Berlin, 18.02.2002, 16:47  Blickpunkt:Film

François Ozon zu dem Berlinale-Hit "8 femmes"

"8 Frauen Clip" zählte zu den Highlights der Berlinale 2002. Frankreichs Regiewunderkind François Ozon und die Crème de la Crème der französischen Schauspielerinnen eroberten die Herzen von Presse und Publikum und in Frankreich das Boxoffice.

François Ozon
François Ozon  
Blickpunkt:Film: Eigentlich wollten Sie das Theaterstück verfilmen, auf dem George Cukors "Die Frauen" basiert. Warum kam es nicht dazu?

François Ozon: Die Rechte liegen bei Julia Roberts und Meg Ryan. Deshalb habe ich mich umorientiert und das Stück "8 femmes" von Robert Thomas als Vorlage genommen. Es schien mir aber zu amerikanisch, da habe ich es kurzerhand "französisiert".

BF: Welches Gefühl war es, mit Stars wie Catherine Deneuve oder Isabelle Huppert zu drehen?

FO: Ein Albtraum! Nein, Scherz beiseite, ich habe sehr viel gelernt. Natürlich war es ganz anders als bei "Unter dem Sand Clip" mit Charlotte Rampling, da herrschte eine sehr intime Atmosphäre. Diesem Film, der sehr schwierig zu finanzieren war und an den erst niemand glaubte, verdanke ich "8 femmes". Plötzlich wollten alle Schauspielerinnen mit mir arbeiten. Ich musste mir keine Sorgen ums Geld mehr machen - so, wie ich es mir immer erträumt hatte.

BF: Wie haben Sie die Damen zusammenbekommen?

FO: Jeder Agent winkte ab, es würde nie klappen, diese Kombination vor die Kamera zu kriegen. Das sei nur in den USA möglich. Irgendwann hatte ich die Kassandrarufe satt und habe mich einfach mit den Schauspielerinnen getroffen und jede sagte Ja. Das ideale Casting.

BF: Hatten Sie keine Angst vor der geballten Starpower?

FO: Es war schon hart. Ich musste mich auf jede einzeln einlassen. Aber nach einigen Tagen habe ich vergessen, dass ich mit den bekanntesten Stars Frankreichs arbeite. Ich musste mich allerdings quasi in acht Teile aufspalten - auf der einen Seite sehr neutral sein, dann wieder autoritär, schließlich war ich der Kapitän auf dem Boot. Ich wollte nicht die Titanic auf den Grund steuern. Diese Gefahr besteht, wenn Schauspielerinnen die Macht übernehmen.

BF: Gab es keine Eifersüchteleien am Set?

FO: Diese Liga von Schauspielerinnen sieht sich nicht sehr oft. Sie genossen es, gemeinsam an einem heiteren Film mitzuwirken, es ging ziemlich locker zu. Jede war mit der Rolle einverstanden. Salomonisch wurden Kostüme und Farborientierung verteilt, ein ganz demokratisches Prozedere. Jede hatte ihr eigenes Chanson und ihre eigene Tanznummer, sie waren gleichberechtigt und wurden - jede für sich - wie ein Star behandelt. Das ist gut für die Stimmung und die Seele.

BF: War es schwierig, sie zum Singen zu motivieren?

FO: Überhaupt nicht. Sie haben einen Riesenspaß gehabt. Solche Schauspielerinnen nehmen gern ein Risiko auf sich - sie sind souverän und wissen, dass sie nichts zu verlieren haben.

BF: Mussten Sie viel Überredungskunst aufbringen, damit sich Unter dem Sand Clip und Catherine Deneuve küssten?

FO: Die beiden nahmen das als Spiel und haben sich köstlich amüsiert. Einzige Bedingung: Die Szene durfte nicht vulgär sein, sollte Erotik vermitteln.

BF: Ist Ihr Film als Hommage an Jacques Demy zu verstehen?

FO: Ich liebe Jacques Demy, aber "8 femmes" ist mehr beeinflusst von den amerikanischen Musical-Komödien.

BF: Man kann sich vorstellen, dass der Film nicht billig war.

FO: Die Finanzierung stellte kein Problem dar. Der Film kostete 50 Mio. Franc, was zwar über dem Schnitt liegt, aber angesichts der vielen Stars nicht sehr teuer ist. Aber ich drehe sehr schnell, die Setausstattung blieb unverändert und wir haben im Studio gedreht, das spart Kosten. Jeder hat eine gute Gage bekommen. "8 femmes" ist wieder eine Koproduktion von Fidélité Productions, mit der ich schon seit meinem ersten Film zusammenarbeite, und anderen Partnern wie Canal Plus, France 2 und CNC. Dazu kamen die Auslandsverkäufe.

BF: Geht die Zusammenarbeit mit Fidélité weiter?

FO: Wir sind seit Jahren Freunde. Zwar machen mir inzwischen auch große Produzenten Avancen, aber warum sollte ich wechseln? Wir sind zusammengewachsen und durch dick und dünn gegangen.

BF: Canal Plus will sich aus der Filmfinanzierung zurückziehen. Macht Ihnen das Angst?

FO: Eine ziemlich harte Angelegenheit. Jean-Marie Messier lebt in den USA, ihn interessiert das französische Kino wenig. Wir verfügen über viele Talente und eine richtige Filmindustrie, die wird nicht den Bach runtergehen. Aber für Anfänger und kleinere Filme wird es eng. Ich würde wahrscheinlich heute nicht mehr die Chance bekommen, "Sitcom Clip" oder "Tropfen auf heiße Steine Clip" zu drehen.

BF: Sie haben noch keinen Verleih in Deutschland. Ist der Film zu teuer?

FO: Der Erfolg in Frankreich treibt vielleicht den Preis hoch. Aber ich bin sicher, mein Film findet einen Verleiher im Land von Fassbinder und Schroeter.

BF: Was machen Sie als Nächstes?

FO: Etwas Kleines, sehr einfach, eine intime Geschichte ohne große Stars.

Quelle: Blickpunkt:Film

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