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Mit "Identität
" (Columbia TriStar, 25. September) wandelt James Mangold auf Hitchcocks Spuren und garantiert Spannung pur, wenn in einem Wüsten-Motel unter zehn Menschen ein Serienkiller wütet. Das klaustrophobische Horror-Movie eröffnet das Fantasy-Filmfest in München.
James Mangold: Natürlich fühle ich mich bestätigt. Aber Erfolg und Misserfolg sind nicht nur an Boxoffice-Resultaten abzulesen. Ich war mir sicher, mit "Identität" etwas Besonderes zu schaffen. Schon die Besetzung ist grandios. In den Neunzigern wurden Horrormovies für Teens gemacht, ich richte mich an Erwachsene und stehe hoffentlich in der Tradition von "Alien
", "Shining
" oder "Das Ding aus einer anderen Welt". Und natürlich ist Hitchcock mein Vorbild, der Shakespeare des Films.
BF: Wie gelang es Ihnen, so viele gute Schauspieler um sich zu versammeln?
JM: Ich frage sie einfach, wie man eine schöne Frau fragt, mit der man ausgehen will. Vielleicht war das starke Drehbuch ausschlaggebend oder die Neugier, weil ich doch sehr unterschiedliche Ensemblefilme gedreht habe, das spricht sich herum. Casting funktioniert im Schneeballeffekt. Wenn Ray Liotta zusagt, kommt John Cusack ins Boot, andere ziehen nach. Ich arbeite gern mit guten Schauspielern, nicht mit Stars. Bei denen kann man oft nicht unterscheiden zwischen Image und Rolle.
BF: Cathy Konrad ist Ihre Produzentin und Frau. Wie arbeiten Sie zusammen?
JM: Die berufliche Nähe bringt mehr Vorzüge als Nachteile. Wir müssen uns abends nicht erst erzählen, was am Tag los war, und können schneller unser normales Leben führen. Ich profitiere von ihr als fantastischer Business-frau. Das Wichtigste beim Film sind die richtigen Leute: eine clevere Produzentin, eine tolle Besetzung, eine gute technische Crew - und neun Zehntel des Jobs sind erledigt. Machtspielchen führen nur zu Zeit-, Geld- und Nervenverlust.
BF: In der ersten Hälfte experimentieren Sie mit dem Schnitt, die zweite wirkt konventioneller.
JM: Der Schnitt ist nicht die einzige Art, innovativ zu arbeiten. Nicht jeder Film muss eine innovative Struktur haben. Warum soll ich Szene Nummer drei vor zwei setzen, die Eröffnungsszene ans Ende und das Ganze als wahnsinnig neuartig verkaufen? Die Geschichte muss stimmen. In der Kunst gibt es zwei Arten von Innovation - eine formale und eine geistige. Ende des 20. Jahrhunderts drehte sich alles um das Formale, mit zweifelhaftem Erfolg. Junge Regisseure gierten nach Aufmerksamkeit, wollten schnell nach oben und stellten eiserne Regeln auf den Kopf. Was nutzt es, mit intellektuellen Sperenzchen ein Festivalpublikum zu erobern? Ich möchte auch den normalen Zuschauer erreichen.
BF: Sie wechseln vom Independentmovie "Heavy" zur Studioproduktion, vom Psychodrama über eine Romantic Comedy zum Thriller. Demnächst verfilmen Sie das Leben von Johnny Cash.
JM: Ich bin dankbar für die Möglichkeit, viele Genres auszuprobieren, mache aber keine Strichliste, welches Genre mir noch fehlt. Das ergibt sich. Nach dem Männerfilm "Cop Land" hatte ich Lust auf eine subtile Geschichte mit Frauen, also drehte ich "Durchgeknallt - Girl, Interrupted", danach musste ich mich bei etwas Leichterem wie "Kate & Leopold
" erholen. Und "Walk the Line" über die Musiklegende Johnny Cash wird so etwas wie ein Musical-Drama, eine große Love-Story. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon als June Carter.
BF: Was reizt Sie mehr - Arthouse- oder Kommerzfilme?
JM: Schubladendenken liegt mir fern. Hollywood braucht mehr intelligente Filme. Manchmal wünsche ich mir, Arthouse-Filme wären unterhaltender. Mich würde es langweilen, einen Film darüber zu machen, wie "fucked up" die Welt ist für Leute, die das schon wissen. Ich überrasche lieber mit etwas Neuem, das dem Publikum eine Vorstellung gibt, was Kino sein kann. Mit dieser Idee bin ich in Hollywood nicht allein. Ob Soderbergh oder Anderson, wir finden verschiedene Wege, in und um das System herum zu arbeiten, ohne uns zu verbiegen. Natürlich kann ich bei einem großen Studio kein Independentmovie machen. Vielleicht werde ich einmal meinen Traum verwirklichen und einen Stummfilm zu drehen.
Quelle: Blickpunkt:Film
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