Rom (mk), 01.04.2004, 11:31  Blickpunkt:Film

Gary Fleder zu "Das Urteil"

Mit der John Grisham-Verfilmung "Das Urteil - Jeder ist käuflich Clip" (Fox, 29. April) greift Gary Fleder ein brisantes Thema auf, den Einfluss der Waffen-Lobby auf die Rechtssprechung. In diesem Justiz-Thriller stehen erstmals in der Filmgeschichte Oscar-Preisträger Gene Hackman und Dustin Hoffman gemeinsam vor der Kamera.

Gary Fleder
Gary Fleder  
Blickpunkt:Film: Korruption, Manipulation, Beeinflussung von Geschworenen - glauben Sie noch an Gerechtigkeit und Justiz?

Gary Fleder: Ich glaube noch daran, trotz Fehler und Schwächen im System. Es ist das beste, was wir haben. Beim Simpson-Prozess waren wir über das Urteil der Geschworenen frustriert. Aber ich finde es immer noch besser, wenn zwölf normale Bürger ein Urteil fällen als ein abgestumpfter Richter, der seit 30 Jahren seinen Stiefel macht.

BF: Wie haben Sie recherchiert? Gibt es wirklich diese skrupellosen Jury-Berater?

GF: Ich habe nichts erfunden. Diese Menschen werden von Anklage und Verteidigung angeheuert, sie stellen im Vorfeld die für ihre Zwecke perfekten Geschworenen zusammen, versetzen sich dann in deren Gedankenwelt und entwickeln eine effektive Prozess-Strategie, damit das von ihrer Seite gewünschte Urteil gefällt wird. Ein ganzer Technologie-Apparat hängt daran. Ich habe erstmals beim Simpson-Fall davon gehört, als die Jury-Beraterin in einer CNN-Sendung auftrat.

"Problem kann ich nicht mit einem Film lösen, höchstens dafür sensibilisieren"

BF: Sie prangern den Einfluss der National Rifle Organisation (NRO) an, hat die sich schon bei Ihnen beschwert?

GF: Bis jetzt noch nicht. Aber sie ist mächtiger als die Tabak-Industrie. Es gibt mir zu denken, dass die NRO trotz der zahlreichen Massaker noch weniger Kontrolle fordert und damit manche Waffen noch leichter zu erwerben sind. Wir sollten überlegen, woher diese gefährliche Obsession in den USA kommt. Gegen die Waffenlobby stehe ich auf verlorenem Posten, das Problem kann ich sicherlich nicht mit einem Film lösen, höchstens dafür sensibilisieren.

BF: Wie arbeitet man mit Ikonen wie Dustin Hoffman und Gene Hackman?

GF: Ganz entspannt. Es ist eine Ironie, aber je berühmter jemand ist, um so einfacher läuft die Zusammenarbeit. Das habe ich schon bei Michael Douglas in "Sag kein Wort" festgestellt. Stars wie Hoffman und Hackman sind souverän, professionell, pünktlich und aufmerksam. Ich bewundere sie. Hackman will weniger Takes als Hoffman, der auch schon mal improvisiert. Schwierigkeiten bereiten Newcomer, die wollen sich profilieren, doktern an Dialogen herum und halten den Betrieb auf. Dadurch verlieren sie den Respekt und ziehen sich und ihre Arbeit herunter. Die wenigen Proben liefen wie am Schnürchen. Filme sind heute so teuer, da muss man sich gut vorbereiten.

BF: Wie sind Sie an den Stoff gekommen?

GF: Über die Jahre hinweg zeigten Regisseure wie Joel Schumacher oder Mike Newell Interesse. Regency Enterprises schlug mir das Projekt vor. Ich habe gute Beziehungen zu dem Studio, für das ich auch "Sag' kein Wort" realisiert habe. Und die Kooperation mit Fox war sehr hilfreich.

"Als Produzent bin ich kostenbewusster"

BF: Inwieweit waren Sie als Produzent involviert?

GF: In meinem Job geht es nicht nur darum, den Schauspielern oder dem Kameramann zu sagen, was sie zu tun haben, sondern auch um das ganze Management, von der Location-Suche über die Erstellung des Ablaufplanes bis hin zur Finanzierung des 55-Mio.-Dollar-Budgets. Ich steckte diesmal viel tiefer in dem Prozedere als bei meinen früheren Filmen. Als Regisseur fühle ich mich manchmal außen vor, als Produzent trage ich mehr Verantwortung, bin kostenbewusster und weiß, was ich durch einen kleinen Irrtum an Geld verlieren kann.

BF: Stößt man mit so einem politischen Thema auf Skepsis?

GF: Im Vordergrund stand erst einmal Unterhaltung und Emotionalität der Geschichte. Beim Wort "politisch" hören die Leute weg, da muss man aufpassen. Normalerweise rümpfen die versnobten Kritiker in den USA die Nase über Mainstream wie über Fast Food von McDonald's. Diesmal ging der Daumen nach oben, ich habe anscheinend den Nerv getroffen.

BF: Hat sich Ihr Stil im Laufe der Jahre verändert?

GF: Bei meinem Spielfilmdebüt "Leben nach dem Tod in Denver" 1995 hatte ich noch einen ziemlichen Kontrollzwang, ein typischer Anfängerfehler. Viele Szenen würde ich heute anders machen. Inzwischen gebe ich den Schauspielern mehr Freiheit und bin nicht mehr so von Perfektion besessen.

"Ich möchte kein Auftragsregisseur sein"

BF: Wie sieht es mit einem nächsten Projekt aus?

GF: Ich sitze gerade an der Drehbuchentwicklung von "Pinball", einem der letzten Romane des 1991 gestorbenen amerikanisch-polnischen Schriftstellers Jerzy Kosinski. Ich schreibe sehr gerne und möchte kein Auftragsregisseur sein. Da ich die Rechte gekauft habe, werde ich den Film auch produzieren und bin frei in meinen Entscheidungen, kann mir ein Studio aussuchen.

Quelle: Blickpunkt:Film

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