München, 06.10.2017, 14:49  Blickpunkt:Film | Kino

Felix Starcks Expedition Business

Felix Starck und Selima Taibi haben bereits "Herzensprojekte" im Blick (Bild: Felix Starck) Großansicht
Felix Starck und Selima Taibi haben bereits "Herzensprojekte" im Blick (Bild: Felix Starck)
An Selbstbewusstsein mangelt es Felix Starck nicht. Wer könnte es dem 26-Jährigen verdenken, der in diesem Jahr mit der von ihm selbst gedrehten und in die Kinos gebrachten Aussteigerdoku "Expedition Happiness" Clip eine der Erfolgsgeschichten des deutschen Kinojahres geschrieben hat? Und das, nachdem ihm dasselbe Kunststück bereits 2014 mit seinem ersten Film, "Pedal the World", gelungen war. Gemeinsam haben die beiden Dokus mittlerweile mehr als 400.000 Zuschauer erreicht. Die deutschen Kinos können sich freuen: Starck, der die Schule wenige Wochen vor dem Abi abgebrochen und im Anschluss nach drei Jahren ohne akademischen Abschluss im Sportmanagement bei Daimler gearbeitet hatte, nur um auch dort hinzuschmeißen und mit Fahrrad und GoPro-Kamera bewaffnet jene Weltreise angetreten hatte, aus der "Pedal the World" hervorging, will dem Film treu bleiben, das Ganze jetzt aber professionell und mit der nötigen finanziellen Rückendeckung angehen. Deshalb hat er gemeinsam mit seiner Freundin Selima "Mogli" Taibi die Koryphäen Film GmbH gegründet. "Gleich nach ,Pedal the World' wurde ich von vielen Leuten aus der Branche angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, uns an sie zu binden und mit ihnen Filme zu machen, obwohl ich mich nie als Autor oder Filmemacher gesehen hatte", erinnert sich Starck. "Wir hatten mit ,Pedal the World' gerade genug Geld verdient, dass es für uns keinen Anlass gab, uns in irgendwelche Abhängigkeiten zu begeben. Damals hatten wir erstmals die Idee, mit einer eigenen Firma durchzustarten. Aber wir fanden auch, dass es dafür noch zu früh wäre. Wir waren uns nicht sicher, ob wir das nötige Rüstzeug hatten - und ob man uns als Produzenten akzeptieren würde." Stattdessen zogen sie es zunächst vor, einen weiteren Film im Stil von "Pedal the World" zu machen und damit auf Nummer sicher zu gehen. "Wir sind jetzt so aufgestellt, dass wir nichts mehr müssen, sondern nur noch können", fasst Starck die Situation nach dem Erfolg von "Expedition Happiness" zusammen. Und geht jetzt die Expedition Business mit der Koryphäen Film richtig an.

Die Firma mit Hauptsitz in München und einer Niederlassung in Berlin wird als Produktionsfirma agieren, soll aber auch als Verleih tätig werden. Mitgründerin Selima Taibi wird sich um die Stoffentwicklung kümmern. Primär will sich die Firma auf den Bereich Spielfilm fokussieren. Dafür sind noch zwei weitere Mitarbeiter an Bord: Der Produzent und HFF-Absolvent Fabian Halbig ("Immer noch jung") und die Produzentin und Herstellungsleiterin Yüksel Yilmaz ("Ummah - Unter Freunden" Clip) kümmern sich um die Geschäfte in München und Berlin. Starck geht davon aus, dass die eigenen Produktionen nicht zwingend auch im Verleih von Koryphäen Film ausgewertet werden müssen. "Ich denke, wir werden uns das von Film zu Film ansehen. Man darf da nicht didaktisch sein. Wenn es vom kommerziellen Standpunkt Sinn ergibt, mit einem größeren Verleih zu arbeiten, dann werden wir das sicherlich tun." Fest steht für ihn indes, dass der Output des Verleihs deutlich größer sein soll. "Im Verleih sehe ich meine persönliche Stärke - Vermarktung ist meine Welt", erklärt er. "Wenn alles gut läuft, werden wir im Jahr zwei oder drei unserer Herzensstoffe produzieren, aber ich würde gerne sechs bis acht Filme im Jahr im Verleih ins Kino bringen." Aktuell steht mit "Dinky Sinky" von Mareille Klein, produziert von Halbig, steht ein erster Film für den Verleih bereits fest, ein zweiter Titel, bereits festivalerprobt, steht kurz vor Vertragsunterzeichnung.

