Die Befürchtungen, "The Brothers Grimm" könne für Terry Gilliam eine ähnlich traumatische Erfahrung werden wie "Brazil" vor 20 Jahren, scheinen sich nicht zu bewahrheiten: Trotz angeblicher Auseinandersetzungen mit den Weinsteins über den Final Cut präsentierte Gilliam in Cannes an der Seite von Harvey Weinstein 20 Minuten des vor zwei Jahren gedrehten Films.
Terry Gilliam legte seinen Streit mit Harvey Weinstein bei (Bild: Kurt Krieger)
"Vor einem Jahr habe ich Ihnen drei Minuten aus dem Film gezeigt, jetzt sind es schon 20 Minuten. Wenn ich in diesem Tempo weitermache, ist der Film in vier Jahren fertig", witzelte Regisseur Terry Gilliam bei der von Harvey Weinstein zu Beginn des Festival de Cannes kurzfristig einberufenen Präsentation von "The Brothers Grimm". Hätte nicht wenige Minuten zuvor bereits Weinstein vor versammeltem Auditorium bekannt gegeben, dass der Film im Verleih der Weinstein Co. kurz vor der Fertigstellung stehe und am 26. August mit 2500 Kopien in den USA (und parallel dazu in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Schweden) anlaufen werde, man hätte Gilliam womöglich geglaubt. Immerhin ist der ehemalige Monty Python legendär für Produktionen mit schwierigem Entstehungsprozess: 1985 konnte sein "Brazil" gegen den Willen von Paramount erst auf massivem Druck zahlreicher Filmkritiker in der vom Filmemacher vorgesehenen Fassung in die Kinos kommen; sein "Die Abenteuer des Baron von Münchhausen" ist legendär für massive Termin- und Budgetüberschreitungen; der Dreh von "The Man of La Mancha" musste 2000 abgebrochen werden, als sein Hauptdarsteller Jean Rochefort einen Bandscheibenvorfall erlitt.
"Brothers Grimm" lässt wundersame Zauberwesen auferstehen
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Obwohl verlässliche Informationen schwer zu bekommen sind, war wohl auch der Dreh von "The Brothers Grimm" im Sommer 2003 in den Barrandov Studios, für den der 64-jährige Gilliam mit 80 Mio. Dollar sein bislang höchstes Budget und mit Matt Damon und Heath Ledger zwei große Stars zur Verfügung hatte, alles andere als ein Zuckerschlecken. Sicher ist jedenfalls, dass nach zwei Wochen Gilliams Hauskameramann Nicola Pecorini von Bob Weinstein persönlich gefeuert und durch Newton Thomas Sigel ersetzt wurde. Insgesamt soll der Drehplan um 25 Tage überzogen worden sein. Und in der Postproduktion gingen die Scharmützel zwischen Gilliam und den Weinsteins weiter. So lange zog sich die Fertigstellung des Films hin, dass nicht nur der ursprüngliche Starttermin im Sommer 2004 mittlerweile fünfmal verschoben wurde, sondern Gilliam zwischendurch Zeit fand, den deutlich niedriger budgetierten "Tideland" (Produktion: Jeremy Thomas) nach einem Roman von Mitch Cullim in der kanadischen Provinz Saskatchewan (reibungsfrei) in zehn Wochen abzudrehen und mittlerweile beinahe fertig zu stellen. Umso überraschender kommt die plötzliche Wiederauferstehung von "The Brothers Grimm" inklusive Schulterschluss von Harvey Weinstein und Terry Gilliam, die in Cannes mit Produzent Charles Roven und Hauptdarstellerin Monica Bellucci zumindest nach außen einen gelösten Eindruck machten. Und sie hatten allen Grund dazu: Die eigens zusammengestellten 20 Minuten des Films waren mehr als viel versprechend und hatten alles, was man sich von einem Film von Terry Gilliam erwartet: Fantasie, Witz, Innovation, Schrulligkeit und Vision. Erzählt wird auf eigenwillige Weise die von Ehren Kruger frei erfundene Geschichte der Grimm-Brüder, in diesem Fall zwei Scharlatane, die durch die Lande ziehen, um Ortschaften von angeblichen Dämonen zu befreien, und dabei an ein verwunschenes Dorf geraten. Der Film sieht wenigstens so verrückt und ungewöhnlich aus wie die Geschichte klingt. Dabei bietet er neben Starpower auch eindringliche Bilder und ein Füllhorn an Einfällen, sodass sich der deutsche Verleih Concorde zu Recht Hoffnungen darauf machen kann, nach "12 Monkeys" (2,1 Mio. Zuschauer) von Terry Gilliam einen weiteren Hit auf dem silbernen Tablett serviert zu bekommen.
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