Hochschule für Fernsehen und Film München

Aus-/Fortbildung

München, 22.09.2011, 17:14  Blickpunkt:Film | Kino

Eröffnung des Neubaus der HFF München: "Wir haben eine Mission"

Der Neubau der HFF München Großansicht
Der Neubau der HFF München  
Nach über vier Jahrzehnten Wanderschaft zog die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) in ihr neues Domizil in die Stadtmitte, ins Kunst- und Museumsareal, und bietet den derzeit 350 Studenten dort eine neue, dauerhafte Heimat. Zum Festakt zur Eröffnung am 15. September kam Prominenz aus Politik, Kultur und Wissenschaft. Gastgeber war Gerhard Fuchs, BR-Fernsehdirektor und Präsident der HFF, der am 1. Oktober seine dritte Amtszeit antritt. Er wurde einstimmig im Mai vom HFF-Senat für weitere sechs Jahre bestätigt. Der alte und neue Präsident warf noch einmal einen Blick auf die über 40-jährige Geschichte der 1966 gegründeten Hochschule, die Ende 1967 ihren Lehrbetrieb aufnahm. Es begann alles ganz einfach in einem ehemaligen Hörfunkstudio und einem Sitzungszimmer beim Bayerischen Fernsehen in Freimann, dann folgte als großer Schritt "die Villa" in Schwabing, ein "nostalgischer Erinnerungsraum und hochschulpolitische Nahkampfszene, in der die Studenten den Marsch durch die Institutionen proklamierten", so Fuchs. Die letzten 23 Jahre residierte die HFF in einer ehemaligen Bettfedernfabrik im Münchner Stadtteil Giesing. Sie verfügte erstmals über ein eigenes Studio und konnte erstmals auch alle Studiengänge unter einem Dach vereinen - Kino- und Fernsehfilm, Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, Produktion und Medienwirtschaft sowie die vor wenigen Jahren dazugekommenen Abteilungen Drehbuch und Kamera. Das Lehrangebot aus zwei weiteren Abteilungen, nämlich Kommunikations- und Medienwissenschaft und Technik, ist für alle Studierende verpflichtend. In drei zusätzlichen Wahlfächern - Fernsehjournalismus, Werbung und Creative Writing - können die Studierenden ihr Wissen vertiefen und sich spezialisieren. Irgendwann platzte das für 130 Studenten ausgerichtete Gebäude aus allen Nähten, aber es herrschte eine sympathische Atmosphäre. "Dort wurde Film- und Oscar-Geschichte geschrieben, und wir werden diese Geschichte hier im Neubau, der uns alle Möglichkeiten bietet, fortsetzen", versprach Fuchs. Er zeigte sich stolz, auch am neuen Ort künftige Talente zu begleiten, und ging sogar so weit, den Absolventen zu "garantieren, dass sie, wenn sie nach ihrem Abschluss an der HFF in ein Taxi steigen, nie links vorn sitzen", auf gut deutsch: nicht als Taxifahrer enden. Das hörten die Studenten, die wegen Platzmangels nicht eingeladen waren und für die im Januar aber eine große Party steigen soll, sicher gern.

Gerhard Fuchs, Horst Seehofer und Wolfgang Heubisch bei der Eröffnung der HFF München Großansicht
Gerhard Fuchs, Horst Seehofer und Wolfgang Heubisch bei der Eröffnung der HFF München  
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gab sich launig und freute sich, dass neben ihm noch zwei Ex-Ministerpräsidenten anwesend waren: Edmund Stoiber und Günther Beckstein, der 2007 den Grundstein für den Neubau gelegt hatte. Seehofer konnte sich nicht die Bemerkung verkneifen, er habe "aktive Vorgänger und viele potenzielle Nachfolger". Er hob die internationale Anerkennung der HFF und ihrer Absolventen hervor und betonte: "In diesem Neubau beweist sich Innovation, und Innovation heißt Zukunft. Der Neubau der HFF ist ein Paradebeispiel für Zukunftsstrategie." München werde als erfolgreicher Medienstandort die Stärke bündeln. "Wir wollen als Filmstandort noch besser werden." Dazu gehört auch die geplante Investition von zehn Mio. Euro für den Bau einer neuen bayerischen Filmhalle auf dem Bavariagelände. Die Akklamation im Saal interpretierte er augenzwinkernd als "Volksentscheid" für dieses Vorhaben. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst lobte den Neubau "als Marke", durch die das Kunstareal auch an Bedeutung gewinne, und konstatierte: "Wir investieren in Köpfe!" Die Redner wiesen auf die Leistung der Hochschule und ihrer bisherigen 1800 Absolventen hin, wie Wim Wenders, der kürzlich verstorbene Bernd Eichinger oder Roland Emmerich und Oscar-Preisträger wie Caroline Link, Florian Henckel von Donnersmarck oder Florian Gallenberger. Letzterer bescheinigte der HFF in seiner Gastrede, ihm nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Bildung der Persönlichkeit gefördert zu haben. Für den, der sich entscheide, Filme zu machen, sei die HFF der beste Ort, sie dürfe aber keine Insel sein. Doris Dörrie, die nur in einer Einspielung zu sehen war, brachte es locker auf den Punkt: "Den Riesenschuppen muss man jetzt erst mal mit Inhalt füllen." Lachsalven bei zwei amüsanten Image-Clips, in denen "ganz normale" Menschen über den schrecklichen deutschen Film klagten. Die selbstbewusste Antwort: "Wir haben eine Mission."

