New York, 17.12.2001, 17:42  Blickpunkt:Film

Darren Aronofsky zu "Requiem for a Dream"

Der Independent-Erfolg "Pi Clip" machte Darren Aronofsky zum Wunderkind der US-Filmbranche, doch seinen letzten Geniestreich, "Requiem for a Dream" (Highlight/Central, 3. Januar), bekommt das deutsche Publikum nur bei einem Minikinostart und auf Video zu sehen. Jetzt stößt der 32-jährige New Yorker ins Mainstream-Kino vor.

Darren Aronofsky
Darren Aronofsky  
Blickpunkt:Film: "Requiem for a Dream" ist ein Horrortrip von unglaublicher Suggestionskraft. Warum wollten Sie Ihr Publikum so sehr schocken?

Darren Aronofsky: Dieser Film soll die Leute dazu bewegen, über ihr Leben nachzudenken. Er zeigt uns, dass alles eine Droge sein kann - vom Heroin bis zum Fernsehen. Und dafür habe ich einen sehr expressionistischen Stil gewählt. Denn nur so kann ich erreichen, dass das Publikum das alles mitempfindet. Ich will Filme machen, die eine echte Wirkung haben.

BF: Nun drehen Sie für Warner den Science-Fiction-Film "Last Man" mit Brad Pitt und Cate Blanchett. Müssen Sie Ihre kreativen Freiheiten aufgeben?

DA: Bis jetzt nicht. Ich bekomme sehr viel Unterstützung. Die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, sind wirklich kooperativ und intelligent. Deshalb habe ich sie mir auch ausgesucht.

BF: Haben Sie das Recht auf den Final Cut?

DA: Das bekommen nur wenige Filmemacher auf diesem Planeten. Jemand in meiner Position muss verhandeln und mit dem bestmöglichen Film ankommen.

BF: Ihre Geschichten sind nicht gerade einfache Kost. Befürchten Sie, dass Ihnen irgendwann das Studio die Zügel aus der Hand nimmt?

DA: Natürlich gibt es diese Angst. Aber bei einem derart hohen Budget wie bei "Last Man" habe ich die Verantwortung, nicht einfach einen Kunstfilm abzuliefern, sondern ein Movie, das ein großes Publikum findet.

BF: Und Warner hat keine Bedenken?

DA: Die haben sie schon. Aber letztlich glauben sie an mich. Die Liebe zu Kunstfilmen ist zwar ein Teil von mir, aber gleichzeitig habe ich den Drang, so viele Leute zu erreichen wie möglich.

BF: Wie wollen Sie das mit "Last Man" schaffen?

DA: Ich möchte dem Publikum etwas zeigen, was es nie zuvor gesehen hat. Genau aus diesem Grund gehe ich selbst ins Kino. Lassen Sie sich überraschen.

BF: Geht's konkreter?

DA: Es ist ein Science-Fiction-Film, ähnlich wie "Pi". Alle konventionellen Genreregeln werden gebrochen. Mein Ziel ist es, etwas wie "2001" zu schaffen.

BF: Warner hat Ihnen nun auch die Marke "Batman" anvertraut. Wie weit sind Sie mit dem Buch zu "Batman: Year One"?

DA: Da stehe ich ganz am Anfang. Frank Miller, Erfinder der ursprünglichen Batman-Geschichte, und ich werden das Skript schreiben. Wir haben uns mehrfach getroffen, aber wir müssen uns noch auf eine bestimmte Richtung einigen.

BF: "Batmans Rückkehr" ist Ihr Lieblingsfilm der Serie. Werden Sie an Tim Burtons prägnanten Stil anknüpfen?

DA: Es wird ein ganz anderer Batman sein. Denn ich bin auch ein ganz anderer Filmemacher.

BF: Werden Sie Hollywoods Studioproduktionen damit wieder Intelligenz einhauchen?

DA: Ich hoffe es. Dieser Sommer mit seinen Franchise-Filmen war wirklich furchtbar. Aber denken Sie zurück an 1999 mit "Fight Club", "The Sixth Sense" oder "Magnolia Clip" - das war eines der besten Jahre Hollywoods überhaupt. Und diese Filmemacher arbeiten gerade an ihren nächsten Produktionen. Keine Frage, wir werden wieder gutes Hollywood-Kino erleben.

BF: Sie gelten als einer der Vorreiter der neuen US-Regiegeneration. Sehen Sie sich selbst als Teil der Bewegung?

DA: Bewegung ist vielleicht übertrieben ausgedrückt. Aber es ist schon eine aufregende Zeit, da all diese Regisseure ins Zentrum von Hollywood vordringen. Und ich versuche einfach, einer von diesen Jungs zu sein.

BF: Wollen Sie die Filmästhetik umkrempeln?

DA: Ich setze natürlich gezielt alle technischen und visuellen Innovationen ein. Aber meine Geschichten sind im Grunde traditionell. Meine Lieblingsregisseure sind immer noch die alten Meister. Kurosawa ist mein Gott. Und ich würde liebend gern einmal einen Film mit einem Tempo wie "Lawrence von Arabien Clip" drehen.

BF: Jetzt wo Sie ins Hollywood-System vorgedrungen sind, denken Sie nicht, dass das alte Independent-Leben einfacher war?

DA: "Requiem for a Dream" zu realisieren, war ein dreijähriger Kampf. So viele Male fiel die Finanzierung flach, und so viele Male schien es, als würde alles klappen. Das Ganze war so qualvoll - so ähnlich muss es Frauen bei der Geburt gehen.

Quelle: Blickpunkt:Film

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