Paris, 22.09.2003, 16:59  Blickpunkt:Film

Debatte um Jeunets Mammutprojekt: US-Beteiligung als Nachteil?

In Frankreich sorgt die Beteiligung des US-Majors Warner am neuesten Projekt des Vorzeigeregisseurs Jean-Pierre Jeunet für heiße Diskussionen. Warners Präsenz schmälert die Aussicht des Films auf CNC-Fördergelder.

"Un long dimanche à fiancailles Clip" mit Audrey Tautou ist mit einem Budget von 45 Mio. Euro eines der teuersten Projekte, die je in Frankreich realisiert wurden. Der Film wird mehrheitlich von der von Francis Boesflug, Chef von Warner France, gegründeten Gesellschaft 2003 Productions produziert. Weil das Kapital des Unternehmens zum großen Teil von dem US-Major stammt, sollte der Film laut Richtlinien des CNC keine öffentliche Unterstützung erhalten. Dies ist der Wunsch einiger Produzentenverbände wie des ARP (Auteurs, Réalisateurs, Producteurs), die befürchten, dass die US-Studios mittelfristig die besten Projekte an sich ziehen, falls das CNC Jeunets Werk unterstützt. Das CNC hat unterdessen zwei Experten beauftragt, die prüfen sollen, inwieweit und in welcher Form das US-Studio an 2003 Productions beteiligt ist. Unterdessen stehen immer mehr Produzenten auf Boesflugs Seite.

Wie Thomas Langmann, Produzent des erfolgreichen Films "Le Boulet Clip", gehen sie davon aus, dass der neue Jeunet alle Kriterien erfüllt, um durch die compte-de-soutien-Projektförderung unterstützt zu werden, die sich aus Verwertungseinnahmen speist. Der Film wird auf französisch und mit einer französischer Crew gedreht und von französischen Unternehmen postproduziert. Sollte der Film vom CNC nicht als nationales Werk anerkannt werden, bestehe laut Langman die Gefahr, dass Investoren künftig ihre Filme anderswo realisieren. "Hierzulande wäre kein einziger Produzent in der Lage gewesen, ein so ehrgeiziges Projekt auf Beine zu stellen", so Langman, der den Protektionismus einiger seiner Kollegen vehement verurteilt. Laut Langman sollten diese US-Gegner nicht vergessen, dass die compte de soutien, die sich aus elf Prozent der Kinoumsätze speist, mehrheitlich durch amerikanischen Titel zustande kommt.

Quelle: Blickpunkt:Film

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