Sponsor BMW brachte vor der Eröffnung vor dem HFF-Gebäude Tradition und Moderne zusammen Großansicht
Sponsor BMW brachte vor der Eröffnung vor dem HFF-Gebäude Tradition und Moderne zusammen  
Das 100 Mio. Euro teure Gebäude, in das noch das Staatliche Museum für Ägyptische Kunst Einzug halten wird, bietet auf 9230 Quadratmetern zwei schallgeschützte Film- und zwei Fernsehstudios (das größte ist 300 Quadratmeter groß) und drei Kinos, das Audimax mit 321, und zwei weitere Säle mit 186 bzw. 86 Sitzplätzen sowie eine Bibliothek mit Videokabinen. Ausgerüstet ist der Komplex mit neuester Film- und Tontechnik. Das von dem Kölner Architekten Peter Böhm konstruierte Gebäude wirkt nach außen etwas kühl, innen aber lebendig mit vielen frei schwebenden Treppen und Brücken, rauen Wänden und einem Foyer wie eine kleine Piazza. Trotz der Museumslage wird eine Musealisierung von HFF-Vizepräsidentin Michaela Krützen abgelehnt. Im Gegenteil, die Hochschule, Schutzraum und Kampfzone in einem, werde sich öffnen. Avisiert ist u.a. eine enge Koopera-tion mit den benachbarten Pinakotheken und der Musikhochschule sowie der Technischen Hochschule, die bei der geplanten neuen -Abteilung Games die grundlegende technische Infrastruktur bieten, während die HFF für den kreativen Input sorgen soll. Vom Wissenschaftsministerium abgesegnet soll auch schon eine zweite neue Abteilung Entertainment, also Fernsehunterhaltung, sein. Ein Problem bereitet den Verantwortlichen Sorge: der Exodus der Absolventen nach Berlin. Die Hauptstadt ist "arm, aber sexy", München dagegen reich und teuer, kein reizvolles -Pflaster für Anfänger. Es soll aber Denkmodelle zur Abhilfe geben, so laufen Gespräche mit dem Verband der Bayerischen Wirtschaft und der Stadtsparkasse München, Eigentümer vieler Wohnungen. Auch kein schlechter Tausch: Wohnung gegen einen treuen und vielleicht mal berühmten Bankkunden. Die wichtigsten Partner für die HFF sind der Bayerische Rundfunk als herausragender Koproduktionspartner (BR-Intendant Ulrich Wilhelm steht ab dem Wintersemester an der Spitze der Abteilung Kino und Fernsehen) und der FilmFernsehFonds Bayern. Sponsoren wie Arri und Osram, die die Fernsehstudios im Neubau mit innovativen LED-Schweinwerfern ausstatten, Premiumsponsoren wie BMW und Constantin oder auch die Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann, beide Absolventen der HFF, unterstützen die Belange der HFF. Um die Zukunft der HFF sollte es gut stehen. Und vielleicht heißt es in ferner Zeit mal: "Mission accomplished." mk

Gerhard Fuchs über seine dritte Amtszeit als HFF-Präsident

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Gerhard Fuchs, Fernsehdirektor des institutionell mit der HFF verbundenen Bayerischen Rundfunks, steht vor seiner dritten Amtszeit als Präsident der HFF und freut sich über den Umzug ins Kunstareal.
Wie wollen Sie der Konkurrenz der anderen Filmhochschulen begegnen?
In den letzten Jahren wurden schon Gespräche geführt, auch im politischen Raum mit Landtag und Staatsregierung. Es geht nicht, dass wir hier die Besten ausbilden und die dann nach Berlin gehen und ich als Fernsehdirektor sie wieder für eine Produktion nach München holen muss mit all den Kosten. Schon Franz-Josef Strauß erkannte die Relevanz von Film und Medien als Zukunftsindustrie und wichtigem Wirtschaftszweig, der in Bayern beheimatet ist. Von der Politik wird das Problem wahrgenommen und über Abhilfe bei bezahlbarem Wohn- und Büroraum nachgedacht.