"Expedition Happiness" war ein Sensationserfolg in den deutschen Kinos (Bild: Felix Starck (Central)) Großansicht
"Expedition Happiness" war ein Sensationserfolg in den deutschen Kinos (Bild: Felix Starck (Central))
Ausreichend Kapital für die Firma steht zur Verfügung, wie Starck betont: "Wir werden uns mit einer Million Euro Eigenkapital einbringen. Wir gehen jetzt aber noch in eine Finanzierungsrunde, sodass ich davon ausgehe, dass wir schließlich mit vier bis fünf Millionen Euro als Grundlage an den Start gehen können. Damit will ich auf Shoppingtour gehen, idealerweise beginnend mit der Berlinale." Bevorzugt will Starck deutsche Produktionen auswerten, macht das aber abhängig von dem vorhandenen Produkt. "Die Branche soll wissen, dass wir nach Produkt suchen - und ich bin sehr gespannt, was wir zu sehen bekommen", meint er. "Die ersten Rückmeldungen, die wir bekommen haben, waren sehr ermutigend, ich glaube, man ist sehr gespannt, was wir bewegen können." Starck betont, dass er zudem die klassischen Märkte nutzen will, um auch ganz konventionell Filmrechte für den Verleih zu erwerben. Unkonventionell will er dann bei der Auswertung und Vermarktung vorgehen. "Da wollen wir neue Wege gehen. Ich glaube, dass sich da noch sehr viel bewegen lässt, weil die Möglichkeiten des Internetmarketings noch nicht im Ansatz genutzt werden. Wer heute noch bei kleineren Filmen für viel Geld plakatiert, hat meiner Ansicht nach den Schuss nicht gehört. Es lässt sich überhaupt nicht skalieren, wie viele Menschen wegen welchem Plakat in welches Kino gegangen sind. Online kann man das viel besser takten. Man muss versuchen, die beiden Welten zu vereinen: Ich will kein Revoluzzer sein, der alles auf den Kopf stellt, wie auch schon geschrieben wurde. Vielmehr schwebt mir vor, Tradition und das Neue zu vereinen. Dafür bringen wir nach unseren beiden Filmen eine gewisse Expertise mit: Das Werbebudget für ,Pedal the World' betrug 20.000 Euro - damit haben wir 240.000 Zuschauer gemacht. Und das Werbebudget für ,Expedition Happiness' war danach 5000 Euro höher." Wenig hält Starck von der Werbung auf YouTube: "Vielleicht fünf Prozent unseres Publikums kam über YouTube. Das ist ein Medium für die Kids, und die sind weniger an der Art von Kino interessiert, wie es uns vorschwebt. Wir wollen uns mehr an Studenten und junge Erwachsene wenden, die sich ganz gezielt ansprechen lassen. Man muss keine Angst davor haben."

Auch ein erstes "Herzensprojekt" auf Produktionsseite steht bereits fest. Koryphäen Film plant ein Roadmovie, das auf einer Idee von Selima Taibi basiert und in dem sie voraussichtlich die Hauptrolle spielen wird. Aktuell scheibt Arne Ahrens am Drehbuch. Der Dreh, bei dem Starck wohl selbst Regie führen wird, ist für Sommer 2018 gemeinsam mit Port au Prince als Partner vorgesehen. "Wir haben große Lust auf dieses Abenteuer, und wir wollen es mit voller Energie angehen. Genau so große Lust haben wir aber auch dazuzulernen. Deshalb wollen wir uns auch mit guten, Leuten umgeben, die uns helfen, unsere Vision umzusetzen. Nur so kann man schnell erfolgreich sein und wachsen. Und das haben wir vor." Wie gesagt: An Selbstbewusstsein mangelt es Felix Starck nicht. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

Thomas Schultze


Quelle: Blickpunkt:Film

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