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Greater Union First Cinema B.V. & Co. KG

Kinoinhaber

Lübeck, 07.12.2010, 18:33  Blickpunkt:Film | Kino

Eine Kinoqueen tritt ab

Mit dem Abschied von Marlis Kieft geht eine Ära zu Ende - und eine 62-jährige Familientradition. Kieft, die mit 20 Jahren in das elterliche Kinogeschäft einstieg und später mit ihrem Bruder Heiner die Geschäftsführung der Kieft & Kieft Filmtheater übernahm, bezeichnet ihre Zeit bei CineStar als "wunderbare Jahre".

Marlis und Heiner Kieft Großansicht
Marlis und Heiner Kieft  
Kinoluft atmete Marlis schon als Kind, in den Lichtspielen Hoffnung, die ihr Vater Albert Kieft gemeinsam mit zwei anderen Betreibern 1948 in den Räumen einer ehemaligen Gaststätte in Lübeck eröffnete. 1958 wurden die Lichtspiele Gilde-Mitglied; man spielte künstlerisch anspruchsvolle Filme aus Frankreich, Italien und Skandinavien, wie sie in den 50er- und 60er-Jahren nicht oft zu sehen waren. Damit zog man sich ein Stammpublikum heran, das dem Kino auch in Krisenzeiten treu blieb.

1975 stieg Marlis Kieft in das Unternehmen ein, 1979 ihr Bruder Heiner. Die Geschwister gründeten die Kieft & Kieft Filmtheater GmbH, die sie kontinuierlich ausbauten. Sie schrieben eine der eindrücklichsten Kinoerfolgsgeschichten Deutschlands. Einige Stationen: Nach der Wende erwerben die Kiefts Treuhandkinos in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen. 1995 wird der ein Jahr zuvor in Lübeck eröffnete Filmpalast Stadthalle für seine Architektur ausgezeichnet. 1997 werden Kieft & Kieft in Las Vegas als "International Exhibitor of the Year" geehrt.

1998 steigt der australische Unterhaltungskonzern Amalgamated Holdings Limited (AHL) mit einem Anteil von 50 Prozent ein. Mit der Übernahme von 30 Kinos der insolventen UFA wird die Gruppe 2003 zum größten deutschen Kinoverbund. Doch ein schwaches Kinojahr führt das zu großen Teilen familiär geführte Unternehmen an seine finanziellen Grenzen. AHL übernimmt die CineStar-Gruppe vollständig, die seitdem als Greater Union Filmpalast GmbH firmiert.

David Seargeant, CEO der australischen Muttergesellschaft Greater Union, verabschiedet seine Geschäftsführerin mit Worten des Danks und der Anerkennung: "Marlis Kieft hatte einen großen Einfluss auf die CineStar-Gruppe und war maßgeblich prägend für den Erfolg. Sie genießt ein hohes Ansehen und großen Respekt - nicht nur in der Branche, sondern auch innerhalb der CineStar-Belegschaft. Wir werden Marlis Kieft vermissen." Greater Union kündigte an, sich demnächst mit der künftigen Struktur innerhalb der CineStar-Unternehmensführung zu befassen. Mit "signifikanten Änderungen" sei jedoch nicht zu rechnen. Eines ist klar: Die Frau mit den markanten blauen Augen, die dafür bekannt ist, dass sie sagt, was sie denkt, hinterlässt eine leinwandgroße Lücke. Ihre Mitarbeiter und die Bewohner der Hansestadt werden die Kinopionierin vermissen. Der Branche wird sie hoffentlich erhalten bleiben - die Kinoqueen mit Herz und Verstand. boe


Quelle: Blickpunkt:Film

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