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Zürich, 30.11.2001, 15:46  Blickpunkt:Film

Frenetic Films AG sichert sich Festivalhighlights

In wenigen Jahren ist die Zürcher Firma Frenetic Films zu einem der wichtigsten unabhängigen Schweizer Verleihhäuser geworden. Inzwischen tragen rund 25 Filmstarts pro Jahr das Label "Frenetic".

Daniel Treichler, Monika Weibel und Thomas Koerfer (v. l.) von Frenetic Films, Zürich
Daniel Treichler, Monika Weibel und Thomas Koerfer (v. l.) von Frenetic Films, Zürich  
An der Zürcher Peripherie, nahe am See, in großzügigen ehemaligen Fabrikräumen, arbeiten acht Leute. 20 bis 30 neue Titel pro Jahr, eine Backlist von beachtlichen 120 Filmen, ein eigenes Videolabel sowie die weitere Rechteverwertung sorgen für ausgelastete Arbeitstage. Begonnen hatte alles 1994 viel bescheidener. Der Filmregisseur Thomas Koerfer, Monika Weibel, die eine langjährige Erfahrung in Worldsales und Filmverleih mitbrachte, und der Handelskaufmann Daniel Treichler gründeten die Frenetic Films AG. "Zuerst kauften wir nur wenige Filme. Aber wir hatten schon die Absicht, eine gewisse Größe zu erreichen", sagt Monika Weibel.

Ihr erster Film war die neuseeländische Produktion "Die letzte Kriegerin Clip" von Lee Tamahori, ein "eher schwieriger Film", der mit 60.000 Besuchern aber einen Achtungserfolg erzielte. Das Line-up wies bald eine ansehnliche Breite auf, von innovativen Titeln im Bereich Arthouse bis zum Studio-Mainstream, also Filmen wie David Lynchs "Eine wahre Geschichte - The Straight Story Clip" oder "Jackie Brown Clip" von Quentin Tarantino, die mit je rund 200.000 Besuchern die bisher erfolgreichsten Frenetic-Titel sind. "Einen ganz großen Erfolg, also etwa eine halbe Million Besucher, hatten wir bisher nicht", bedauert Daniel Treichler. "Aber wir sehen nicht nur die kommerziellen Notwendigkeiten, sondern auch den kulturellen Auftrag." Dabei betreibt Frenetic keine Nischenpolitik, sondern bietet in ihrem Katalog die ganze Breite des filmischen Repertoires an. Von Altmeistern wie Michelangelo Antonioni, Carlos Saura oder Roman Polanski zu Größen wie Mohsen Makhmalbaf, Takeshi Kitano oder Atom Egoyan bis zu Exzentrikern wie Barbet Schroeder, Philippe Harel oder John Waters verleiht Frenetic die ganze Palette des aktuellen filmkünstlerischen Schaffens.

Enger Kontakt zur deutschen Filmszene

Ein Quantensprung für Frenetic war das Jahr 1999, in dem sich der Verleih die Rechte aller Studio-Canal-Produktionen sichern konnte. Im Oktober 2001 hat Frenetic zudem mit sieben weiteren europäischen Verleihern 70 Prozent des französischen Weltvertriebs Celluloid Dreams übernommen. Frenetic pflegt aber auch engen Kontakt zur deutschen und schweizerischen Filmszene. Einer der ersten Filme, die Frenetic erwarb, war Matthias Glasners "Die Mediocren", gefolgt etwa von Susanne Ofteringer "Nico-Icon", Peter Timms "Die Putzfraueninsel Clip", Max Färberböcks "Aimée & Jaguar Clip" bis zu Didi Danquarts "Viehjud Levi", Tom Tykwers "Der Krieger und die Kaiserin" und dem Dokumentarfilm "Die Erika und Klaus Mann Story" von Wieland Speck und Andrea Weiss.

Ebenfalls große Aufmerksamkeit widmet Frenetic dem einheimischen Filmschaffen. "Natürlich gelten hier etwas andere Kriterien als bei ausländischen Filmen", betont Monika Weibel, "schließlich wollen wir den Schweizer Film besonders pflegen." Besonders stolz ist Frenetic auf den Erfolg von "Azzurro" von Denis Rabaglia, der den diesjährigen Schweizer Filmpreis als bester Film gewonnen hat und mit inzwischen über 100.000 Besuchern der erfolgreichste Schweizer Film des Jahres sein dürfte. Überhaupt ist 2001 ein Glücksjahr für Frenetic: Mit Patrice Chéreaus "Intimacy" (Goldener Berliner Bär) und Nanni Morettis "Das Zimmer meines Sohnes Clip" (Goldene Palme in Cannes) hat Frenetic die beiden wichtigsten internationalen Festivalgewinner des Jahres im Programm. Im hart umkämpften Schweizer Verleihmarkt sieht sich Frenetic gut aufgehoben. "Das Verleihgeschäft ist zwar schwieriger geworden; die Margen sind zu klein, und die Kosten steigen", sagt Daniel Treichler. Finanziell lässt sich die Firma jedoch nicht in die Karten schauen. "Aber für uns ist es kein Verlustgeschäft", lässt sich Monika Weibel immerhin entlocken. Jedenfalls können die drei Geschäftsführer zuversichtlich in die Zukunft blicken. Mit Roman Polanskis "Der Pianist Clip", Alejandro Amenábars "The Others Clip", David Lynchs "Mulholland Drive", Mohsen Makhmalbafs "Reise nach Kandahar Clip" oder Hou Hsiao-hsiens "Millennium Mambo" stehen starke Titel an, die auch weiterhin für das Label "Frenetic" bürgen.


Quelle: Blickpunkt:Film

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