In Ihrer Festrede versprachen Sie den HFF-Absolventen, nicht als Taxifahrer zu enden. Woher nehmen Sie diese Gewissheit?
Zu Beginn des Studiums sage ich den Erstsemestern, es kann nicht sein, dass ihr nach fünf Jahren Ausbildung als Taxifahrer arbeitet. Das kann ich dem bayerischen Steuerzahler nicht zumuten, dafür ist die Ausbildung zu teuer. Der ehemalige Fernsehdirekter des BR, Helmut Oeller, hat die geniale Architektur für die Ausbildung geschrieben mit der Grundidee, dass die HFF nicht nur ein akademisches Biotop sein sollte, sondern dass nebenamtliche Abteilungsleiter, die neben den Professoren in einem Hauptberuf stehen, den Studenten auch eine Beziehung zur Lebenswirklichkeit bzw. Praxis bieten. Die Statistik zeigt, dass der größte Teil der Absolventen im Geschäft angekommen ist.

Was steht demnächst auf der Agenda?
In den letzten Jahren wurden die zwei neuen Abteilungen Drehbuch und Kamera eröffnet. Und zwar durch Public Private Partnership mit Bavaria und Arri in der dreijährigen Anlaufphase. Inzwischen sind die Abteilungen im Staatshaushalt verankert. Und jetzt habe ich zwei neue Abteilungen in Planung - Games in enger Kooperation mit der Technischen Universität München und Entertainment, also Fernsehunterhaltung. Auch diese Abteilungen sollen privat vorfinanziert werden. Und dann gehe ich wieder - was die langfristige Finanzierung angeht - von der normativen Kraft des Faktischen aus. mk

Franz Kraus über das Engagement von Arri bei der HFF

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Die Arri AG unterstützt die HFF München mit technischer Ausrüstung beim Studiengang Kamera und sorgt für innovative Lichttechnik. Für Vorstand Franz Kraus eine Selbstverständlichkeit.
In welcher Form ist Arri bei der HFF engagiert?
Wir unterstützen zusammen mit der Bavaria Pictures GmbH den neuen Studiengang Kamera mit Michael Ballhaus in substanziellem Maß. Jemand wie Ballhaus kann nicht nur Vorlesungen halten und Seminare durchführen, es müssen dabei auch Übungsfilme gedreht werden. Und dazu brauchen die Studenten professionelle Ausstattung und Technik. Wir übernehmen im Wesentlichen 50 Prozent der Kosten für die technischen Anforderungen dieses Studiengangs. Auch ein Übungsfilm soll aussehen wie ein hochwertiger Film, er braucht Studios, Zugriff auf Ausstattung und Bühne sowie professionelle Licht- und Kameratechnik und die entsprechenden Postproduktionsdienstleistungen.

Die HFF freut sich auch über das Neueste in Sachen Lichttechnik von Arri und Osram für die Studios im Neubau.
Wir arbeiten mit Osram seit Jahrzehnten erfolgreich zusammen, deshalb lag es auf der Hand, uns mit diesem Technologieunternehmen, das uns am nächsten liegt und mit dem wir auf gute Erfahrungen zurückblicken können, für die professionelle und innovative LED-Lichttechnik zusammenzuschließen. Unser Engagement umfasst die Ausstattung der vier Studios mit 36 neuesten Arri-LED-Scheinwerfern der L7-Serie sowie 76 der Arri-True-Blue-Scheinwerfer, in denen 575 Watt und 1200 Watt starke HMI-Lampen von Osram für optimale Tageslichtverhältnisse eingebaut sind.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Absolventen der HFF im Berufsleben?
Viele Leute, mit denen wir professionell zusammenarbeiten, haben an der HFF München studiert, darunter viele Regisseure, Kameraleute und Produzenten, die wir von Anfang an auf ihrem Weg begleitet haben. Die Kontakte entwickeln sich aus der Unterstützung von Übungs- und Abschlussfilmen, da entsteht eine Art Treue und dieses berühmte Netzwerk, das häufig ein ganzes Berufsleben lang hält. Unser Interesse ist es, möglichst früh dabei zu sein. Je eher man einsteigt, desto besser. Wir hoffen, dass die Hochschule weitere nennenswerte Ausbildungsgänge erschließt, Kamera war in der Vergangenheit nur ein Studienschwerpunkt und ist jetzt ein eigenständiger Studiengang. Eine Hochschule ist immer auf Hilfe zum Start angewiesen. Diese Herausforderung nehmen wir gern an. Wir haben noch einige Pläne für ein weitergehendes Engagement, das wird sich aber erst im Lauf des nächsten Jahres konkretisieren. mk


Quelle: Blickpunkt:Film

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