Das problemgebeutelte Horrorprequel "Exorcist: The Beginning" macht wieder von sich reden: Renny Harlins auf sechs Wochen anberaumter Nachdreh hat sich um sieben Wochen verlängert; nun ist der Film endlich fertig. Ohne auf Paul Schraders ursprüngliches Filmmaterial zurückzugreifen, entstand eine ganz neue Version.
Renny Harlin
Paul Schrader
Wie viele Mio. Dollar die Produktion bereits verschlungen hat und wie viele Konflikte ausgetragen werden mussten, weiß wohl nur die Produktionsfirma Morgan Creek, die die Version von Renny Harlin via Warner in den USA ab 20. August auswerten wird. Nach dem Eklat, den Paul Schraders Rauswurf als Regisseur von "Exorcist: The Beginning" im August letzten Jahres ausgelöst hatte, und der Entscheidung, Renny Harlin für einen Nachdreh zu engagieren, macht nun die von Morgan Creek und Warner offiziell gemachte Ankündigung betreffs der Filmauswertung von sich reden. Die ursprüngliche Idee, Paul Schrader als Koregisseur in den Credits von Harlins Version zu erwähnen, musste fallen gelassen werden, da sie die Bestimmungen der DGA verletzt hätte (laut eines Gesetzes der Gewerkschaft darf ein Film nur dann von mehr als einem Regisseur gedreht werden, wenn diese Entscheidung bereits vor Drehbeginn feststeht). Die Tatsache, dass aus Harlins zunächst für einzelne Szenen angedachtem Nachdreh eine komplett neue Produktion wurde (mit teilweise neuem Cast und komplett überarbeitetem Drehbuch), die mit Schraders Version nichts mehr zu tun hat, brachte Morgan-Creek-Geschäftsführer James Robinson in eine prekäre Situation. Aus dieser rettet er sich nun, indem er beiden Filmen eine Vermarktungschance gibt. Nicht zuletzt um Paul Schrader und die DGA zu besänftigen sowie einen Teil der immensen Produktionskosten zu begleichen, kündigte Robinson Mitte April an, nach der Kinoauswertung von Renny Harlins "Exorcist" sowohl die von Schrader als auch die von Harlin gedrehte Version des Schockers auf DVD jeweils mit dem Namen des Regisseurs zu veröffentlichen. Gegenwärtig wird noch überlegt, in welcher Form die Discs auf den Markt gebracht werden, entweder beide Filme in einem Paket oder einzeln. Dies müsse noch mit James Cardwell, Präsident von Warner Home Video, erörtert werden.
Der streitbare Schrader äußerte sich positiv über diese Entscheidung, die den mit Morgan Creek vertraglich festgelegten Versprechungen, von seiner Fassung des Films eine Preview und mindestens eine offizielle Vorführung zu zeigen, entgegenkomme und die darüber hinaus ein gerichtliches Verfahren mit der Directors Guild of America vermeide. Gegenüber "Variety" äußerte sich Schrader allerdings auch etwas sarkastisch: "Wenn ich meine DVD bekomme, dann kann ich sagen: 'Gott steh dir bei, dass dein Film erfolgreich wird, Renny.'"
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