London, 21.07.2000, 00:00  Blickpunkt:Film

Ex-Pathé-Executive Calderwood mit eigener Firma

Als Head of Production war Andrea Calderwood bis vor kurzem eine der zentralen Figuren beim Aufbau des britischen Lottery Franchise Pathé Pictures. Nachdem sie jetzt eine eigene Produktionsfirma gegründet hat und einen First-Look-Deal mit Film Four abschließen konnte, verspricht Calderwood eine der interessantesten Indie-Produzentinnen Englands zu werden.

Unter Calderwoods Leitung wurden bei Pathé Filme wie Lynne Ramsays "Ratcatcher" (Kairos), der neue Michael-Winterbottom-Film "Kingdom Come Clip" (Concorde) sowie Terry Gilliams neues 33-Mio.-Dollar-Projekt, "The Man Who Killed Don Quixote", umgesetzt oder geplant. "Es ist jetzt an der Zeit, dass ich die Energie, die ich jahrelang in andere Firmen investiert habe, für mich selbst nutze und selbst von meinen guten Beziehungen zu Filmemachern profitiere", erklärt Calderwood, die vor ihrer Zeit bei Pathé als Head of Drama bei BBC Scotland und als Executive Producer bei BBC Films arbeitete. Auch wenn Lottery Franchises wie Pathé häufig Kritik ernten mussten, ist Calderwood stolz auf das von ihr bei Pathé Erreichte: "In zweieinhalb Jahren haben wir neun Filme ins Leben gerufen. Nicht alle davon waren erfolgreich, aber auch in Hollywood hat man keine hundertprozentige Erfolgsrate. Meiner Meinung nach waren die Erwartungen, die an uns von der Filmindustrie und der Presse gestellt wurden, völlig unrealistisch. So ein Start-up braucht Zeit. Es dauert ja schließlich mindestens 18 Monate, bevor man mit einem Projekt in Produktion gehen kann." Auch wenn in Calderwoods Presseerklärung Frustration über bürokratische Entscheidungsprozesse bei Pathé anklang, betont sie: "Das Prinzip der Lottery Franchises ist sehr effektiv, denn so können kommerzielle Investitionen und staatliche Fördergelder wirksam vereint werden." Während Calderwood noch die Postproduktion von "Kingdom Come" sowie Metin Hüseyins "It was an Accident" und Nick Hamms "The Hole" beaufsichtigt, plant sie, mit ihrer noch namenlosen Firma eine große Bandbreite an Filmen zu produzieren. "Film-Four-Chef Paul Webster und ich haben einen sehr weit gefächerten Geschmack und ähnliche Ambitionen. Paul erwartet von mir, dass ich ihm nicht nur Projekte junger Filmemacher im unteren Budget-Bereich, sondern auch größere Produktionen wie,The Man Who Killed Don Quixote' oder,Kingdom Come' anbiete. Das ist ganz in meinem Sinn, denn auch für mich ist es wichtig, Filme mit großen Budgets und internationalem Potenzial zu produzieren", so Calderwood. Gleichzeitig ist Calderwood darauf bedacht, lang andauernde Verbindungen mit Regietalenten zu pflegen und junge Filmemacher aufzubauen. "Ich habe damals Lynn Ramsays ersten Kurzfilm produziert und später dann ihren ersten Kinofilm,Ratcatcher'. Es lohnt sich, Talente aufzubauen, und Film Four verspricht sich von mir, dass ich dies weiterhin tun werde." Für Calderwood, die mit einem kleinen Development-Team beginnen wird und dabei kein altes Pathé-Projekt in ihre neue Firma einbringt, ist es ausschlaggebend, originelle Stoffe zu entwickeln. "In Großbritannien gibt es leider die Tendenz, erfolgreiche Filme immer wieder zu kopieren. Das ist sowohl mit,Ganz oder gar nicht' als auch mit,Bube, Dame, König, Gras' passiert. Das ist selbst zerstörerisch." Das Grundproblem des britischen Kinos liege, so Calderwood, vor allem darin, eine eigene nationale Identität zu entwickeln: "Ein Film ohne eine nationale Identität sitzt immer zwischen den kulturellen Stühlen."

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