirma Playtone. Doch in diesem Jahr feiert das Unternehmen nicht mit einem Hanks-Film große Erfolge, sondern mit der Independentkomödie "My Big Fat Greek Wedding Clip", die in den USA bereits 96 Mio. Dollar eingespielt und sich nach 20 Wochen auf Platz zwei vorgearbeitet hat.

Gary Goetzman
Gary Goetzman  
Blickpunkt:Film: "My Big Fat Greek Wedding" ist in den USA der große Sleeper-Hit dieses Sommers. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Gary Goetzman: Wir wussten von Anfang an, dass die Leute diesen Film lieben - sofern sie ihn sehen. Das Problem war nur: Wie kriegen wir die Menschen ins Kino? Deshalb bauten wir den Film ganz geduldig auf. Wir starteten ihn in 108 Kinos - und die Mundprogapanda verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Egal, wie stark wir die Zahl der Leinwände erhöhten, der Zuschauerschnitt stieg.

BF: Aber wie kann man sich gegen das Marketing-Dauerfeuer der Studioproduktionen behaupten?

GG: Nia Vardalos, die Hauptdarstellerin und Autorin, John Corbett, der Hauptdarsteller, und ich bereisten 35 Städte in 40 Tagen. Dort traten wir in allen Morgen-Shows und Radioprogrammen auf. Denn die nationalen Medien waren damals nicht an uns interessiert. Unsere einzige Chance war die lokale Publicity.

BF: Eine ziemliche Ochsentour.

GG: Es ist schon ermüdend, wenn du Wochen lang deine ganze Energie geben musst. Normalerweise hast du eine Kampagne von ein bis zwei Wochen, und dann kannst du dich schlafen legen. Wir dagegen müssen immer noch auf Achse gehen. Gleichzeitig kümmern wir uns noch um die Anzeigen, überprüfen die Kinos und bereiten den Start in neuen Gebieten vor. Da hat die Studiomaschinerie schon ihre Vorteile. Aber dafür sorgt dieser Film für riesige Glücksgefühle.

BF: Ihre Firma Playtone hat einen First-Look-Deal mit Universal. Boten Sie denen nicht das Projekt an?

GG: Doch. Sogar in mehreren Entwicklungsstadien. Aber sie hatten dieselben Zweifel wie alle anderen Studios: "Wie sollen wir einen Film ohne Stars herausbringen?" Das Ganze wurde dann jeweils zu 50 Prozent von Gold Circle Films und HBO finanziert. Und der Rest ist Showbiz-Geschichte.

"Wo die wilden Kerle wohnen" als CGI-Film

BF: Wie entstand die Idee, die-sen Film zu machen?

GG: Rita Wilson, Tom Hanks' Frau, sah Nia Vardalos in dem gleichnamigen Ein-Personen-Stück und war begeistert. Auf ihren Rat hin schaute sich Tom die Sache an, und beide fanden, dass man aus dieser tollen Geschichte einen Film machen sollte. Da sagte Nia: Ich hab schon ein fertiges Drehbuch.

BF: Planen Sie schon das nächste Projekt dieser Art?

GG: "My Greek Fat Big Wedding" ist eher die Ausnahme von der Regel. Im Kinobereich planen wir drei Familienfilme: Robert Zemeckis wird "Polar Express" nach Chris van Allsburgs Kinderbuch für uns machen - als eine Mischung aus Trick- und Realfilm. Außerdem bereiten wir die CGI-Animationsfilme "Ant Bully" und "Wo die wilden Kerle wohnen" nach Maurice Sendak vor.

BF: Wieso gleich drei Trickfilme auf einmal?

GG: "Wo die wilden Kerle wohnen" stand am Anfang. Damit bauten wir die notwendige Infrastuktur für diese Art von Filmen auf. Dann merkten wir, dass wir die anderen auch noch machen wollten. Wir möchten pro Jahr eine spektakuläre Familienproduktion herausbringen.

BF: Sie produzierten auch mehrere von Jonathan Demmes Filmen, darunter "Das Schweigen der Lämmer". Planen Sie wieder eine Zusammenarbeit?

GG: Wir sprechen gerade über einige Projekte, die er für uns machen könnte. Ansonsten haben wir auch ein Soundtrack-Label mit Sony, das die Filmmusik zu seinem "Truth About Charlie" herausbringt.

BF: Bis zu welchem Grad ist Tom Hanks an den Projekten beteiligt?

GG: Er ist über alle Abläufe informiert, liest jedes Drehbuch. Bei Projekten, die ihn besonders interessieren, klinkt er sich sehr aktiv als Produzent ein. Das war z.B. bei unserer Weltkriegsserie "Band of Brothers" der Fall, die wir für HBO machten.

BF: Worin besteht der Vorteil, fürs Fernsehen statt fürs Kino zu produzieren?

GG: Wir können eine längere Geschichte erzählen. Unsere Miniserie "John Adams" über die Amerikanische Revolution wird etwa zwölf Stunden lang sein. Der Kinomarkt ist außerdem so von Blockbustern getrieben, dass du ohne große Stars keine Chance hast. Aber für viele Projekte sind Stars nicht geeignet. Deshalb schätzen wir unseren First-Look-Deal mit HBO, wo wir unsere Geschichten so aufbereiten können, wie wir uns das vorstellen.

BF: Könnten Sie ein ungewöhnliches Kinoprojekt machen, wenn Tom Hanks mitspielen würde?

GG: Vorstellbar wäre das schon. Aber Tom neigt normalerweise nicht zu Stoffen, die für ein Studio völlig abwegig wären. Abgesehen davon sieht er es nicht als seine Aufgabe an, nur in Playtone-Filmen zu spielen. "Road to Perdition" war ja auch nicht von uns. Jeder, der den Star Tom Hanks anheuern will, kann das tun.

Quelle: Blickpunkt:Film

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